Der Currywurst-Kult-Laden "Best Worscht in Town" öffnet in Gießen. (Symbolbild)
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Der Currywurst-Kult-Laden »Best Worscht in Town« öffnet in Gießen. (Symbolbild)

Neueröffnung

Kultiges Currywurst-Franchise eröffnet Imbiss in Gießen

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Seit einem launigen Abend mit Kumpels nennt sich Lars Oberdorfer scherzhaft »Godfather of Worscht«. Jetzt eröffnet er in der Neuen Bäue in Gießen die 26. »Best Worscht«-Filiale. Er bringt ein besonderes Versprechen mit.

  • Aufregung in Gießens Gastro-Szene: Ein bekanntes Franchise zieht in die Stadt.
  • „Best Worscht in Town“ öffnet in der Gießener Neuen Bäue.
  • Chef Lars Oberdorfer hat große Pläne für den neuen Currywurst-Kultladen.

Gießen – Lars Oberdorfer ist gut drauf. Vier Tage vor der Eröffnung steht der Chef und Gründer des Franchise-Unternehmens »Best Worscht in Town« glücklich und zufrieden in der neuen Filiale in der Gießener Neuen Bäue. Es ist mittlerweile die 26. »Net aufregen«, ruft er seinem neuen Franchisenehmer Mirko Lacic zu, als sich ein Anwohner durch das geöffnete Fenster beschwert, dass sein Stellplatz zugeparkt ist. »Das isses net wert«, sagt der Frankfurter. »Freundlich sein. Und wegfahren!« Damit hat Oberdorfer kurzerhand nicht nur ein Problemchen gelöst, sondern ganz nebenbei auch vermittelt, wie er sich den Umgang mit den Kunden wünscht. »Locker sein, Späßchen machen, keine Meinung haben«, sagt der selbsternannte »Godfather of Worscht«. »Es gibt keine Diskussion mit dem Gast.« In seinen Läden hängt zudem das Geschmacksversprechen: Wem die Wurst oder die Sauce nicht passt oder die Pommes zu kalt sind, bekommt so lange Ersatz, bis er zufrieden ist. »Der Kunde muss mit einem Lächeln gehen, dann haben wir alles richtig gemacht«, sagt Oberdorfer. Bei Reklamationen über soziale Medien antworte er immer direkt und böte Gutscheine an. Sein neuer Geschäftspartner Lacic hört gespannt zu.

„Best Worscht in Town“ in Gießen: 1994 Omas Wurst-Bude übernommen

Das »Worschtverkäufergebabbel«, wie Oberdorfer selbst sagt, hat er drauf. Als seine Mutter ihn 1994 bittet, mit in die Wurst-Bude seiner Oma im Frankfurter Grüneburgring einzusteigen, ist er 23 Jahre alt und Animateur auf Ibiza. »Ich habe ein bisschen was vom Animateur mit in die Bude gebracht und die Leute beim Warten unterhalten. Den steifen Bankern habe ich mal kurz den Stock aus dem Arsch gezogen.« Das kommt an.

Lars Oberdorfer hat 1994 mit einer Wurst-Bude in Frankfurt begonnen, heute macht sein Unternehmen 12,4 Millionen Euro Jahresumsatz. FOTO: SCHEPP

Die Warteschlangen werden immer länger. Erst recht, als Oberdorfer seine Sauce mit speziellen Würzmischungen verfeinert, die er mit einem befreundeten Sternekoch kreiert hat. Als er vor knapp 20 Jahren außerdem noch mit hierzulande unbekannten Saucen in verschiedenen Schärfegraden experimentiert, die ihm Flugbegleiter aus den USA mitbringen, wird die Wurst-Bude in Frankfurt zum Kult, die Popularität ist über die Stadtgrenzen hinaus zu spüren. 2005 startet Oberdorfer den ersten Chili-Contest. Und auch im Laden wollen sich die Kunden übertreffen. Wer isst am schärfsten? Das ist die Frage. Die Medien werden auf Oberdorfer aufmerksam, bald steht er für eigene TV-Produktionen vor der Kamera. »Das hat natürlich beim Aufbau des Franchisesystems sehr geholfen«, sagt Oberdorfer heute.

