Da CoviMedical mit den Kosten von über 60 Testcentern mehr als einen Monat lang in Vorkasse gehen muss, haben sie an vielen Standorten die Bürgertests zwischenzeitlich eingestellt - auch in der Margaretenhütte. Nun scheint jedoch die Zwischenfinanzierung gesichert.
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Da CoviMedical mit den Kosten von über 60 Testcentern mehr als einen Monat lang in Vorkasse gehen muss, haben sie an vielen Standorten die Bürgertests zwischenzeitlich eingestellt - auch in der Margaretenhütte. Nun scheint jedoch die Zwischenfinanzierung gesichert.

Bürgertests

Finanzierung für kostenlose Corona-Tests in Gießen gesichert: CoviMedical bietet wieder Bürgertests an

  • VonSebastian Schmidt
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Ärger um kostenlose Corona-Tests in Gießen: Während der Inhaber einer Apotheke über fehlende Informationen klagt, hatte ein Testcenter die kostenlosen Bürgertests zeitweise sogar ganz eingestellt.

Update vom Mittwoch, 21.04.2021, 09.42 Uhr: CoviMedical, der Betreiber des Testcenters an der Margaretenhütte, bietet inzwischen wieder kostenlose Bürgertests an. Das Unternehmen, das im Auftrag der Bundesregierung seit Anfang März Corona-Schnelltests durchführt, hatte in Gießen wie an zahlreichen anderen Standorten deutschlandweit zwischenzeitlich keine neuen Termine mehr angeboten, da es Probleme mit der Finanzierung durch die Kassenärztliche Vereinigung gab (siehe Erstmeldung vom 13.04.2021). Nun ist laut Medienberichten die Zwischenfinanzierung gesichert, weshalb das Unternehmen, das Testzentren an über 50 Standorten betreibt, seine Testkapazitäten wieder hochgefahren hat. Auch für den Gießener Standort an der Margaretenhütte lassen sich online wieder Termine buchen.

Ärger um kostenlose Corona-Tests in Gießen: „Die bekommen es einfach nicht gebacken“

Erstmeldung vom Dienstag, 13.04.2021, 19.38 Uhr: Gießen – In der Corona-Strategie der Bundesregierung ist Testen ein wichtiger Baustein. Seit dem 8. März gibt es deswegen die kostenlosen Bürgertests. Jeder soll sich mindestens einmal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen können. Daraufhin haben in Gießen sowohl neue Testcenter eröffnet, als auch bestehende Einrichtungen die Bürgertests in ihr Angebot aufgenommen. Jetzt gibt es aber Probleme: CoviMedical, der Betreiber des Testcenters an der Margaretenhütte, hat die Bürgertests vorübergehend eingestellt, weil er noch kein Geld bekommen hat. Auch der Inhaber der Lahn-Apotheke im Martinshof, Thorsten Junk, beklagt sich.

50 000 bis 60 000 Euro pro Monat koste ihn das Testcenter an der Liebigstraße, schätzt Junk. »Darunter fallen Miete, Personalkosten und natürlich das ganze Material.« Das wäre an sich kein Problem, wenn es dafür Planungssicherheit gebe, sagt Junk. »Aber die bekommen es einfach nicht gebacken.« Er habe bereits mit E-Mails und Telefonaten versucht, von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Informationen zu erhalten: Wann wird das Geld überwiesen? Sind die Zahlungen Brutto- oder Nettobeträge? Ist die Meldung mit den Tests überhaupt angekommen? Selbst das wisse der Apotheken-Inhaber nicht, weil es keine Eingangs-Bestätigung gegeben habe. »Was überall in der freien Wirtschaft funktioniert, geht hier nicht«, sagt Junk.

Ärger mit den kostenlosen Corona-Tests in Gießen: Vorleistungen in Millionenhöhe

Aber warum ist dafür überhaupt die KV Hessen zuständig? »Das wurde in der Verordnung so beschlossen«, sagt deren Pressesprecher Alexander Kowalski. Die Anbieter von Bürgertests mit Firmensitz in Hessen melden der KV Hessen bis zum Ende des Monats die durchgeführten Tests. Die KV leite die Meldungen dann an das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS). Und wann bekommen die Betreiber dann das Geld überwiesen? Kowalski erklärt, dass die KV Hessen die Rechnungen für März zum Beispiel am 8. April an das BAS weitergeleitet haben. Das Bundesamt »überweist zur Mitte des Monats« das Geld dann zur KV, und die KV »so schnell wie möglich« an die Betreiber der Testcenter. »Wir sind dabei nur der Durchlauferhitzer«, sagt Kowalski. Es finde auch keine Prüfung der Meldungen durch die KV statt.

Die Testanbieter müssen also mehr als einen Monat in Vorleistung gehen. Für CoviMedical wurde das zu kostspielig. In einem Brandbrief Anfang April erklärte Geschäftsführer Christoph Neumeier, dass CoviMedical mehr als 60 Testcenter deutschlandweit betreibe und rechnete damit, nach Ostern mit 7,8 Millionen Euro in Vorkasse gehen zu müssen. Das würde die Mittel des Unternehmens ausschöpfen. Mittlerweile wurden von CoviMedical die Bürgertests an fast allen Standorten eingestellt - auch in Gießen.

Probleme mit den kostenlosen Corona-Tests in Gießen: Es gibt keine Abschlagszahlungen

Kowalski erklärt, dass es nicht in der Hand der KV liege, einen kürzeren Abrechnungszeitraum - zum Beispiel wöchentlich statt monatlich - zu veranlassen, da der Zeitraum in der Coronatestverordnung festgeschrieben sei. Auch könne die KV Hessen keine Abschlagszahlungen im Voraus an das Unternehmen leisten. Die KV Nordrhein hingegen erklärt in einem Informationszettel, dass sie Abschlagszahlungen in Höhe von 95 Prozent des Vormonats leisten kann. Für Kowalski ist nicht klar, wie das funktionieren soll: »Wir sind doch keine Bank.« Abschlagszahlungen würden auch nur die wenigsten Kassenärztlichen Vereinigungen anbieten.

Einen Zettel mit klaren Informationen für die Anbieter der Bürgertests wünscht sich indes Junk. Kowalski aber sieht die KV Hessen nicht in der Verantwortung, die Anbieter zum Verfahrensablauf zu informieren. »Wir informieren unsere Mitglieder, die Ärzte.« Private Testcenter seien keine KV-Mitglieder und »irgendwer müsste die Beratung ja auch leisten können«.

CoviMedical kündigte inzwischen an, in den nächsten Tagen mit Hilfe einer privaten Zwischenfinanzierung die Bürgertest in begrenztem Angebot auch in Gießen wieder anzubieten. Laut CoviMedical-Sprecher Oliver Gerhardt laufen auch Gespräche mit der Bank des Unternehmens, der KV Hessen und dem Land, um die zukünftige Finanzierung zu sichern.

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