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Ali Mojahedi hat wegen der Geometrie seines Werks auch mit Prof. Albrecht Beutelspacher vom Mathematikum gesprochen.

Große Kunst

Gießen: Bruce Lee als Street-Art

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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An einer Fassade hinter dem Rathaus entsteht ein aufwendiges Bild des Künstlers Ali Mojahedi. Der Gießener hat schon Bundesligaspieler als Comicfiguren gestaltet. Jetzt wagt er sich an Bruce Lee.

Ali Mojahedi parkt seinen Wagen vor dem einstigen Fitnessstudio Clox hinter dem Rathaus. Von der Rückbank holt er eine Kiste mit allerhand Malerutensilien hervor. »Ich war gerade noch im Baumarkt«, sagt der Gießener. Er trägt die Kiste zu Garagendächern, wo die Pinsel, Rollen und Teleskopstangen direkt zum Einsatz kommen. Zwei befreundete Street-Art-Künstler bemalen gerade die Fassade der Sportstätte. Noch kann man das Motiv nicht in seiner Gänze erkennen. Und das wird auch so bleiben, wenn das Werk fertig ist. Zumindest dann, wenn man nicht an der richtigen Stelle steht.

Bruce Lee gilt als größter Kampfsportkünstler aller Zeiten. Der Sinoamerikaner hat das Genre der Martial-Arts-Filme geprägt. Und wenn es nach Ali Rashidi geht, soll diese Ikone bald viele Gießener dazu animieren, in seiner neuen Kampfsportschule mit dem Training zu beginnen. Rashidi hat seinen Freund Mojahedi damit beauftragt, die Fassade zu gestalten und ließ ihm dabei alle Freiheiten. »Es gibt nichts Schöneres als Vertrauen und Gewährenlassen,« sagt Mojahedi. »Beides kann Ali. Ich liebe es, für solche Menschen zu arbeiten.«

Mojahedi hat sich für Bruce Lee entschieden. Das Besondere daran: Das Bild wird verzerrt gemalt, die Konturen sind so angeordnet, dass sie nur von einem bestimmten Punkt aus das Gesamtwerk offenbaren. »Von diesem Gullydeckel«, sagt Mojahedi und zeigt auf den Abfluss in der Mitte des Parkplatzes.

Die Umsetzung des Vorhabens hat viel Planung erfordert. Mojahedi baute ein 3-D-Modell des Gebäudes, um das Design maßstabsgetreu anfertigen zu können. »Ich habe auch mit Frau Samuel und Herrn Beutelspacher vom Mathematikum über die geometrischen Formen, Perspektive und Verzerrung des Bildes gesprochen«, sagt der Gießener. Am Montag rückte das Team dann am Fitnessstudio an und startete mit der Realisierung. Im Laufe Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Mojahedi ist im Iran geboren. Im Alter von 13 Jahren kam er nach Deutschland. Alleine, ohne seine Eltern. Mojahedi kam in einer Pflegefamilie unter, die den Jungen aber nicht gut behandelt hat. »Ich bekam wenig zu essen und Klamotten aus dem Müll.« Das Geld, das der Vater den Pflegeeltern überwies, strichen sie trotzdem gerne ein. Später landete Mojahedi im Kinderheim und dann im Internat. »Keine einfache Zeit«, sagt der Gießener über seine Anfangsjahre in Deutschland.

Kunstwerke für den VfL Wolfsburg

Trotz der Hürden ging Mojahedi seinen Weg. Auch Dank Rashidi. Die beiden lernten sich in Bad Hersfeld kennen. Rashidi wohnte damals dort, Mojahedi verlängerte in der Stadt regelmäßig seine Aufenthalterlaubnis. Als Mojahedi das Internat nach dem Schulabschluss verlassen musste, stand er auf der Straße. »Ich wusste nicht wohin. Also habe ich Ali angerufen. Er hat gesagt, ich solle zu ihm kommen. Das war meine Rettung.«

Mojahedi machte Abi, eine Ausbildung und studierte Grafikdesign. Als Rashidi nach Gießen ging und hier unter anderem Restaurants eröffnete, beauftragte er seinen Freund regelmäßig mit Grafikdesign-Arbeiten. Seit zehn Jahren lebt auch Mojahedi in der Unistadt.

Einen Namen als Künstler hat er sich vor allem durch die Arbeit für den VfL Wolfsburg gemacht. Mojahedi wurde auf den Fußball-Bundesligisten aufmerksam, als Ashkan Dejagah dort spielte. »Ich mag Fußball und war stolz, dass ein Landsmann von mir in der Bundesliga kickte. Also wurde ich Fan«, erklärt Mojahedi. Der Gießener begann, an der Verwirklichung seines Traumes zu basteln und malte zuerst alle Spieler des Vereins im Comic-Stil. »Irgendwann habe ich die Bilder auf Leinwand gedruckt und bin ohne Ankündigung ins Trainingslager gefahren«, erzählt Mojahedi lachend. Die Porträts kamen sehr gut an, bis heute verewigt er die neuen Spieler. Im Merchandising ist er ebenfalls involviert, der Verein hat den Gießener sogar damit beauftragt, die gesamte Stadionfassade künstlerisch zu gestalten.

Die Wand des ehemaligen Clox ist mit 22 mal 11 Metern eine Nummer kleiner als die Arena. Aber für Mojahedi nicht weniger wichtig. »»Ich fühle mich in Gießen sehr wohl und möchte dieses Gefühl durch meine Kunst an diese tolle Stadt zurückgeben.« Außerdem ist das Bild für einen Mann gefertigt, der Mojahedi in schweren Zeiten unter die Arme gegriffen hat.

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