Das Ordnungsamt der Stadt betont, dass das Gros der in Gießen ausgefüllten Kontaktformulare - wie hier in der Kate - korrekt ausgefüllt werden.
+
Das Ordnungsamt der Stadt betont, dass das Gros der in Gießen ausgefüllten Kontaktformulare - wie hier in der Kate - korrekt ausgefüllt werden.

Corona-Kontaktformulare in Gießen

„Wir sind ehrlich zu unseren Gästen, und das erwarten wir auch von ihnen“

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
    schließen

Die Kontaktformulare, die Gäste von Restaurants und Kneipen ausfüllen, seien zu 70 Prozent falsch, hatte Ministerpräsident Volker Bouffier gesagt. Die Stadt Gießen und heimische Gastwirte haben andere Erfahrungen gemacht.

  • Corona stellt die Betreiber von Restaurants und Kneipen in Gießen vor Herausforderungen.
  • Gäste müssen Kontaktformulare ausfüllen: Bouffier sagt, 70 Prozent machten falsche Angaben.
  • Welche Erfahrung haben die Wirte in Gießen damit gemacht?

Gießen – Die Zahl hat aufhorchen lassen: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hatte jüngst in einer Pressekonferenz gesagt, 70 Prozent der Kontaktformulare, die Gäste in Lokalen ausfüllen müssen, seien falsch. Bürgermeister Peter Neidel und Dirk Drebes, Abteilungsleiter im Ordnungsamt, können diese Zahl für die Stadt ebenso nicht bestätigen wie Gastwirte.

Drebes schätzt, dass etwa 20 Prozent der Angaben auf den Kontaktformularen in Gießen nicht vollständig und etwa 5 Prozent mangelhaft seien. »Fantasienamen gibt es äußerst selten«, betont Drebes, »das kann ich an einer Hand abzählen.«

Corona in Gießen: „90 Prozent der Formulare richtig ausgefüllt“

Dies bestätigt auch Zdenka Cramer, die das »Quantum« an der Wetzsteinstraße betreibt. »Ich würde sagen, dass 90 Prozent der Formulare richtig ausgefüllt sind«, sagt sie. Dies nachzuprüfen, sei für ihre Mitarbeiterinnen und sie nicht schwer: Es gebe viele Stammkunden, und von den Studierenden seien aktuell weniger als sonst in der Stadt. Sie erinnert sich an einen Gast, der statt deutlich zu schreiben, das Formular vollgekritzelt habe. Ihn hätten sie aufgefordert, seinen Namen korrekt und leserlich aufzuschreiben.

Den meisten Gästen sei bewusst, warum das Kontaktformular nötig sei: um Kontakte im Fall einer Erkrankung schnell zu ermitteln und Infektionsketten zu unterbrechen. Bouffier hatte erklärt, Gastwirte dürfen sich künftig den Personalausweis ihrer Gäste vorlegen lassen, wenn sie an der Richtigkeit der in den Kontaktformularen angegebenen Daten zweifeln. Dies sei die beste Möglichkeit, Schließungen von Restaurants und Kneipen zu verhindern. »Wir würden uns den Ausweis zeigen lassen, wenn wir Bedenken haben«, sagt Cramer. »Wir sind ehrlich zu unseren Gästen, und das erwarten wir auch von ihnen.«

Listen nicht öffentlich

Besucher von Bars und Restaurants müssen aktuell Namen, Adresse und Telefonnummer auf einem Kontaktformular hinterlassen. Sollte sich ein ein Gast mit dem Coronavirus infiziert haben, können Gesundheitsämter die anderen Gaststättenbesucher informieren. In einer Anweisung des hessischen Datenschutzbeauftragten werden die Gastronomen darauf hingewiesen, dass die Listen nicht öffentlich geführt werden dürfen.

Restaurants in Gießen: „Mit Donald hat hier noch niemand unterschrieben“

Der Wirt vom Kaffee Wolkenlos, Heiko Schimpf, berichtet von einer ganz ähnlichen Situation wie Cramer. Die Stammgäste seien bekannt, da trage sich niemand falsch ein. Komme jemand ins KW, den er nicht kennt, weise er schonmal darauf hin, dass die Angaben auf dem Kontaktformular richtig sein müssen. 95 Prozent der Dokumente seien korrekt ausgefüllt, schätzt er. »Mit Donald Duck hat hier noch niemand unterschrieben«, sagt Schimpf.

Drebel bestätigt, dass viele Gastronomen auf die Plausibilität der Namen auf den Formularen achten würden. »Wir haben vorher sehr intensiv mit ihnen gesprochen und erklärt, dass sie eine Mitverpflichtung haben«, sagt er. Neidel ergänzt, dass die Gastwirte natürlich ein eigenes Interesse hätten, dass sich die Leute korrekt eintragen. Dennoch werde natürlich kontrolliert - bis in die Nacht hinein. Das bedeute »enorm viel Arbeit«. Es würden »immer mal« Verstöße festgestellt. »Die Leute haben erkannt, welche Gefahren Corona hat, und sind bereit, Vorgaben einzuhalten«, sagt Drebes.

Lokale in Gießen: Wenige verweigern das Maskentragen

Auch auf dem Wochenmarkt zum Beispiel werde strikt kontrolliert, dass nur in den entsprechenden Bereichen gegessen und die Maskenpflicht eingehalten wird. »Manche vergessen mal, die Maske hochzuziehen. Es gibt nur wenige Menschen, die es bewusst verweigern«, sagt Drebes Die Behörde verstehe sich nicht als das »mit erhobenem Zeigefinger und Bußgelder verteilendes« Ordnungsamt, sondern als »Dienstleister und Berater für Menschen, die Fragen haben«.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare