Die Tanzfläche in der Admiral Music Lounge ist seit Monaten leer. Trotzdem wünscht sich Betreiber Eyyup Kaya, dass die Menschen zu Hause blieben.
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Die Tanzfläche in der Admiral Music Lounge ist seit Monaten leer. Trotzdem wünscht sich Betreiber Eyyup Kaya, dass die Menschen zu Hause blieben.

Branche am Abgrund

Gießen: Großes Club-Sterben 2021? So steht es um Scarabee, Monkeys und Admiral Music Lounge

  • vonSebastian Schmidt
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Seit Ende März sind die Diskotheken und Kellerclubs in Gießen zu. Die Betreiber kämpfen seitdem um ihre Betriebe, beantragen Hilfsgelder, verwandeln Tanzbars in Kneipen oder nehmen Kredite auf.

Gießen – Die Admiral Music Lounge ist geschlossen. Das Monkeys ist dicht. Ulenspiegel und Scarabée zu. Seit acht Monaten geht in der Gießener Club-Szene nichts. Und niemand kann hoffen, dass sich das bald ändern wird. Kann das noch lange gut gehen oder kommt im neuen Jahr ein Club-Sterben auf Gießen zu?

»Irgendeinen Weg muss ich finden«, sagt Isabel Bojunga, die Betreiberin des Scarabée. Das letzte Mal wurde im März in ihrem Studentenkeller getanzt. Seitdem hat Bojunga keine Einnahmen mehr erzielen können. Die staatlichen Hilfen, die es für das Scarabee gab, hat Bojunga in die Pacht gesteckt. »Ich selbst lebe momentan von der Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde.« Zwar habe sie versucht, eine andere Stelle zu finden, um sich etwas dazu zu verdienen. Doch sie kommt aus der Gastronomie. Bevor sie das Scarabée übernahm, hat sie in Restaurants gearbeitet. »Da hat man gerade auch keine Chance.«

Corona in Gießen: Clubs bitten Stammgäste um Spenden

Als die Corona-Hilfe im Juni aufgebraucht war, bat Bojunga Stammgäste um Spenden. Und die ließen sich nicht lumpen: In drei Tagen kamen 8 000 Euro zusammen. Bis heute wurden 20 000 Euro gespendet. »Wahnsinn«, sagt Bojunga. Sie hoffte, sich damit ein paar Monate über Wasser halten zu können und dann vielleicht im September wieder öffnen zu können. Doch darasuz wurde nichts. Das Infektionsgeschehen wurde in den Sommermonaten zwar weniger, und es gab daraufhin zahlreiche Lockerungen, doch in den Diskotheken und Kellerclubs blieben die Lichter aus.

»Es ist einfach schwer, beim Feiern Abstand zu halten. Kontrollieren kann man es auch nicht«, sagt Eyyup Kaya, einer der Betreiber der Admiral Music Lounge. Er hätte zwar die Möglichkeit gehabt, das Admiral als Bistro zu öffnen. »Aber das wollte ich nicht verantworten. Was ist, wenn sich Mitarbeiter oder Gäste anstecken?« Kaya sagt aber auch, jeder müsse in dieser schwierigen Situation für sich selbst entscheiden.

Gießen: Clubs öffnen als Bars – Corona-Lockdown bremst auch Alternativ-Konzepte

Bojunga wollte Ende Oktober versuchen, das Scarabee als Kneipe zu eröffnen. »Wenn ich es darf, muss ich es machen«, dachte sie. Sie entwarf ein Hygienekonzept, stellte Tische in ausreichendem Abstand auf und investierte in Plexiglaswände. Sie wartete nur noch auf die Genehmigung durch das Gesundheitsamt. Mit dem Lockdown 2.0 Anfang November hatte sich das Thema jedoch erledigt.

Die Tanzbar Monkeys hatte es auf diese Weise versucht, den reinen Barbetrieb aber auch recht schnell wieder eingestellt. Sperrstunde und Alkoholverbot ab 23 Uhr kamen Mirko Sonneborn und seinem Geschäftspartner sozusagen in die Quere. Auf Facebook erklärten sie ihren Gästen: »Die neuen Verordnungen machen es uns unmöglich, wirtschaftlich arbeiten zu können.«

Gießen: Wirtschaftliche Katastrophe für die Club-Szene

Doch wie geht es weiter? Kaya sagt, dass die Situation für das Admiral zwar eine wirtschaftliche Katastrophe sei, aber im Moment müsse man sich trotzdem noch keine Sorgen um die Music Lounge machen. Eine Öffnung unter den grasierenden Pandemie-Bedingungen schließt Kaya auf jeden Fall aus. »Wir werden erst wieder öffnen, wenn es einen Impfstoff gibt«, sagt der Admiral-Chef. Die Situation in den Krankenhäusern sei zu dramatisch. Er wolle damit auch seinen Teil dazu beitragen, dass die Ansteckungsketten unterbrochen werden können »Die Menschen sollten zu Hause bleiben.«

Für das Monkeys hänge einiges von den nun angekündigten Hilfen ab, sagt Sonneborn. Ob es 75 Prozent des letzten Umsatzes gebe? Ob Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld abgezogen werden? »Ich bin gespannt, was übrig bleibt«, sagt Sonneborn. Er hofft, dass im Sommer 2021 wieder getanzt werden darf. Bis April könne das Monkeys wohl durchhalten, glaubt Sonneborn. Auch Bojunga hat die Hoffnung aufgegeben, dass dass das Scarabée in diesem Winter noch mal öffnen wird - auch nicht als Kneipe. Sie muss jetzt auf jeden Fall einen Kredit aufnehmen, sagt sie. »Und wenn ich keinen bekomme, dann liegt das Schicksal des Scarabée in der Hand meiner Verpächterin.«

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