War’s das letzte Mal? Silvesterfeuerwerk 2018/2019 auf dem Berliner Platz.
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War’s das letzte Mal? Silvesterfeuerwerk 2018/2019 auf dem Berliner Platz.

Silvester-Feuerwerk

Deutsche Umwelthilfe fordert Feuerwerk-Verbot in Gießen - Kommt erprobte Zwischenlösung? 

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Die Deutsche Umwelthilfe hat wegen hoher Feinstaub-Werte ein Verbot von Silvester-Feuerwerk auch in der Stadt Gießen beantragt. Folgenreicher könnte ein anderer Verbotsantrag sein.

Gießen - Dieses Silvesterfeuerwerk haben manche Gießener bis heute nicht vergessen. Es war die Nacht auf den 1. Januar 2008: Gießen war in eine dicke Nebelschicht gepackt, die Rückstände von Böllern und Raketen blieben in der feuchten Luft hängen, eine aggressive Mischung aus Schwarzpulver und Schwefel biss den Feiernden in die Bronchien. Der Feinstaubanteil in der Luft stieg damals auf den bisherigen Rekordwert von 833 Milligramm pro Kubikmeter Luft. 

Der "archaischen Böllerei", die nicht nur die Atemwege belastet, sondern Müll, Brände und Verletzungen verursacht, möchte nun die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ein Ende bereiten. Sie hat in fast 100 deutschen Städten, in denen der Empfehlungs-Jahresmittelwert der Weltgesundheitsorganisation WHO von 20 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft 2018 überschritten wurde, Anträge auf ein Verbot der Silvesterknallerei gestellt. Mit einem Jahresmittelwert von 22 Mikrogramm zählt Gießen zu diesen Städten.

Gießen: Böller und Feuerwerk nur an wenigen ausgewiesenen Stellen?

Gießens Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) bestätigt am Mittwoch, dass bei der Stadt in den letzten Tagen eine Eingabe der DUH eingegangen ist. Die werde man sicherlich bescheiden, aber der Empfehlungswert der WHO sei keine Rechtsgrundlage für ein Verbot, verweist die Stadträtin auf den derzeit gültigen gesetzlichen Grenzwert beim Feinstaub. Der liegt bei 50 Mikrogramm (Tagesmittelwert) und darf maximal an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. In diesem Jahr ist dieser Grenzwert in Gießen bislang nur an drei Tagen überschritten worden.

Durchschlagender als der Antrag der DUH könnte sich ein Antrag der Gießener Linken im Stadtparlament erweisen. Die Linksfraktion fordert, dass Silvester nur noch "an wenigen ausgewiesenen Stellen" geknallt werden darf. Findet sich für diesen Vorstoß bei der Sitzung im November eine Mehrheit, müsste die Stadt ein Verbot wohl schon für den nächsten Jahreswechsel erlassen.

Solche Verbote gibt es schon, weiß Weigel-Greilich auch von ihren Amtskollegen aus anderen Städten. "Das Verbot des Silvesterfeuerwerks war zuletzt auch beim Städtetag ein großes Thema. Der Kollege aus Limburg hat es für den Domplatz durchgesetzt", berichtet Weigel-Greilich und fügt hinzu: "Die Kollegen stört aber eher der Müll und die Gefahr von Bränden und Verletzungen." Von einem pauschalen Feuerwerk-Verbot hält Weigel-Greilich auch wegen der Kontrollierbarkeit wenig. Kritisch sieht sie die Böllerei gleichwohl, "weil sie überhand genommen hat". Sie habe selbst miterlebt, wie ein Kind einen schweren Asthmaanfall an Silvester erlitt. "Der Notarzt hat gesagt, das komme bei Kindern gar nicht so selten vor."

Gießen: Feuerwerk mit Auswirkungen auf Haustiere und Boden

Die Linksfraktion im Stadtparlament verweist neben den genannten Gefahren durch Feinstaub und Unfälle auch auf die Folgen fürs Grundwasser, weil die giftigen Rückstände der Böller in Erde und Bachläufe einsickerten, für Haustiere sei die Knallerei ein "Spießrutenlauf".

Für die Stickoxidreduzierung brächte der Verzicht aufs Feuerwerk dagegen nichts. "Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie hat uns bestätigt, dass es nicht zu einer Reduzierung führt", erklärt die Umweltdezernentin.

Die Linksfraktion indes argumentiert auch mit dem jüngsten Beschluss des Stadtparlaments, wonach Gießen bereits 2035 klimaneutral sein soll. Die Stadtverordnete Martina Lennartz: "Die Oberbürgermeisterin muss sich an ihrem Versprechen messen lassen, dass Klimaschutz künftig ein Prüfstein für alle Maßnahmen der Stadt sein muss." Hintergrund: Laut Berechnungen werden beim Silvesterfeuerwerk in Deutschland Jahr für Jahr bis zu 3000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt.

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