Gießen: „Best Worscht in Town“-Macher ist ein Kumpeltyp

Der Familienvater trägt das Haar noch immer hellblond und strubbelig, die Jeans zerrissen, Tattoos auf den kräftigen Oberarmen, und er hat nach wie vor eine Vorliebe für auffällige Brillen. 1994, beim Beginn der Selbstständigkeit hatte er noch Angst, da er plötzlich 22 000 DM Verbindlichkeiten hatte. Heute kommt er mit einem Tesla nach Gießen. Das zeigt den Status, den Oberdorfer sich erarbeitet hat, und den Erfolg. Als Mensch sei er aber gleich geblieben, sagt er. Ein wenig misstrauischer vielleicht, weil er auch schon von Hochstaplern hinters Licht geführt, von Fremden überfallen, von Mitarbeitern enttäuscht und einem Familienmitglied »abgezogen« worden sei. Grundsätzlich wolle er seine offene und zugewandte Art wegen anderer Menschen und Begebenheiten aber nicht opfern. Er ist ein Kumpeltyp und will es bleiben.

„Best Worscht in Town“ in Gießen: Zwei bis drei neue Läden pro Jahr

Bis Oberdorfer seine zweite Filiale in der Berger Straße eröffnet, vergehen gut 20 Jahre. Das erste Franchisekonzept folgt 2005 im Nordwestzentrum. Der Vertragsinhalt passt damals auf ein Stück Papier. Mittlerweile existieren 26 Filialen, darunter auch Standorte im arabischen Raum, im Juni hätte eigentlich die erste Filiale in den USA eröffnen sollen, doch Corona kam dazwischen. »Best Worscht in Town« macht 12,4 Millionen Euro Umsatz im Jahr und bietet etwa 100 Vollzeitstellen, dazu zählen zwei Qualitätsmanager, die regelmäßig alle Filialen überprüfen.

Oberdorfer legt Wert darauf, dass sein Unternehmen langsam und gesund wächst. Zwei bis drei neue Läden im Jahr, mehr nicht. Die Säulen des Erfolges kann er an einer Hand abzählen. »50 Prozent kleine Produktpalette und große Qualität; 50 Prozent der Mensch, der hinter der Theke steht.« Deswegen hat er die Lizenz anfangs nur an Freunde und ehemalige Mitarbeiter vergeben. Und das Alleinstellungsmerkmal sei auch wichtig für ein Franchise. »Das hatten wir durch die Wurst und die Schärfen. Das war damals einzigartig«, sagt Oberdorfer. Mittlerweile, gibt er zu, ist die Sache mit der Schärfe medial auserzählt, dennoch ist die »Schärfe-Schlacht« zum Beispiel unter Kollegen in den Läden immer noch Kult. »Wenn ein Kunde eine besonders scharfe Sauce bestellt, werden die anderen um ihn herum nach wie vor still und beobachten genau, was passiert.«

Gießen: „Best Worscht in Town“ startet in dieser Woche

Oberdorfer lacht. »Das wird in Gießen genauso sein. Darauf kannst du dich schon freuen«, sagt er zu seinem Geschäftspartner Lacic. Man merkt dem Frankfurter an, dass ihm der Job mit der Currywurst auch nach mehr als 25 Jahren noch Spaß macht.

Am Donnerstag geht es nun für den gelernten Koch Mirko Lacic in der Gießener Filiale los. Um 11 Uhr findet die offizielle Eröffnung statt. Geöffnet hat das »Best Worscht in Town« (Neue Bäue 8) von Montag bis Samstag von 11 bis 19 Uhr. Im Angebot Bratwurst, Rindswurst und eine vegane Wurst, mehr als neun unterschiedliche Currysaucen und sieben Schärfegrade, Pommes und ausgehobenes Bauernbrot. (Von Marc Schäfer)

Neues gibt es auch von einem anderen Gastro-Betrieb in Gießen: Ein bekanntes Restaurant weicht für eine neue „Ulenspiegel“-Kneipe.

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