Stadt und Landkreis führen aktuell Gespräche, inwieweit auch in Stadtteilen wie in der Nordstadt (vorne) oder in der Weststadt (hinten) gezielt vor Ort geimpft werden kann.
+
Stadt und Landkreis führen aktuell Gespräche, inwieweit auch in Stadtteilen wie in der Nordstadt (vorne) oder in der Weststadt (hinten) gezielt vor Ort geimpft werden kann.

Corona-Impfungen

Gießen: Welche Rolle spielt HEAE für Inzidenz? Kommen Corona-Impfteams in Nord- und Weststadt?

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
    schließen

In Köln hat jetzt ein bundesweites Pilotprojekt begonnen: Mobile Teams bieten Impfungen in ärmeren Stadtvierteln an. Ist so eine Aktion auch in Gießen denkbar? Ja, sagen die Verantwortlichen - jedoch mit einem Aber.

Gießen - In vielen Ländern ist die Impfung zu den Menschen gekommen. In Deutschland hingegen hat es lange gedauert, bis neben den Impfzentren wenigstens die Haus- und bald die Betriebsärzte den Kampf mit der Spritze gegen das Coronavirus aufnehmen durften. In Köln hat dieser Tage ein bemerkenswertes Pilotprojekt begonnen: Weil in ärmeren Stadtteilen die Wocheninzidenz bei fast 700 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern liegt, werden mobile Teams die Menschen vor Ort impfen. Auch Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz hat sich im Hessischen Städtetag dafür stark gemacht, in sogenannten Brennpunkten die Bewohnerinnen und Bewohner direkt vor Ort zu immunisieren - unabhängig von den Inzidenzzahlen.

Das sieht nicht nur die OB so: Politikerinnen und Politiker, Forscherinnen und Forscher fordern ebenfalls, verstärkt in Quartieren mit sozial benachteiligten Menschen zu impfen. Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, sozial Benachteiligte oder Menschen aus Einwandererfamilien - eben Menschen, die es sich nicht im Garten des Einfamilienhauses gemütlich machen oder im Homeoffice direkte Kontakte vermeiden können.

Corona in Gießen: Deutlicher Inzidenz-Unterschied zwischen Stadt und Kreis

Schaut man sich die Inzidenzzahlen an, bemerkt man einen deutlichen Unterschied zwischen der Stadt Gießen und dem Landkreis. Ein Beispiel: Stand Montag lag der Wert nach den Berechnungen des Gesundheitsamts des Landkreises Gießen bei 92 für das gesamte Kreisgebiet; nur in der Stadt Gießen betrug die Sieben-Tage-Inzidenz 155,9. Zählt man die Fälle in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen an der Rödgener Straße nicht mit, sind wir noch immer bei 154,8.

Eine bestimmte Ursache für diese Differenz kann das Kreis-Gesundheitsamt nicht feststellen. »Grundsätzlich ist meist im städtischen Bereich durch eine höhere Einwohnerdichte sowie eine im Vergleich zu ländlichen Gemeinden höhere Zahl von Menschen in engeren Wohnverhältnissen auch eine größere Zahl von Ansteckungen gegeben«, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit.

Impfungen in Gießener Stadtteilen: „Land Hessen müsste zusätzlichen Impfstoff bereitstellen“

Kommt es zu örtlich begrenzten Infektionsclustern, kann das Gesundheitsamt dies durch identische oder benachbarte Meldeadressen der Infizierten nachvollziehen. Für die Stadt Gießen lassen sich nach Angaben des Landkreises aktuell »keine immer wiederkehrenden Cluster erkennen, die sich allein auf bestimmte Stadtteile oder Straßenzüge beschränken würden«. Trotzdem steht die Behörde im Austausch mit der Stadt - sowie mit den anderen Kreiskommunen auch. Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen: zum Beispiel mit Ordnungsbehörden oder gezielt mit Trägern in den Stadtteilen.

Um eine quartierbezogene Corona-Schutzimpfung umzusetzen, müsste das Gesundheitsamt eine auffällige Clusterung von Infektionsfällen in begrenzten, örtlichen Bereichen feststellen. Wie die Kreis-Pressestelle mitteilt, sei dies »in diesem Ausmaß bei uns bisher nicht der Fall«. Die Impfaktion in Köln-Chorweiler zum Beispiel unterstützte das Land Nordrhein-Westfalen mit Extra-Impfdosen. »Allein aus dem Impfstoffbestand des Impfzentrums im Landkreis Gießen wäre eine solche Aktion zum jetzigen Zeitpunkt nicht durchzuführen«, heißt es weiter. »Das Land Hessen müsste zusätzlichen Impfstoff bereitstellen.«

Corona-Impfungen in Gießen: Kooperation mit Gemeinwesenarbeit

Klar ist aber auch: Sollten sich Infektionscluster abzeichnen, bei denen sich eine quartiersbezogene Impfung empfiehlt, will der Landkreis dies mit dem Land abstimmen. Rahmenplanungen dafür seien angelaufen; außerdem gebe es dazu erste Gespräche mit der Stadt Gießen.

Um bereits im Vorfeld die Menschen in solchen infrage kommenden Quartieren zu informieren, arbeitet der Landkreis mit Trägern von Quartiers- und Gemeinwesenarbeit, Schulen oder auch Religionsgemeinschaften zusammen. Das Ziel: Gezielt mehrsprachig und niedrigschwellig Informationen rund um Infektionsschutz und Impfungen zu vermitteln.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare