+

Gespickt mit Zitaten

  • schließen

Diese Ausstellung in der Kunsthalle sprüht vor Lebensfreude. Sie zeigt das Interesse der Künstlerin Hélène Delprat aus Paris an ihrer Umwelt und der Geschichte. Die Schau ist im besten Sinne als barock üppig zu bezeichnen.

Die in Paris lebende Künstlerin Hélène Delprat hat zahlreiche Kunstwerke für ihre Ausstellung unter dem Titel "With my voice I’m calling you" in die Kunsthalle mitgebracht: großformatige Gemälde, Skulpturen, Videos, eine Foto-Installation und eine Laterna Magica. Kunsthallenleiterin Dr. Nadia Ismail ist begeistert von dieser außergewöhnlichen Künstlerin und ihrem vielfältigen Werk.

Delprat war bereits als Malerin erfolgreich, bevor sie sich für einige Zeit zurückzog und zu experimentieren begann: mit Videos, Radioprojekten und dem Schreiben von Texten. Sie ist eine unermüdliche Sammlerin, hat Hunderte von Bildern auf ihrem PC, die sie auf diversen Bilddatenbanken findet, ebenso in konventionellen Zeitschriften. Das Hören von Zufälligem oder Musik kommen dazu. So ist der Ausstellungstitel für Gießen, "With my voice I’m calling you", der Refrain des Nick-Cage-Songs "Jesus alone". Ein düsterer Song, der den Tod seines Sohnes thematisiert.

Aber auch das ist typisch für Delprat. Sie liebt die Kombination von Extremen, alles andere findet sie konventionell und langweilig. Da stehen Ernst und Humor nebeneinander, Schwermut und Leichtigkeit, Geschichte und Gegenwart. Oft ist nicht entscheidbar, was gerade gemeint ist. Man rätselt, woher das bildliche Zitat wohl stammen mag. Auf diese Weise wird die Neugier beim Betrachten ständig gekitzelt und wachgehalten, vielleicht genau so, wie die Künstlerin die Welt betrachtet und immer wieder neu entdeckt.

Sie mag das Mittelalter, Burgen und Rüstungen, Fahnen und Wappen. Das wird gleich beim Betreten der Kunsthalle deutlich. Die Fahne an der Wand markiert ihr In-Besitznehmen des Territoriums Kunsthalle.

Hui Buh trifft auf Erzengel Michael

Schwarze Ritter-Silhouetten bewachen einen von Flammen bewehrten Durchgang. In Schlössern hängen viele Gemälde, oft mit "langweiligen Porträts", was für sie heißt: Personen in den immer gleichen Posen und mit oft stupiden Gesichtern. Auch das gilt es zu entdecken.

Ihre Lieblingsgeschichte stammt von Flaubert, sie handelt von zwei Dummköpfen, die ganz groß hinauswollen. Doch egal, was sie anstellen, es endet immer in der Katastrophe. Diese Möglichkeit sieht sie in jedem menschlichen Schaffen, macht es humorvoll in ihrem Werk sichtbar. Zum Beispiel ist das Kapitell an der Säule am Eingang bewusst schief aufgesetzt, imponieren die vielen Büsten mit Sonnengesichtern in ausgefeilter Naivität.

Ihre großformatigen Gemälde (das größte ist sieben Meter lang) sind gespickt voll mit Zitaten, immer wieder begegnet man Motiven, die von irgendwoher vertraut scheinen. Da sind Elemente der Antike, filmische Zitate, Cartoons, Beobachtungen aus der Natur und der Kunstgeschichte. Neben Fratzen zeichnet sie florale Ornamente, neben Grotesken der Renaissance tänzelt ein Schmetterling. Man begegnet Hui Buh, dem freundlichen Schlossgespenst, und gegenüber dem Erzengel Michael, der mit dem Flammenschwert das Böse bekämpft.

Eröffnung ist am Freitag, 6 März, 19 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin mit Begrüßung durch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und einer Einführung von Dr. Nadia Ismail (Leiterin Kunsthalle). Ausstellungsdauer: bis 24. Mai, mit erweitertem Rahmenprogramm (siehe Zusatzelement).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare