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Bauarbeiten statt Partys, Konzerte und Ausstellungen - das MuK wird derzeit aufgeputzt. Markus Pfeil ist hauptamtlicher Kulturarbeiter im Verein.

Musik- und Kunstverein (MuK)

Stille in Gießens Partybunker: „Macht keinen Sinn, jetzt schon Konzerte für Herbst zu organisieren“

  • vonDaniel Beise
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Wie kommt man im Gießener MuK mit dem Lockdown klar? Markus Pfeil sagt: „Der Alltag ist ein ganz anderer.“

Gießen – Das MuK - darunter versteht der Gießener Partygänger den alten Bunker in der hintersten Ecke der Automeile. Äußerlich trist, drinnen bunt, etwas schmuddelig, nicht perfekt, dafür umso sympathischer, liberaler. Der Musik- und Kunstverein ist weit mehr als ein Ort zum Feiern. 1994 von zwölf Kulturinteressierten gegründet, proben im Vereinsheim heute Bands, nehmen Musiker Songs im Studio auf, stellen regionale Künstler Graffiti, Fotografie oder Malerei aus und trainiert die Flamenco-Tanzgruppe »Alma Gitana« - eigentlich.

Markus Pfeil ist neben Ronny Krämer einer der zwei hauptamtlichen Mitarbeiter im Verein. Als der 47-Jährige in den Bunker führt, sieht man keine Spur von künstlerischem Treiben, geschweige denn von den Technopartys, die zuletzt nicht nur hier immer populärer geworden sind. Theken zugestellt mit Tischen und Barhockern, Tanzflächen mit Werkzeug und Arbeitsmaterial. Die Zeit steht wegen der Corona-Pandemie still im Heim von Gießens größtem freien Kulturanbieter, seit fast einem Jahr schon. Doch ganz ruhig ist es hier nicht.

MuK in Gießen: Lockdown-Zeit für Verschönerungen genutzt

Herr Pfeil, als Kulturschaffender arbeitet man eigentlich ständig unter Menschen. Wie sieht momentan der Alltag im MuK aus?

Der Alltag ist ein ganz anderer. Wir möchten das MuK schöner machen, wir reparieren und renovieren hier und da ein paar Dinge, was dringend nötig und ohnehin geplant war. Dafür haben wir nun natürlich mehr Zeit. Mit Veranstaltungsplanungen halten wir uns derzeit noch zurück; es macht für uns keinen Sinn, jetzt schon Konzerte für den Herbst zu organisieren. Wenn es wieder losgehen kann, können wir auch relativ spontan Events veranstalten. Ansonsten stellen wir Anträge auf Hilfen und versuchen finanziell so auszukommen, dass wir das Überleben des Ladens sichern. Momentan sieht das ganz okay aus, wenn das, was versprochen wurde, auch ankommt.

Vor welchen Problemen steht der Verein nun? Was erfordert am meisten Denkarbeit?

Tatsächlich das Finanzielle. Trotz staatlicher Hilfen haben wir gerade keine Zeit, in der wir normal agieren können. Es gibt ja laufende Kosten, die beglichen werden müssen. Alle Thekenkräfte zum Beispiel, die auf 450-Euro-Basis arbeiten, mussten wir dagegen abmelden. Und auch bei den Reparaturen können wir nicht einfach alles beauftragen, was nötig wäre. Wir sind in einer Art Wartezeit, die wir konstruktiv zu überbrücken versuchen.

MuK in Gießen hofft auf Erholung des Weggehverhaltens

Was erhoffen Sie sich für den Verein für dieses Jahr - auch für die Zeit, wenn Partys und Konzerte wieder stattfinden können?

Wir wollen wieder ein ansprechendes, möglichst vielschichtiges Programm anbieten. Wir hoffen, dass sich der kulturelle Bereich und das Weggehverhalten der Leute nicht nachhaltig auf eine »negative« Art ändern. Dazu wäre es extrem wichtig, dass möglichst wenig Künstler, Läden, Kneipen, Veranstalter, Technikverleiher, Getränkehändler und so weiter die Segel streichen müssen. Irgendwann wird es gebremst und im kleinen Rahmen wieder losgehen, vermutlich erst mal im Open-Air-Bereich. Wenn es hygienetechnisch umsetzbar ist, werden wir auf unserem Freiplatz etwas machen. Drinnen sehe ich im MuK wenig Möglichkeiten. Wir haben enge Gänge und können keine unterschiedlichen Laufwege für Ein- und Ausgang planen. Wir hoffen das Beste. (bei)

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