Am Landgericht muss sich ein Mann verantworten, der wegen einer anderen Tat bereits im Gefängnis sitzt. FOTO: SCHEPP
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Am Landgericht muss sich ein Mann verantworten, der wegen einer anderen Tat bereits im Gefängnis sitzt. FOTO: SCHEPP

30-Jähriger vor Gericht

Gießen: Brutaler Einbruch mit schlimmen Folgen

  • vonDagmar Hinterlang
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Er ist in eine Wohnung eingestiegen und hat die beiden Bewohnerinnen mit dem Messer verletzt, weil er Geld wollte. Jetzt muss sich der 30-Jährige am Landgericht verantworten.

Der Einbruch war besonders brutal, die Folgen sind auch zwei Jahre später noch zu spüren. Unter Tränen berichtete eine 39-Jährige, wie sehr sie die Tat im Juli 2018 noch immer belaste. Vor allem die Angst um ihre Tochter sei gegenwärtig. Am Freitag musste sich ein 30-jähriger wegen versuchten besonders schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung vor der Siebten Großen Strafkammer des Landgerichts verantworten.

Der Asylbewerber steht damit zum zweiten Mal vor Gericht. Bereits im August 2019 war R. von der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Auf Beschluss des Bundesgerichtshofs muss vor einer anderen Kammer nun erneut verhandelt werden, wobei es lediglich um den Strafausspruch geht. Die Schuld gilt als erwiesen. Der Prozess wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

Mehrmals den Namen gewechselt

Am frühen Morgen des 29. Juli 2018 war R. durch ein gekipptes Fenster in eine Wohnung in der Bahnhofstraße eingestiegen. Er bedrohte die damals 17-jährige Tochter des Hauses und forderte Geld. Als er lediglich zwei Euromünzen erhielt, zerrte er die junge Frau durch die Wohnung, ergriff ein scharfes Messer und wiederholte seine Forderung. Unterdessen erschien die Mutter des Mädchens in der Tür des Elternschlafzimmers. Auch sie wurde bedroht, erlitt Stiche in Armen und Nacken.

Schlimmer aber sind die seelischen Folgen. Beide Frauen berichteten von Schlafstörungen, von Angst vor nächtlichen Geräuschen und von der steten Sorge vor einer neuerlichen Tat. Wochenlang habe eine Freundin im Haus schlafen müssen, weil sie sich in ihrem Zimmer nicht mehr sicher gefühlt habe, berichtete die Tochter. Im Angesicht des Messers habe sie Todesangst verspürt.

Ihre Angst verwandelte sich jedoch in Wut, und sie folgte dem flüchtenden Täter bis auf den Hof. Beim Sprung aus dem Hochparterre erlitt sie einen Fersenbeinbruch, der Täter entkam.

Der Angeklagte hat einen recht illustren Lebenslauf. Geboren in Algerien, zog er als Kleinkind mit seiner Familie nach Marokko. Statt in die Schule zu gehen, spielte er Fußball auf der Straße. 2003 reiste er als blinder Passagier nach Italien, zog weiter nach Spanien. Er lebte von Hilfsarbeiten und mit wechselnden Partnerinnen. Aus den Beziehungen gibt es zwei oder drei Kinder. Genaue Angaben zur Person zu erhalten, war schwierig, denn der Angeklagte erwies sich als sehr einsilbig in seinen Antworten. Bei Nachfragen winkte er ab.

2018 wurde R. aus Spanien ausgewiesen. Er beantragte Asyl in Deutschland - Name und Geburtsdatum immer mal wechselnd. Sein Antrag wurde abgelehnt. R. ging in die Niederlande, aber auch das war nicht von Dauer. Gegenwärtig befindet er sich in der Justizvollzugsanstalt Gießen in Untersuchungshaft.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Rolf Speier hält den Angeklagten für strafrechtlich voll verantwortlich. Zwar seien dissoziale Akzentuierungen zu erkennen, nicht aber Merkmale einer krankhaften psychischen Störung. Der Psychiater kam damit zu einer anderen Einschätzung als der Gutachter im ersten Gerichtsverfahren.

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