Nächste Woche soll die Zeltsporthalle zur Verfügung stehen. FOTO: SCHEPP
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Nächste Woche soll die Zeltsporthalle zur Verfügung stehen. FOTO: SCHEPP

Spezialanfertigung

Gießen: Drei Jahre lang Sport im Zelt

  • vonOliver Schepp
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Die lange erwartete Ersatzhalle für die Liebigschule wird jetzt auf dem MTV-Gelände errichtet. Sie ist beheiz- und kühlbar.

Gießen(mö). Bis vor wenigen Tagen lagerte auf dem Gelände des MTV 1846 Gießen noch das Baumaterial auf einigen Stapeln, am Dienstagmittag indes stand der Rohbau schon. Eine Leichtbauhalle aus Metall und Kunststoff wächst eben schnell. Bis Ende der Woche und damit rechtzeitig zum Beginn der dritten Unterrichtswoche im neuen Schuljahr soll die zeltartige Interimshalle für die Liebigschule stehen. "Jetzt haben wir die Gewissheit, dass sie zur Verfügung stehen wird", sagte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser bei der Vorstellung am Heegstrauchweg

Eigentlich hatte der Ortstermin bereits vor zwei Wochen stattfinden sollen, aber dann kam es zu Verzögerungen, weil sich der Untergrund des Sportplatzes als derart porös erwiesen hatte, dass die Verankerung der 30 mal 20 Meter großen und neun Meter hohen Halle verstärkt werden musste. Zunächst wurde erwogen, das Sportzelt mit drei Meter langen Heringen festzunageln, aber die hätten erst produziert werden müssen. So entschied man sich, die vorhandenen 1,50 Meter langen Erdnägel zusätzlich mit "Injektionsmörtel" zu fixieren, erläuterte Peter Krause, Abteilungsleiter im Hochbauamt der Stadt.

Stadt hat maximal vier Jahre Zeit

Das Sporthallenzelt ist eine Spezialanfertigung und wurde von der HTS Industriebau GmbH aus Kefenrod angefertigt. Wurf- und schussstabile Thermowände, ein aufblasbares Dach, zwei Klimaanlagen und die Beleuchtung gehören zur Ausstattung. "Das Zelt kann beheizt und gekühlt werden", erklärte Krause. Als Boden wird der gedämpfte Kunststoffbelag des MTV-Sportplatzes genutzt.

Das Zelt wurde vom Unternehmen HTS für drei Jahre gemietet, vereinbart wurde zudem eine Option auf Verlängerung um maximal ein Jahr. Inklusive Auf- und Abbau wird das die Gießener Streuerzahler 80 000 Euro im Jahr kosten. Die Stadt gibt sich also maximal vier Jahre Zeit, um auf dem Gelände der Liebigschule eine neue Halle zu errichten, nachdem bei der Doppelturnhalle statische Schwächen festgestellt worden waren. Momentan wartet der Magistrat noch auf ein Machbarkeitsgutachten und bringt parallel ein Vergabeverfahren für Planungsleistungen auf den Weg. Sollte die neue Sporthalle schneller stehen, kann der Mietvertrag für die Halle auch vorzeitig beendet werden.

Die Nutzung der Interimshalle haben Stadt und MTV 1846 in einem Kooperationsvertrag geklärt. "Hauptnutzerin ist die Liebigschule", machte Stadträtin Eibelshäuser deutlich. Von morgens bis 18 Uhr steht die Halle für den Sportunterricht zur Verfügung Abends, an den Wochenenden und in den Ferien kann sie vom Verein genutzt werden, der von der Stadt im Monat 500 Euro für die Überlassung des Geländes erhält. Für die Mitbenutzung der Umkleiden und Sanitäranlagen im Vereinsheim musste keine Vereinbarung getroffen werden, weil das Außensportgelände schon länger für den Sportunterricht der "Lio" genutzt wird.

Entscheidung über Vereinsheim naht

"Wir waren ganz offen, als uns die Stadt wegen der Leichtbauhalle angesprochen hat. Wir wollen der ›Lio‹ helfen", sagte MTV-Vorsitzender Mehmet Tanriverdi, der gemeinsam mit Schatzmeisterin Dorothé Küster zum Pressetermin gekommen war. Für den MTV sei die Leichtbauhalle insofern eine Entlastung, weil die Rivers Halle, wo das Gießener Corona-Testcenter untergebracht ist, wohl noch lange Zeit nicht zur Verfügung stehen wird. Basketball-Training kann in dem Sportzelt stattfinden, für Punktspiele reicht es aber nicht. Der Fußball- und Football-Betrieb auf dem Kunstrasenplatz wird durch das Zelt nicht gestört, auch die 400-Meter-Laufbahn steht in voller Länge zur Verfügung.

Tanriverdi und Küster gehen davon aus, dass der MTV 1846 innerhalb der nächsten drei Jahre entweder mit der Komplettsanierung oder einem Neubau seines Vereinsheims beginnen wird. Verein und Stadt müssten dann für die Sanitäranlagen und Umkleidekabinen wohl auf Container zurückgreifen.

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