+
Mit "Links" ist das Abi für die meisten Schüler nicht zu meistern. Vor allem nicht während der Corona-Krise. 

Schulen

Gießen: Abitur im Schatten von Corona - Lehrerin positiv getestet

  • schließen

Das Abitur ist die letzte Hürde auf dem Weg in die Freiheit. Die Prüfungen sind per se ein nervliche Herausforderung. In Zeiten von Corona werden sie zu einer Extremsituation.

Gießen - Lena Gaidis klingt erleichtert. "Ich habe ein gutes Gefühl." Die 17-jährige Herderschülerin hat soeben ihre erste Abiturprüfung geschrieben. Englisch, es ging um die Klassensysteme in Großbritannien und den USA. Themen, die seit Corona völlig belanglos erscheinen. Trotzdem müssen die gut 500 Gießener Abiturienten die Krise derzeit ausblenden und sich auf den Unterrichtsstoff fokussieren. Als ob das nicht schon schwer genug wäre, wussten die jungen Leute bis zum Tag vor Prüfungsbeginn nicht einmal, ob die Tests tatsächlich stattfinden. Kein Frage: Abitur in Zeiten des Coronavirus gleicht einer Herkulesaufgabe.

Lehrerin positiv getestet

Am Donnerstag haben die Abiturprüfungen begonnen. Erst am Mittwochnachmittag hatte das hessische Kultusministerium grünes Licht gegeben - gleichzeitig aber auch besondere Schutzmaßnahmen angeordnet. "Ich habe die Schüler auf dem Pausenhof abgefangen und erst einmal das Prozedere erklärt", betont Stefan Tross, der Leiter der Herderschule. Anschließend seien die Schüler einzeln und mit Abstand in die Unterrichtsräume geschickt worden, wo sie mit maximal acht Mitschülern und unter Einbehaltung eines Mindestabstands ihre Prüfungen ablegen sollten. Zudem habe er auch Schüler angesprochen, die in Gruppen zu nah beieinander gestanden hätten. "Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Leider ist das noch nicht in allen Köpfen drin."

Der Unterrichtsstoff hingegen schon. Zumindest hat an der Herderschule trotz ausgesetzter Attestpflicht niemand bei den ersten Prüfungen gefehlt. Zumindest von den Schülern. Denn Tross musste der Schulgemeinde mitteilen, dass eine Kollegin positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. "Wir haben uns direkt mit dem Gesundheitsamt verständigt. Auch andere Lehrer, die mit ihr Kontakt hatten, mussten als Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne."

Während Prüfung umgekippt

Für die Schüler habe hingegen keine Ansteckungsgefahr bestanden, da sie vor den Prüfungen schon länger nicht mehr in der Schule waren. "Trotzdem macht das die Situation für die Abiturienten natürlich nicht einfacher. Das ist eine Extremsituation", betont Tross. Dennoch hält der Schulleiter die Entscheidung für richtig, dass die Prüfungen stattfinden. "Die Schüler haben jahrelang auf diesen Moment hingearbeitet und sich gut vorbereitet. Sie wollen das jetzt auch hinter sich bringen."

Lena Gaidis sieht das genauso. "Ich bin einfach nur froh, dass es jetzt losgeht und ich die erste Prüfung hinter mir habe." Sie habe sich durch die Krisenstimmung im Vorfeld auch nicht allzu sehr ablenken lassen.

Doch das gelingt nicht jedem. Eine Mitschülerin betont, sie hätte die Prüfung lieber nicht geschrieben. "Im Vorfeld ging alles drunter und drüber, vor allem weil bis zum Schluss nicht klar war, ob die Prüfung nun stattfindet oder nicht." Die junge Frau hätte sich daher gewünscht, dass das Kultusministerium anders entschieden hätte. Zumal auch die Vorbereitungskurse wegen der Ansteckungsgefahr nicht stattgefunden hätten. "Mir wäre es daher lieber gewesen, wenn die Prüfungen verschoben worden wären." Für sie persönlich trifft das sogar zu: Die Abiturientin sagt, sie habe wegen der ganzen Aufregung nichts gegessen und sei dann während der Prüfung umgekippt. "Das war einfach alles zu viel." Sie wird die Prüfung wiederholen müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare