Vor dem Testcenter bilden sich wieder lange Schlangen. Die Mitarbeiter kommen mit der Arbeit kaum noch nach.
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Vor dem Testcenter bilden sich wieder lange Schlangen. Die Mitarbeiter kommen mit der Arbeit kaum noch nach.

Kostenlose Tests

Corona-Testcenter Gießen: Dringende Bitte an Bevölkerung - Belastungsgrenze erreicht

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die Zahl der aktiven Coronafälle schießt in die Höhe. Das bekommen auch die Mitarbeiter des Testcenters in der Rivers-Sporthalle in Gießen zu spüren. Am Montag wurden dort fast 400 Abstriche genommen.

  • Corona-Krise: Der Andrang im Testcenter in Gießen ist aktuell riesig.
  • Am 26. Oktober stellte das Testcenter in der Gießener Rivers-Sporthalle einen neuen Rekord auf.
  • Die Einrichtung ist an der Belastungsgrenze, ein Ende scheint nicht in Sicht.

Gießen – Fensterscheibe runter, Mund auf, Stäbchen rein: Die beiden Mitarbeiter des Testcenters in der Gießener Rivers-Sporthalle leisten an diesem Vormittag Akkordarbeit. Pro Test benötigen die Männer, die in weißen Schutzanzügen stecken, nur wenige Minuten. Trotzdem kommen sie mit der Arbeit kaum nach. Die Schlange der wartenden Autofahrer reicht um die halbe Halle herum, über 30 Fahrzeuge stecken in der Warteschleife. Und es werden immer mehr.

Corona-Testcenter in Gießen: „Es ist kein Ende in Sicht“

Seit dem 1. April befindet sich die von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen betriebene »zentrale Stelle für Tests auf eine Infektion mit dem Coronavirus« in der Rivers-Sporthalle. Das Gebäude, in dem sonst die Basketballer spielen und trainieren, war eigentlich nur bis Ende Oktober angemietet. Die Sporthalle wird aber auch in den kommenden Wochen als Testcenter dienen. Es ist kein Ende in Sicht. Das bestätigt Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Denn in diesen Tagen kommen mehr Menschen zum Test als je zuvor.

»Wir hatten zuletzt rund 250 Abstriche am Tag. Am Montag waren es 397. Das ist Rekord«, sagt Roth. In den Anfangszeiten seien pro Tag rund 50 Menschen zum Testcenter gekommen, Mitte August, als viele Urlauber zurückkehrten, nahmen die Mitarbeiter täglich bis zu 115 Abstriche.

Corona-Testcenter in Gießen: Kostenlose Abstriche ohne Voranmeldung

Bisher war für den Besuch des Testcenters vorab ein Gespräch mit dem Hausarzt oder dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst notwendig. Dies sei auch immer noch die vernünftigste Vorgehensweise, betont Roth.

Da ein vorheriges Gespräch mit einem Arzt oder der Hotline unter 116117 nicht immer möglich sei, könnten Menschen mit Symptomen nun aber auch ohne ein vorheriges Gespräch ins Gießener Testcenter kommen. Das gelte auch für symptomlose Menschen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten oder deren Corona-Warn-App einen Risikokontakt (rot) angezeigt hat. In allen geschilderten Szenarien ist der Test kostenlos. »Das ist der Dynamik des Infektionsgeschehens geschuldet«, begründet Roth den Schritt. Der Pressesprecher appelliert in diesen Zusammenhang aber an die Menschen, nur im Ernstfall die Sporthalle aufzusuchen. »Sonst besteht die Gefahr, dass hier alles zusammenbricht.«

Mitarbeiter des Corona-Testcenters in Gießen kommen kaum noch hinterher

In der Stadt Gießen gibt es derzeit 150 aktive Coronafälle (Stand Dienstag). Anfang des Monats waren es 18. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt inzwischen bei 135,9. In den anderen Gemeinden des Landkreises sieht es oft nicht besser aus. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter des Testcenters nach eher ruhigeren Wochen wieder viel zu tun haben.

Roth sagt, dass die Männer und Frauen die Arbeit kaum noch schaffen würden. »Ein Andrang, wie am Montag, ist nicht mehr abzuarbeiten. Wir werden versuchen, die letzten Reserven zu mobilisieren und hoffen hierbei auf Unterstützung. Unsere Ressourcen sind auf jeden Fall bald erschöpft.«

Strategiewechsel bei Testzentren notwendig

Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung fordert daher einen Strategiewechsel. Es sei notwendig, sich vor allem auf den Schutz von Risikogruppen zu konzentrieren. Zum Beispiel durch konsequente Quarantäne. »Andernfalls«, befürchtet Roth, »wird das ganze System bald an seine Grenzen kommen.« (Christian Hoffmann)

Vor allem in Pohlheim explodieren die Fallzahlen. Man diskutiert mittlerweile über einen lokalen Lockdown.

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