Gericht verhindert Ceylan-Auftritt

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Keine Comedyshow in der Corona-Krise: In einem Urteil hat das Verwaltungsgericht Gießen am Dienstag den Eilantrag eines Veranstalters abgelehnt. Der wollte am Freitag die Show von Bülent Ceylan in der Kongresshalle mit 820 Zuschauern organisieren.

Dass man den sonst nicht auf den Mund gefallenen Comedian Bülent Ceylan beinahe sprachlos erlebt, ist selten. Vor sechs Tagen sagte er in einer Videobotschaft an seine Fans, er hoffe, dass trotz der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie seine Hallentour zumindest teilweise stattfinden könne - mit Hygieneregeln, Mundschutz und Platzreservierungen. Auch in Gießen wollte Ceylan gastieren: am Freitag, 4. September. Die Vierte Kammer des Verwaltungsgerichts Gießen hat dem Veranstalter der Tour nun aber einen Strich durch die Rechnung gemacht: Dem Eilantrag von S-Promotion, die Show mit 820 Zuschauern zuzulassen, gaben die Gießener Richter nicht statt.

Das Land Hessen hat verfügt, dass für Veranstaltungen nicht mehr als 250 Besucher zugelassen werden können. Ausnahmen müsse das Gesundheitsamt des zuständigen Landkreises genehmigen. S-Promotion hatte beim Landkreis Gießen diesen Antrag auf Genehmigung der Veranstaltung mit 820 Zuschauern gestellt - und sich Ende August eine Absage eingefangen. Der Grund: Weder stehe in der 850 Quadratmeter großen Kongresshalle pro Person eine Fläche von drei Quadratmetern zur Verfügung, noch könne der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden. S-Promotion hatte gegenüber dem Gericht geltend gemacht, dass die Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung (siehe Kasten) gegen die im Grundgesetz verankerte Berufsausübungsfreiheit verstoße. Dem widersprechen die Richter: Die Landesregierung sei "aus vernünftigen Gründen des Gemeinwohls zu dieser Einschränkung befugt", teilt das Gericht mit.

Der Veranstalter hatte vorgeschlagen, dass die Besucher während der Veranstaltung einen Mund-Nase-Schutz tragen könnten. Das Verwaltungsgericht betont, dies könne die physische Distanz von mindestens 1,50 Metern nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Deshalb liege auch kein Verstoß gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Artikels 3 des Grundgesetzes vor. S-Promotion hatte in diesem Zusammenhang angegeben, auch in Bussen und Bahnen werde der Mindestabstand nicht eingehalten. Die Richter entgegnen, beim ÖPNV handele es sich um eine "öffentliche Daseinsfürsorge, während die hier beabsichtigte Veranstaltung dem Freizeitbereich zuzurechnen" sei.

Für Stefan Schornstein, den Geschäftsführer von S-Promotion, ist das eine ernüchternde Einschätzung für eine Branche, die immerhin 1,5 Millionen Menschen beschäftige. "Das kommt einem Berufsverbot gleich", sagt Schornstein. "Wir wollen veranstalten, wir wollen keine Menschen gefährden. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir den Auftritt mit 820 Besuchern mit Mund-Nase-Schutz durchführen hätten können. Bei uns ist das Ansteckungsrisiko jedenfalls geringer als im ÖPNV", betont der Veranstalter.

Er wird den Auftritt von Ceylan nun verlegen und in dieser Angelegenheit zunächst keine weiteren juristischen Schritte einleiten. "Wir werden aus dem Urteil aber lernen und in Zukunft wieder klagen, um so viele Veranstaltungen wie möglich durchzubekommen", sagt Schornstein. Er hatte für Gießen neben dem Tragen des Mund-Nase-Schutzes auch eine Einbahnstraßenregelung, die Öffnung des Nebenraums der Kongresshalle sowie unter anderem bestimmte Einlasszeiten für verschiedene Sitzbereiche wie beim Boarding im Flugzeug vorgesehen. Auch eine Rückverfolgung über die Sitzplätze sei ohne Weiteres möglich gewesen, sagt er.

Bei der Stadthallen Gießen GmbH (SHG), die die Kongresshalle vermietet, war bekannt, dass der Veranstalter eine höhere als die in Hessen erlaub-te Besucherzahl durchsetzen will. "Er wollte wohl eine Klärung herbeiführen, was in Hessen geht und was nicht. Wir sagen jedem Veranstalter, dass wir maximal 250 Personen einlassen dürfen", erklärt SHG-Geschäftsführer Sadullah Gülec. Auch bei der SHG habe man mit Spannung erwartet, wie das Gericht entscheidet. Es sei aber einzig und allein die Entscheidung von S-Promotion gewesen, den Rechtsweg zu beschreiten. "Auch für uns als Hallenvermieterin ist diese Klarstellung durch die Gerichte wichtig", sagt Gülec. Für "Zuschauerexperimente" stehe die SHG jedenfalls nicht zur Verfügung. Laut Gülec standen zuletzt die Telefone an der Südanlage nicht still, weil Leute, die offenbar bereits Tickets erworben hatten, wissen wollten, ob Ceylan tatsächlich auftritt.

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