Im Altenpflegeheims Maria Frieden sind in den vergangenen Tagen zwei Bewohnerinnen gestorben.
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Im Altenpflegeheims Maria Frieden sind in den vergangenen Tagen zwei Bewohnerinnen gestorben.

Corona-Krise

Gießen: Coronavirus greift in Seniorenheim um sich – Tempo schockiert Mitarbeiter

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Zwei Bewohnerinnen des Altenpflegeheims Maria Frieden in Gießen sind gestorben, 17 Bewohner sind mit Corona infiziert. Der gefürchtete Flächenbrand ist da.

Gießen – Zwei Frauen aus dem Caritas-Altenpflegeheim sind gestorben, eine im Krankenhaus, die andere in Maria Frieden. Sie waren 92 und 83 Jahre alt. »Es ging zum Schluss sehr schnell«, sagt Lucia Bühler, Bereichsleiterin für die Alten- und Behindertenhilfe des Caritasverbandes. »Wir sind sehr traurig«. Sie sagt aber auch: »Die Seniorinnen sind nicht an, sondern mit Corona gestorben. Unsere Bewohner sind hochbetagt und multimorbid«. Eine Bewohnerin habe sich bereits in einer palliativen Phase befunden, sie habe an einer schweren Lungenerkrankung gelitten.

Von den insgesamt 98 Bewohnern haben sich 17 mit dem Coronavirus infiziert, zudem wurden sieben Mitarbeiter positiv getestet. Die Einrichtung hatte am vergangenen Donnerstag in Eigenregie mit Antigen-Schnelltests in allen Wohnbereichen begonnen. Bei den 17 Positiv-Getesteten wurden ergänzende PCR-Tests des Gesundheitsamtes gemacht. Die positiven Ergebnisse wurden Anfang der Woche bestätigt.

Corona in Gießen: Senioren haben dem Virus nichts entgegenzusetzen

Das Drama im Alten- und Pflegeheim ist: Die Vorerkrankungen der Senioren sorgen dafür, dass sie der Infektion nichts entgegen zu setzen haben. Schockiert hat Bühler und die Mitarbeiter das Tempo, mit dem die Krankheit um sich greift. Zwischen der Infektion und den ersten Symptomen sei viel Zeit vergangen, rund zwei Wochen in einigen Fällen. Schon seit Monaten wird in Maria Frieden und dem benachbarten Haus St. Anna jeden Tag eine intensive Symptomkontrolle bei Bewohnern und Mitarbeitern betrieben: Tägliches Fiebermessen, tägliche Abfrage auf Erkältungsanzeichen und verstärkte Ermüdungserscheinungen. Die infizierten Bewohner hätten keine Beschwerden gespürt, die nicht den im hohen Alter typischen Leiden entsprochen hätten. Ab Montag sind Reihentestungen geplant, die mit Unterstützung des DRK stattfinden.

Der Caritasverband kann die Situation personell noch alleine stemmen, ein Hilferuf wie die Diakonie in Linden, wo ebenfalls sowohl Bewohner als auch Personal erkrankt sind, ist nicht notwendig. Eine große Hilfe sei es, dass Mitarbeiter aus anderen Bereichen Unterstützung leisteten. So haben es z.B. die Mitarbeiterinnen des ambulanten Hospizdienstes übernommen, die Kommunikation mit den Angehörigen zu führen. Das sei eine wichtige Aufgabe, denn verständlicherweise seien die Familien in großer Sorge. Insgesamt sei sie dankbar, dass die Mitarbeiter in der Krise, die alle verunsichere, mit großer Tatkraft und Professionalität zur Stelle seien.

Gerade demente Bewohner der Seniorenzentren in Gießen haben es schwer

Alle sieben Hausgemeinschaften (je 14 Bewohner) sind in häuslicher Quarantäne, Besuche sind nicht mehr möglich. Wer »kognitiv erreichbar« sei, sei gebeten worden, das Zimmer nicht zu verlassen und die Mahlzeiten dort einzunehmen. Die Bewohner ohne geistige Einschränkung hätten dies sofort akzeptiert, sehr viel schwieriger sei jedoch die Situation für demente Menschen. Sie seien ohnehin verunsichert, die jetzige Situation intensivere ihre Verwirrung zusätzlich. Bühler: »Wir können sie doch nicht im Zimmer einschließen«. Die andernorts üblichen Hygieneregeln können von Bewohnern im Pflegeheim nicht konsequent realisiert werden. In der Pflege sei es nicht möglich, Abstand zu halten, und im täglichen Miteinander der Wohngemeinschaften funktioniere das ebenfalls nicht, denn die Menschen lebten dort wie in einer Familie. Die Mitarbeiter trügen FFP2-Masken, aber den Bewohnern könne man das nicht zumuten, erklärt Bühler.

Dass Alten- und Pflegeheime anfällig seien für die Ausbreitung von Infektionen, liege zum einen an der fragilen Gesundheit der Senioren, zum anderen aber auch daran, dass Kontakte »nach außen« unvermeidlich seien. Die Mitarbeiter - ob in der Pflege oder in der Hauswirtschaft - haben Familien und ein Leben außerhalb des Arbeitsplatzes.

In allen Einrichtungen der Stadt fürchtet man den Domino-Effekt. Besuche wurden eingeschränkt, strenge Hygienekonzepte erstellt und mit Schnelltests begonnen. Dennoch ist es nicht gelungen, alle Bewohner zu schützen.

Zusatzinfo: Altenheim in Gießen

In der Stadt Gießen gibt es sechs Altenpflegeheime: Maria Frieden und St. Anna (Caritas), das Albert-Oswald-Haus (AWO), das Johannesstift (Diakonie), das Alloheim und das Seniorenzentrum Vitanas, die in privater Trägerschaft geführt werden. Außer Maria Frieden und das Alloheim waren die Eirichtungen bisher nicht von Corona betroffen.

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