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Abstrichtests sind für Pflegekräfte und Bewohner in Altenpflegeheimen vorgeschrieben. Besucher müssen ein negatives Testergebnis vorlegen.

Corona-Krise

Gießen: „Dreigleisige“ Corona-Teststrategie wird zum Kraftakt für Altenheime

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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In den Altenpflegeheimen wird „dreigleisig“ auf Corona getestet. Für die Einrichtungen ist dies ein großer Kraftakt - auch in Gießen.

  • In den Altenheimen in und um Gießen gab es in den vergangenen Monate viele Corona-Infektionen.
  • Jetzt gibt eine umfassende Teststrategie auch in den Gießener Pflegeeinrichtungen.
  • Das zusätzliche Arbeitsaufkommen ist immens. Wie kommen die Altenheime damit zurecht?

Gießen – Teststäbchen in Nase und Rachen, abwarten, fertig. Ganz so einfach ist es nicht. Im ohnehin zeitlich eng getakteten Alltag von Altenpflegeheimen sind die Testungen eine logistische und personelle Herausforderung, sagt AWO-Geschäftsführer Jens Dapper. Das beginne mit dem Anlegen der Schutzkleidung und setze sich in administrativen Aufgaben fort: Einverständnis dokumentieren, Testergebnis dokumentieren, Listen aller Getesteten und Ergebnisse erstellen und an das Gesundheitsamt weiterleiten. Derzeit ist das Albert-Osswald-Haus wegen einer infizierten Bewohnerin wieder geschlossen (bis voraussichtlich 9. Februar), doch normalerweise bemühe man sich, den Service für Besucher sieben Tage in der Woche aufrechtzuerhalten.

Landkreis Gießen: Altenheim-Besucher brauchen negativen Corona-Test

Tatsächlich sind die Heime nicht verpflichtet, den Besuchern die Testung selbst anzubieten, bestätigt die Pressestelle des Landkreises Gießen. Ergänzend zur aktualisierten Corona-Einrichtungsschutzverordnung des Landes sieht die neue Allgemeinverfügung des Landkreises kürzere Zeitfristen für die Gültigkeit negativer Corona-Tests für den Besuch in Alten- und Pflegeheimen vor. Wer ein Pflegeheim besucht, muss einen negativen Test vorweisen; entweder einen POC-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden oder einen PCR-Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Die Heime müssen sich die Nachweise im Vorfeld der Besuche vorlegen lassen und dies auch dokumentieren. Die meisten Heime ermöglichen dies durch Tests vor Ort, verpflichtend ist es jedoch nicht.

Corona in den Gießener Pflegeheimen: Test-Offensive gestartet

Alle Pflegeheime haben in den vergangenen Wochen einrichtungsbezogene Testkonzepte erstellt. Wurden diese genehmigt, bekommen sie über das Sozialministerium die Tests bewilligt. Im Januar war die Einrichtungsschutzverordnung durch das Land Hessen angepasst worden; seitdem müssen sich Pflegekräfte von Heimen zweimal wöchentlich, die Pflegekräfte ambulanter Dienste einmal wöchentlich Schnelltests unterziehen. Zudem werden die Bewohner regelmäßig getestet. Insbesondere kleine Einrichtungen können sich diese dreigleisige Teststrategie personell nicht leisten. Dort kann es Besuchern passieren, dass sie abgewiesen werden, wenn sie keinen Test vorzeigen können. Um die Lage zu entspannen, hat der Landkreis eine Offensive gestartet, um Unterstützungspersonal zu akquirieren.

Beim Caritasverband, der in Gießen die Häuser St. Anna und Maria Frieden betreibt, musste man darauf noch nicht zurückgreifen, bisher ist es dort gelungen, selbst zusätzliches Personal für die Testungen zu gewinnen, sagt Caritasdirektorin Eva Hofmann. Besucher sind in beiden Einrichtungen zweimal wöchentlich willkommen, das sind jeweils etwa 15 bis 20 Menschen. »Mehr schaffen wir nicht«, sagt Hofmann. Wer an den Wochenenden ins Haus möchte, muss sich selbst um einen Test bemühen. Auch bei der Caritas kämpft man mit den logistischen Herausforderungen, gleichzeitig ist Hofmann froh, dass man durch die Tests ein Stück Sicherheit erlangt.

Gießen: Hohe Corona-Impfbereitschaft bei Altenheimbewohnern

Das Testen, das sieht auch Dapper so, sei neben den wichtigen und zwingend notwendigen Hygieneschutzmaßnahmen absolut sinnvoll. Es sei einer der Bausteine, um möglichst zu einem frühen Zeitpunkt Ansteckungsquellen zu identifizieren.

Die Mitarbeiter der AWO, erklärt er, würden sich daher sehr freuen, wenn es bald einfachere Testformen, beispielsweise Spucktests, mit möglichst höherer Genauigkeit geben würde. Denn das derzeitige Prozedere des Nasen-Rachen-Abstrichs sei unangenehm. Da die Schnelltests zudem nicht hundertprozentig sicher seien, folge auf ein positives Ergebnis ein PCR-Test. »Das alles ist auch psychisch belastend«, sagt Dapper. Außer auf andere Testverfahren hofften die Mitarbeiter auf Erkenntnisse darüber, ob Geimpfte das Virus noch weitergeben können oder nicht. Dapper: »Sobald klar wäre, dass dies nicht passiert, würde das Thema ›Testen‹ sich ziemlich schnell in den Heimen entspannen«.

In den Altenpflegeheimen der Stadt ist die zweite Runde der Impfungen weitgehend abgeschlossen. Die Impfbereitschaft der Bewohner war mit über 90 Prozent sehr hoch, bei den Pflegekräften lag sie zwischen 50 und 60 Prozent.

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