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Das dürfen Radfahrer in einer Fahrradstraße ausdrücklich: Nebeneinander fahren, Autos müssen dahinter bleiben. Im Frühjahr wird die Goethestraße, die aus Fahrtrichtung Südanlage für Pkw ohnehin nicht befahrbar ist, zur Fahrradstraße.

Stadtverkehr

Gießen bekommt im Frühjahr drei Fahrradstraßen

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Seit 2009 waren sie immer wieder angekündigt worden, nun sollen die ersten drei Fahrradstarßen in Gießen im kommenden Frühjahr ausgewiesen werden. Es sind Goethe-, Lony- und Löberstraße.

Wenn man die Begriffe Fahrradstraße(n) ins Archiv der Gießener Allgemeinen Zeitung eingibt, spuckt das Gedächtnis der Redaktion etliche Artikel aus. Der erste datiert vom 1. Juli 2009. Der damalige städtische Radverkehrbeauftragte Alexander Koch kündigt an, dass die Goethestraße zur Fahrradstraße umgewidmet werden soll. Fast elf Jahre und zwei Stadtregierungen später soll es im kommenden Frühjahr nun soweit sein. "Wir waren noch nie so weit", sagte Bürgermeister Peter Neidel am Dienstagabend bei der Versammlung der Agenda-Gruppe "Nachhaltige Mobilität" im Konzertsaal des Rathauses. Der CDU-Verkehrsdezernent setzt also nun um, was zwei Koalitionen, an denen die Grünen als Partei der Radfahrer/innen beteiligt waren, nicht gelungen ist.

Auch wenn es in den drei genannten Straßen nur zu einer Umsetzung "light" ohne bauliche Veränderungen kommen soll und es auch noch keinen Plan zur Vernetzung von Fahrradstraßen gibt, will Neidel, der sich offensichtlich davon eine Signalwirkung verspricht, jetzt endlich einen Anfang machen. "Wir machen das jetzt. Mit baulichen Veränderungen hätte es noch länger gedauert." Auch so ist der Aufwand nicht eben gering, wie die neue Radverkehrsbeauftragte Katja Bürckstümmer erklärte. Um die Ausweisung der Fahrradstraßen straßenverkehrsrechtlich wasserdicht zu machen, müssen etliche Verkehrsschilder aufgestellt werden. Da geht es um die blau-weißen Schilder, die Anfang und Ende der Sonderstraße zeigen und viele Halte- und Parkverbotsschilder. Bürckstümmer sprach von über 100 Schildern, die in den drei Straßen aufgestellt werden müssten. Hinzu kommen Fahrbahnmarkierungen. "Schade, dass es so einen Aufwand braucht", sagte Neidel.

Infoveranstaltung für Anwohner

Die Ausweisung der drei Bereiche muss sogar ausgeschrieben werden, für November kündigte der Bürgermeister eine Informationsveranstaltung für Anwohner, Gewerbetreibende, die an der Goethestraße ansässige Universität und Verkehrsverbände an. Fahrradstraßen seien in Gießen etwas völlig Neues und müssten "gut erklärt" werden. Das gilt insbesondere für die Notwendigkeit, dass Parkplätze wegfallen werden. In welchem Umfang, das blieb offen. Ein Mitglied der Agenda-Gruppe gab zu bedenken, dass das Schrägparken in der Lonystraße mit einer Fahrradstraße unvereinbar sei. Umgesetzt werden kann das Vorhaben erst im Frühjahr, weil es für die Markierungsarbeiten trockener Witterung bedarf.

Parkplätze fallen weg

Wie Bürckstümmer sagte, sei die Goethestraße im Bereich zwischen Südanlage und Gnauthstraße von der Ausweisung betroffen, an Kreuzungen wie mit der Stephanstraße sei der Radverkehr bevorrechtigt. Was den Übergang Ludwigstraße betrifft, denkt das Tiefbauamt über eine Steuerung nach, die Radfahrern und Fußgängern eine noch zügigere Querung ermöglicht.

Warum die Stadt überhaupt Fahrradstraßen ausweist, hatte Neidel zu Beginn der Veranstaltung in einer Grundsatzrede zum Stadtverkehr deutlich gemacht. Wenn man die Leute zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen wolle, müssten sichere Wege durch die Stadt angeboten werden, die auch von Familien mit Kindern, von Jugendlichen und Senioren gefahrlos befahren werden könnten. "Es muss nicht immer der direkteste Weg sein, aber er muss sicher sein", sagte Neidel. Der oft in der Diskussion befindliche Anlagenring sei eher etwas für "die Geübten".

Nach der "isolierten" Ausweisung der drei genannten Straßen will sich Radverkehrsbeauftragte Bürckstümmer dem Thema Vernetzung widmen und dabei Bürgerschaft und Verkehrsverbände einbinden.

Was ist eine Fahrradstraße?

Als Fahrradstraße wird eine Straße bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen ist. Dies wurde 1997 durch die Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgelegt. Fahrradstraßen sollen Vorteile gegenüber dem Autoverkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen. Baulich unterscheidet sich eine Fahrradstraße meistens nicht von einer anderen Straße. Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorfahrt vor Pkw und anderen Fahrzeugen. Sie dürfen dort auch nebeneinander fahren, Autos müssen dahinter bleiben. Die Geschwindigkeit muss immer angepasst sein, erlaubt sind – auch für Radfahrer – maximal 30 km/h. Die StVO definiert die Voraussetzung für eine Fahrradstraße: "Fahrradstraßen kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies bald zu erwarten ist."

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