Schäfer erzählen den Vertretern von Hessen-Forst, welche Probleme sie wegen Hunden und ihren Haltern haben.
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Schäfer erzählen den Vertretern von Hessen-Forst, welche Probleme sie wegen Hunden und ihren Haltern haben.

Hessen-Forst

Bergwerkswald in Gießen: Hunde bereiten Schäfern großen Ärger – Gefahr für Herden

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Am Naturschutzgebiet Bergwerkswald in Gießen haben Schafe und Schäfer derzeit Ärger mit Hunden und ihren Herrchen. Dabei sind auch schon Tiere verletzt worden.

  • Viele lassen ihre Hunde im Naturschutzgebiet Bergwerkswald in Gießen ohne Leine laufen.
  • Das kann zu schweren Unfällen mit Schafen und Hütehunden führen.
  • Aber auch die Fauna leidet unter den Spaziergängern und Spaziergängerinnen.

Gießen – Am Ende der Georg-Haas-Straße sind an diesem Morgen etliche Hunde unterwegs. Mit ihren Frauchen und Herrchen peilen sie die Wiesen und Wege am Rande des Naturschutzgebiets Bergwerkswald an. Wenn das letzte Haus des Wohngebiets Schlangenzahl passiert ist, befreien viele Halter ihre Hunde von der Leine. Den Vertretern von Hessen-Forst und den Schäfern, die 200 Meter weiter stehen, sind die freilaufenden Hunde ein Dorn im Auge. Noch mehr dürften sich aber die 220 Schafe, die hier auf einer Wiese das Gras stutzen, von den Hunden gestört fühlen. »In den vergangenen Tagen ist es mehrfach zu gefährlichen Situationen gekommen, weil unangeleinte Hunde in die Herde gelaufen sind«, sagt Holger Brusius von Hessen-Forst. Beleidigungen und Bissverletzungen seien die Folge gewesen.

Naturschutzgebiet Bergwerkswald in Gießen: Hütehunde versuchen die Herde zu schützen

Schafe werden häufig als kauende Rasenmäher eingesetzt, weil sie die Wiesen schonender vom Gras befreien können als technische Geräte. Außerdem würden sie Nährstoffe abtragen, was Vorteile habe, da das Ökosystem dadurch artenreicher werde, sagt Brusius. »Unser Ziel ist es daher, die Grünlandbereiche hier im Naturschutzgebiet dauerhaft von Schafen weiden zu lassen.« Denn zu den ökologischen Vorteilen kommen ökonomische hinzu. Schließlich zahlen die Schäfer normalerweise eine Pacht, damit ihre Tiere auf den Wiesen weiden können. Am Rande des Wohngebiets Schlangenzahl ist das jedoch anders. »Hier bezahlen wir die Schäfer, damit sie kommen. Sonst tut sich das keiner an«, sagt Brusius. Denn je näher die Grünflächen an Siedlungen lägen, desto häufiger gebe es Probleme.

Egon Walther ist ein Schäfer vom alten Schlag, stilecht mit Hut und Wanderstock. Seit Donnerstag ist er mit seiner Herde hier und kümmert sich um die Landschaftspflege. Und genauso lange gibt es auch schon Ärger. »Ich habe jede Menge Beleidigungen abbekommen. Dabei leiste ich doch einen Dienst für die Allgemeinheit.« Mehrfach seien unangeleinte Hunde in die Herde gelaufen und hätten für Unruhe gesorgt. »Manche Hunde waren völlig außer Kontrolle«, sagt Walther. Seine eigenen drei Hütehunde hätten sich das natürlich nicht gefallen lassen, schließlich sei es ihre Aufgabe, die Schafe zu schützen Die Folge: Einige der freilaufenden Hunde hätten Bissverletzungen erlitten - und deren Halter daraufhin Wutanfälle.

Eine unangenehme Situation für alle Beteiligten, sagt Brusius. Er fordert die Hundehalter daher auf, sich an die Leinenpflicht im Naturschutzgebiet zu halten. »Außerdem«, fügt Walther an, »sollten die Halter mit ihren Tieren einen großen Bogen um Schafherden machen.« Denn seine Hütehunde würden auch angeleinte Artgenossen als Bedrohung sehen, wenn sie den Schafen auf den Pelz rückten.

Im Naturschutzgebiet Bergwerkswald in Gießen leidet wegen Spaziergängern auch die Fauna

Brusius ist an diesem Morgen aber nicht nur wegen der Probleme auf den vorgelagerten Wiesen ins Naturschutzgebiet gekommen. Zusammen mit Revierförster Jörg Sennstock will er auch auf die Missstände innerhalb des Bergwerkswalds aufmerksam machen. »Corona hat zur Folge, dass sich mehr Menschen im Freien aufhalten. Leider verlassen sie dabei auch immer wieder die ausgezeichneten Wanderwege«, sagt Sennstock. Im Bergwerkswald sei das besonders verlockend, da die vielen Tümpel, Seen und Kalkfelsen einem Abenteuerspielplatz glichen. Problem: Genau diese Orte sind aus Sicht von Hessen-Forst besonders schützenswert. »Man sieht überall Trampelpfade im geschützten Gebiet. Auf den Felsen sind schon seltene Farnarten verschwunden, weil die Menschen immer wieder darüber gerutscht sind«, klagt Brusius.

Um Querfeldein-Ausflüge künftig besser unterbinden zu können, wollen die Vertreter von Hessen-Forst nun Handläufe anbringen und Reisigmatten auslegen. »Damit die Menschen sehen: Bis hier hin und nicht weiter«, betont Revierförster Sennstock. Wenn das nicht fruchte, müssten härtere Maßnahmen getroffen werden. Zum Beispiel ein Zaun, der das gesamte Naturschutzgebiet abriegelt.

Für viele Spaziergänger wäre das ein herber Schlag. Schäfer Walther und seine Schafe hingegen könnten sich damit sicherlich anfreunden.

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