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 In die Gießener Geschäfte kehrt wieder Leben. Seit heute dürfen einige wieder öffnen.

Geschäfte geöffnet

Gießen: Besondere Corona-Maßnahmen in der Innenstadt - Starke Resonanz auf Geschäftsöffnung

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    Burkhard Möller
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Seit Montag dürfen ausgewählte Geschäfte wieder verkaufen. Bei sonnigen Wetter haben die Gießener das Angebot dankend angenommen.

Gießen - Es ist Punkt 12 Uhr, als auch der Riese der Fußgängerzone aus dem Corona-Schlaf erwacht. Nachdem viele andere Geschäfte des Selterswegs bereits am Morgen ihre Türen geöffnet haben, zieht zur Mittagszeit auch Karstadt nach. Eigentlich war die Öffnung erst für den heutigen Dienstag vorgesehen, doch offenbar haben die Mitarbeiter Sonderschichten eingelegt, um die Sicherheitsvorkehrungen umzusetzen. Erst am Samstagnachmittag war beschlossen worden, dass auch Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche öffnen dürfen, wenn sie die überschüssigen Areale absperren.

Einen Monat lang wirkte der Seltersweg wie ausgestorben. Um die Pandemie einzudämmen, mussten die meisten Geschäfte schließen. Eine harte Zeit, wie Markus Pfeffer, der Geschäftsführer des BID Seltersweg, betont. "Das bedeutet für den stationären Einzelhandel eine riesige Lücke in den Einnahmen." Zumal viele Kunden in den vergangenen Woche im Internet eingekauft hätten. "Und einen Euro kann man nur einmal ausgeben."

Gießener Geschäfte öffnen wieder: Einbahnstraße bei Punkt und Strich

Am Montag landet das Geld jedoch in den Kassen der Gießener Geschäftsleute. "Die Resonanz ist sehr stark", freut sich etwa Heinz-Jörg Ebert vom Schuhhaus Darré. Besonders Kinderkleidung sei gefragt gewesen. "Aus den letzten Sommerschuhen sind die Jungs und Mädchen längst rausgewachsen." Man merkt Ebert an, dass er erleichtert ist. Und stolz. "Die Maßnahmen in so einer kurzen Zeit umzusetzen, gleicht einem logistischen Staatsakt", sagt Ebert und meint damit die Beschaffung von Gesichtsmasken, die Aufteilung der Ladenfläche sowie die Koordinierung des Kundenstroms. Im Schuhhaus beispielsweise muss jeder Kunde eine von 40 bereitgelegten Einkaufstaschen nehmen. Dadurch kann das Team sicherstellen, dass die Obergrenze an zulässigen Kunden nicht überschritten wird. "Das hat alles hervorragend geklappt", betont Ebert. "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft."

Auch bei Karstadt herrschen strikte Hygienevorschriften. Dazu zählt der Mundschutz.

Arno Jung geht es nicht anders. Der Inhaber von Punkt und Strich hat mit seinen Mitarbeitern die aufgezwungene Schließung genutzt, um sein Geschäft zu renovieren. Außerdem haben sie sich ein Konzept überlegt, um den Verkauf und die Hygienemaßnahmen unter einen Hut zu bringen. Der Geschenk- und Schreibwarenladen ist aktuell über den Hintereingang zu erreichen, der Ausgang befindet vorne. "Wir haben also eine Einbahnstraße geschaffen, um Kontakte zu reduzieren", sagt Jung, der wie seine Mitarbeiter einen Mundschutz trägt.

Die Masken sind auf dem Seltersweg allgegenwärtig. Viele Kunden tragen eine, fast jeder Verkäufer. Und auch in den Gewerbegebieten prägt der Mundschutz die Szenerie. Hier befinden sich etliche Fachmärkte mit deutlich mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Intersport in der Karl-Glöckner-Straße zum Beispiel hatte trotzdem geöffnet und weite Teile der Filiale mit Absperrband vom Verkaufsbereich getrennt. Wer Bekleidung oder Schuhe aus den gesperrten Bereichen anprobieren wollte, konnte beim Personal nachfragen. Um die Mittagszeit hielt sich der Kundenandrang in Grenzen.

Gießener Geschäfte öffnen wieder: Längst nicht alle Läden offen

Noch nicht geöffnet hatten die Möbelstadt Sommerlad und ihr Somit-Markt, auch die Einrichtungshäuser Wohnmaxx und das Dänische Bettenlager im Gewerbegebiet West blieben geschlossen. Sie könnten nur öffnen, wenn sie die Verkaufsfläche auf die besagten 800 Quadratmeter reduzieren. Der Küchenfachmarkt Meda auf dem früheren Bänninger-Gelände war auf, ebenso der Elektronik-Fachmarkt Expert/Klein im Gewerbegebiet West, wo Saturn geschlossen blieb.

Wer keinen Mundschutz hat, wird kreativ.

Auch in der Galerie Neustädter Tor waren viele Läden noch nicht bereit für den Kundenempfang, und auf dem Seltersweg blieben ebenfalls einige Geschäfte geschlossen. "Gerade für die Filialisten ist es unglaublich schwer, die Maßnahmen so schnell umzusetzen", erklärt Pfeffer. Abgesehen davon seien viele Geschäftsleute verunsichert und hätten Sorge, gegen die Verordnungen zu verstoßen. Pfeffer geht aber davon aus, dass im Laufe der Woche auch die geschlossenen Geschäfte öffnen werden.

Bis dahin werden bei Köhler schon einige Gesichtsmasken über die Ladentheke gewandert sein. In dem Geschäft für Herrenmode werden derzeit selbstgefertigte Mundschutze verkauft. "Wir freuen uns riesig, dass es jetzt wieder losgeht", sagt Geschäftsführer Dennis Eberl.

Den Gießener Bürgern geht es offenbar genauso. Nicht nur bei Köhler, auch in vielen anderen Läden gehen die Kunden am Montag ein und aus. 

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