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Müll-Tauchgänge zeigen: Brückensprung in die Lahn kann lebensgefährlich sein

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Drei Vereine aus Gießen haben einen Bereich der Lahn gesäubert. Was dabei gefunden wurde, sorgt für Verwunderung – und zeigt wie gefährlich das Springen vom Rübsamen-Steg in die Lahn ist.

Gießen - Zustimmendes Nicken von rund drei Dutzend Gießenern. »Ich würde hier höchstens eine Arschbombe machen - keinesfalls einen Köpper.« Gemeint war der Sprung in die Lahn von der Mitte des Christoph-Rübsamen-Stegs aus. Was ohnehin verboten ist, ist an dieser Stelle lebensgefährlich. Das wurde auch durch die Aufräumaktion dreier Vereine am Samstagvormittag (17. September) an dieser Stelle der Lahn in Gießen wieder einmal klar.

Etwa 35 Frauen und Männer hatten bei der vereinten Säuberungsaktion auf die eine oder andere Weise zwei Stunden lang mitgeholfen. In Angriff genommen worden war der Lahnabschnitt unter dem Steg. Nach zwei Jahren Pause hatte der Ski- und Kanu-Club (SKC) diese Lahnreinigungsaktion zusammen mit dem Anglerclub Gießen und den Tauchern von Grün-Weiß gestemmt. »Es ist eine Aktion für Lahn, Natur, Umweltschutz und alle Bürger«, so die drei Vereine. »Wir wollen auf die Verschmutzung, gerade unter den Brücken, aufmerksam machen und damit werben, die Lahn und die Natur besser zu schützen.« Nebenbei solle die Aktion auch noch etwas Werbung für die Vereine bringen.

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Vier Taucher tauchten nach Gegenständen unter dem Steg, zehn SKC-Paddler übernahmen diese mit den Booten - vier Kanadier und 2 Kajaks - und brachten sie an Land, wo die Angler schon warteten, um sie am Ufer zu lagern. Nach dem obligatorischen »Beweisfoto« mit den Fundstücken wurden sie in einen vom städtischen Fuhramt bereitgestellten Container entsorgt. Was dort gefunden wurde, sorgt e zum Teil für Kopfschütteln: Ein halbes Dutzend Fahrräder, ein großer Sonnenschirm, zwei Safes, einen Einkaufswagen, zwei Straßenpoller, vermutlich die, die im Laufe der Zeit in der Bootshausstraße immer wieder aus der Verankerung entfernt wurden, um dort die Straßensperrung für Autos aufzuheben. und zwei abgelaufene Kfz-Kennzeichen. Mit einigen dieser Funde wird sich auch die Kriminalpolizei beschäftigen. Kurios war auch eine große Glasscherbe, die wahrscheinlich einst Teil eines Aquariums war.

Die Ausbeute der drei Vereine kann sich sehen lassen.
Die Ausbeute der drei Vereine kann sich sehen lassen. © Rüdiger Schäfer

Man mag sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn jemand in den warmen Monaten von der Brücke in die Lahn gesprungen und von dem Rohr des Sonnenschirmes oder der großen Glasscherbe aufgespießt worden wäre.

Gießen: Erfreulich wenige Autoreifen in der Lahn

Helfer berichteten davon, vor vielen Jahren unter der Konrad-Adenauer-Brücke mal einen mit grüner Patina überzogenen weißen Golf entdeckt zu haben. Einen gestohlenen Opel Frontera hätten sie im Lahnfelseneck gegenüber Hellas gefunden. Dort mache die Lahn eine Kurve und weise die größte Tiefe von bis zu fünf Metern auf. Auch ein Motorroller sei bei einer Aktionen zutage befördert worden.

Heinz-Werner Rühl, Olaf Grieger und Boris Kunert vom Anglerclub beklagten: »Hier wird so viel Müll abgeladen, seitdem die Gärten in diesem Bereich abgebaut wurden. Erfreulich dagegen sei, dass immer weniger alte Autoreifen gefunden würden. »Liegt wahrscheinlich daran, dass in den relativ warmen Wintermonaten keiner mehr zusätzlich Winterreifen fährt«, glauben die Angler.

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»Immer eine spannende Aktion« ist die Säuberung in Gießen für SKC-Vorstandsmitglied Julia Räder: »Die Lahn liegt uns am Herzen und wir wollen die Umwelt schützen.« Viele der helfenden Vereinsmitglieder würden bei der Aktion ihre jährlichen fünf Pflichtarbeitsstunden ableisten. Eine knappe Stunde als Taucher im Wasser war Sven Liebenow, Vorstand im Tauchsportverein Grün-Weiß. Mühevoll sei es gewesen, im Schlamm steckende Fahrräder mit großer Kraftanstrengung herauszuziehen.

Durch die Fließgeschwindigkeit der Lahn sei die Orientierung schwierig gewesen, zumal die Sicht lediglich 30 Zentimeter betragen habe. »In den ersten zehn Minuten hatten wir drei Räder und einen Einkaufswagen entdeckt.« Gut möglich, dass sich dennoch noch einiger Unrat in der Lahn versteckt. Dass gerade in den Brückenbereichen die größten Funde getätigt werden, liege daran, dass man von der Brückenmitte die größte Flusstiefe hat, um Dinge möglichst unsichtbar verschwinden zu lassen. Traditionsgemäß spendete der Anglerverein den Helfern im Anschluss Getränke und Essen.

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