Der Eichenprozessionsspinner macht der Stadt Gießen das Leben schwer.
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Der Eichenprozessionsspinner macht der Stadt Gießen das Leben schwer.

Neues Mittel im Einsatz

Gießen: Biozid-Dusche für giftigen Eichenprozessionsspinner

  • VonKim Luisa Engel
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Seit einigen Jahren treibt der Eichenprozessionsspinner in Gießen sein Unwesen. Das Gartenamt testet nun ein neues Mittel gegen die Raupen. Das Wetter macht den Arbeiten jedoch immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Gießen – Laut ist es am Mittwochmorgen auf dem Gelände der Vitos-Klinik. Den Traktor mit angehängter Spritze hört man, bevor man ihn sieht. Plötzlich taucht der blaue New Holland zwischen den Bäumen auf. Die Spritze stößt eine Ladung Biozid nach der anderen aus. Ein leicht bitterer Geruch liegt über dem Park. Dieser, versichert Benjamin Lakowski, sei aber immer noch angenehmer als vergangenes Jahr - da hätte es nach »toten Raupen« gerochen.

Der städtische Sachgebietsleiter für Baumpflege begleitet die Präventivmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner. Seine Larven legt der unscheinbare Nachtfalter gerne in Eichen ab. Neben Fraßschäden an den Bäumen verursachen die geschlüpften Raupen oft allergische Reaktionen bei Menschen - ihre giftigen Haare können zu Ausschlag und Juckreiz führen. Um ein Heranwachsen der Raupe zu verhindern, besprüht die Firma Landau aus Bad Vilbel die Eichen vorbeugend mit dem Mittel »NeemProtect«. Dieses wird aus dem Neemsamen gewonnen und von Trifolio-M in Lahnau hergestellt.

Die letzten drei Jahre wurde erfolgreich mit dem Bacillus thuringiensis behandelt. Das altbewährte Mittel wurde nun gegen das gleich wirkende »NeemProtect« ausgetauscht, damit der Eichenprozessionsspinner keine Resistenzen bildet. Zudem ist es Lakowski wichtig, ein regionales Produkt zu beziehen und einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Auch Anwohner hätten sich informiert und dem Gartenamt das neue Mittel vorgeschlagen. Sollte es den Test bestehen und so wirksam sein wie Bacillus thuringiensis, sei es eine gute Alternative.

Gießen: Neues Mittel gegen Eichenprozessionsspinner

Über die große Spritze gelangt das klebrige Biozid auf Blattober- und unterseite. Über den Fraß wandert es dann in den Darmtrakt der Larve und zerstört diesen. »Das funktioniert aber nur in den ersten beiden Entwicklungsstadien«, erklärt Lakowski. Die Bildung der giftigen Nesselhaare wird so vermieden. Für Haustiere und Menschen ist das Biozid unbedenklich, zudem sei es umweltverträglich und biete einen zuverlässigen Schutz vor den Raupen.

Die Warnungen, die Anwohner der betroffenen Gebiete Anfang der Woche per Flyer im Briefkasten gefunden haben, seien bloß »Vorsichtsmaßnahme« gewesen. Darin wurde aufgefordert, Fenster und Türen zum Zeitpunkt der Behandlung geschlossen zu halten - jedoch nur, damit die klebrige Masse nicht im Fensterrahmen oder in der Wohnung landet.

Gießen: Regen unterbricht Arbeiten

Einige Einsätze der Präventionstrupps sind in dieser Woche schon sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Aufgrund des starken Regens mussten die Arbeiten verschoben werden, das Biozid droht sonst abgewaschen zu werden. Eine Trockenzeit von ein bis zwei Stunden muss laut Lakowski gewährleistet sein. Mit Blick auf die Wettervorhersage dauern die Arbeiten also noch bis Ende der nächsten Woche an.

Nach einem sehr starken Befall im östlichen Teil der Stadt 2019 konnte das Gartenamt den Eichenprozessionsspinner durch eine Kooperation mit mehreren Einrichtungen zurückdrängen. Auch in diesem Jahr sind neben der Stadt, mit etwa 1000 Bäumen, auch die Universität, die Wohnbau, das Studentenwerk, Immobilienverwaltungen sowie die Vitos-Klinik beteiligt. Insgesamt werden etwa 2000 Bäume behandelt.

Auch auf dem Gelände der Klinik, auf dem nun etwa 200 Eichen bespritzt werden, kam es damals zum Befall. Nun ergreife man vorbeugende Maßnahmen damit kein Patient darunter leiden muss. Immerhin würde der Park auch von Patienten und Bürgern zum Spazieren genutzt, sagt Nicole Neumann von der Vitos-Klinik.

Gießen: 600 Liter Mittel für 250 Eichen

Die Kosten für das Sprühverfahren belaufen sich für die Stadt auf etwa 10 000 Euro, die Kooperationspartner bezahlen ihre Rechnung selbst. Eine Tankfüllung enthält circa 600 Liter mit Wasser verdünntes »NeemProtect«. Damit kann man bis zu 250 Bäume behandeln. Gespritzt werden stark frequentierte Bereiche mit hohem Eichenaufkommen. Im Vergleich zum Vorjahr werden diesmal jedoch einzelne Bereiche ausgelassen. »Um zu testen, ob es dort noch Befall gibt«, erläutert Lakowski. Es handele sich dabei aber um Bereiche ohne Wohnbebauung. Sollten dort Nester auftauchen, könnten sie schnell und einfach abgesaugt werden.

Der blaue Traktor ist inzwischen weit entfernt. Es wird immer leiser. Zeit für eine Pause ist indes noch nicht. »Solange es trocken ist, wird gearbeitet«, sagt Lakowski und lacht - für den Mittag war wieder Regen angekündigt.

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