Gießen in Anklage nicht mehr als Anschlagsziel genannt

Gießen/Karlsruhe (mö). Es war die aufwändigste Terroristenfahndung seit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die RAF vor 30 Jahren, die am 4. September vergangenen Jahres mit der Festnahme von Fritz Martin G., Adem Y. und Daniel Martin S. im sauerländischen Medebach-Oberschlehdorn zu Ende ging.

Gießen/Karlsruhe (mö). Es war die aufwändigste Terroristenfahndung seit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer durch die RAF vor 30 Jahren, die am 4. September vergangenen Jahres mit der Festnahme von Fritz Martin G., Adem Y. und Daniel Martin S. im sauerländischen Medebach-Oberschlehdorn zu Ende ging. Den drei Mitgliedern der "Islamischen Jihad Union" wird von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, im vergangenen Jahr Anschläge gegen Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Bekannt wurde das Trio als "Sauerland-Gruppe".

Wie die "Gießener Allgemeine" bereits in ihrer Ausgabe vom 1. September unter Bezugnahme auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" berichtet hatte, war in einem von den Sicherheitsbehörden abgehörten Gespräch der Terroristen, deren Mietwagen von den Fahndern verwanzt worden war, auch Gießen als mögliches Anschlagsziel genannt worden. "Die beiden Insassen fachsimpeln über die Zahl der Bomben und die Zahl der Opfer, 150 sollen es sein, mindestens, etwa am Frankfurter Flughafen. Y. schlägt Gießen vor, dort gebe es richtig große amerikanische Discos", zitierte "Der Spiegel" damals aus einem Abhörprotokoll. Von den Ermittlern wurde diese Äußerung des Deutsch-Türken offenkundig nicht ernstgenommen.

Man hielt sie für Geschwätz. Der im südhessischen Langen aufgewachsene Y. verfügte offensichtlich nur über vage Informationen, die amerikanische Präsenz in Gießen betreffend. Tatsächlich war der US-Standort Gießen zum Zeitpunkt, an dem der Anschlag stattfinden sollte (Mitte Oktober 2007), längst geräumt.

Gießen als Anschlagsziel tauchte nach der "Spiegel"-Veröffentlichung dann nicht mehr in Medienberichten über die Sauerland-Gruppe auf. Auch in der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft, die am 2. September Anklage gegen das Trio erhob, spielt das besagte abgehörte Gespräch offenbar keine Rolle. In einer Presseerklärung der Bundesanwaltschaft heißt es: "Ziel der Angeschuldigten war es, in Deutschland Sprengstoffanschläge insbesondere gegen amerikanische Staatsbürger und US-amerikanische Einrichtungen mit einer möglichst hohen Opferzahl zu begehen. (...) Als Anschlagsziele zogen sie Örtlichkeiten wie Gaststätten, Pubs, Diskotheken und Flughäfen in Betracht. Als Tatorte erwogen sie unter anderem Frankfurt/Main, Ramstein, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Stuttgart oder München."

"Kofferbomber" mit Gießen-Kontakten?

Gießen soll übrigens auch bei den Ermittlungen gegen die sogenannten "Kofferbomber" eine kleine Nebenrolle gespielt haben. In Listen mit Telefonnummern, die die beiden Männer angewählt hatten, sollen Gießener Anschlüsse aufgetaucht sein, erfuhr die AZ vor einiger Zeit. Von Bedeutung für die Ermittlungen waren diese Kontakte aber nicht. Die beiden Islamisten hatten vor zwei Jahren Anschläge auf Regionalzüge in Westdeutschland geplant.

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