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Fachleute befürchten aufgrund der sozialen Isolation einen Anstieg familiärer Konflikte. Foto: Panthermedia

Coronavirus

Wie Gießen bei Corona-Stress in Familien hilft

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Die Corona-Isolation zu Hause ist ein Stresstest für Beziehungen und Familien. In Gießens Frauenhäusern könnte es eng werden. Polizei und Stadt helfen bei einer Eskalation.

Ein Blick nach Österreich oder Italien zeigt: Die Fälle von häuslicher Gewalt steigen, wenn Menschen über längere Zeit eng beieinander leben. Länder, die uns in Sachen Corona einige Wochen voraus sind, machen diese Erfahrungen bereits. Friederike Stibane, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gießen, ist alarmiert. "Ich mache mir Sorgen um Frauen und Kinder". Denn diese seien die Opfer, wenn Streit in Beziehungen und Familien eskaliere. Sie steht in engem Kontakt mit den Beratungsstellen in der Stadt, aber auch mit den Fachleuten der Polizei. Sollte es tatsächlich zu dem befürchteten Anstieg gewaltsamer Konflikte kommen, werden Notquartiere benötigt. Das Frauenhaus und der Sozialdienst katholischer Frauen haben zusammen 16 Plätze, die Oase, eine Einrichtung für nicht sesshafte Frauen, hat acht Plätze. Alle Einrichtungen waren schon vor der Pandemie belegt. Kommt es jetzt zu einem Anstieg der Gewalt, sind flexible Lösungen gefragt.

Frauenhäuser schon vorher voll

"Wir werden eventuelle Engpässe über die Anmietung von Ausweichquartieren auffangen", sagt Claudia Boje, die Pressesprecherin der Stadt. Kopfzerbrechen macht den Verantwortlichen der Schutz von Frauen mit und ohne Kinder, aber auch der von nicht sesshaften Frauen und Männern. Diese treffen derzeit sowohl in der Oase als auch im Falkweg auf volle Unterkünfte. Viele Beratungen erfolgten telefonisch, darüber hinaus gebe es Gespräche mit den sozialen Trägern. Boje: "Alle Beteiligten kümmern sich intensiv darum, damit niemand auf der Straße landet und in der Not alleine gelassen wird". Hilfe bei einer Eskalation bietet auf jeden Fall auch die Polizei. Bisher hat es in der Stadt und im Landkreis aber noch keine Häufung von Fällen häuslicher Gewalt gegeben. Pressesprecherin Sabine Richter zeigt sich optimistisch: "Wir erwarten, dass sich alle Mitmenschen besonnen verhalten und einen großen Beitrag zur Bewältigung dieser Krise leisten".

Nichtsesshafte brauchen Hilfe

Dass schwelende Konflikte in Krisensituationen aufbrechen, sei ein bekanntes Phänomen, erinnert die Frauenbeauftragte. Sie rät Paaren und Familien zu klaren Absprachen: Wer macht was im Haushalt? Wer kümmert sich wann um die Kinder? Je eindeutiger die Regeln seien, desto besser könne man sich auch arrangieren. Hilfreich sei es außerdem, Themenfelder zu meiden, von denen man ohnehin wisse, dass sie konfliktträchtig seien.

Eine wichtige Rolle bei der Verhinderung von Gewalt spielten auch die Nachbarn. "Wir sollten aufmerksam sein und aufeinander achtgeben, ohne uns zu kontrollieren", sagt Stibane. Sie ermutigt dazu, die Menschen anzusprechen, Hilfe anzubieten und im Zweifel auch die Polizei zu verständigen. Wegschauen sei der falsche Weg.

Hilfe bei Gewalt

Stadt Gießen- Infos auf der Homepage (www.giessen.de). Büro für Frauen und Gleichberechtigung Gießen. Telefon 3 06-10 19 von 8 bis 13 Uhr, sonst AB. Allgemeiner Sozialer Dienst des Jugendamtes, 3 06-2064.

Polizei- Das Polizeipräsidium Mittelhessen ist in Notfällen unter der Rufnummer 110 erreichbar. Darüber hinaus findet man auf der Homepage der Polizei (www.polizei.hessen.de) Ansprechpartner zur Opferschutzbeauftragten der Polizei sowie weitere Anlaufstellen.

ProFamiliaKrisentelefon - Zusätzlich zu telefonischer Beratung bei Schwangerschaftskonflikten gibt es zwei Krisentelefonzeiten: Montags von 12 bis 13 Uhr wird ein Krisentelefon für Paare angeboten, mittwochs von 17 bis 18 Uhr ein Krisentelefon für Männer mit Problemen mit häuslicher Gewalt.

Beratung- Telefonisch und per E-Mail erreichbar sind die Interventionsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (Tel: 20 01-7 70), Autonomes Frauenhaus: (Tel. 06 41/7 33 43). Wildwasser (Tel. 06 41/7 65 45), die Oase (Tel. 3 10 33, der Kinderschutzbund (Tel. 4 95 50 30 und die Aktion Perspektiven 7 10 20). Die Sprechzeiten werden auf dem AB bekannt gegeben.

Wichtige Telefonnummern- Bei Konflikten zu Hause sind wichtige Telefonnummern auch auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familien zu finden (www.bmfsfj.de).

www.hilfetelefon.de- Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben. Unter 0 80 00 116 016 und via Online-Beratung unterstützt das Hilfetelefon Betroffene.

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