Georgische Autorin mit bittersüßen Geschichten

  • Karola Schepp
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Gießen (gl). Georgische Literatur ist dank der Frankfurter Buchmesse, deren Gastland Georgien war, wieder mehr in das Bewusstsein hiesiger Lesefreunde gerückt. Eine der erfolgreichsten Autorinnen des Landes – Anna Kordsaia-Samadaschwili – war nun auf Einladung des Literarischen Zentrums ins Café Zeitlos gekommen, um dort ihr neues Buch "Schuschaniks Kinder" vorzustellen. Stadttheaterschauspielerin Carolin Weber las Auszüge, Anja Golebiowksi von der Uni-Bibliothek moderierte kundig den von einer längeren Essenspause unvorteilhaft unterbrochenen Leseabend.

Gießen (gl). Georgische Literatur ist dank der Frankfurter Buchmesse, deren Gastland Georgien war, wieder mehr in das Bewusstsein hiesiger Lesefreunde gerückt. Eine der erfolgreichsten Autorinnen des Landes – Anna Kordsaia-Samadaschwili – war nun auf Einladung des Literarischen Zentrums ins Café Zeitlos gekommen, um dort ihr neues Buch "Schuschaniks Kinder" vorzustellen. Stadttheaterschauspielerin Carolin Weber las Auszüge, Anja Golebiowksi von der Uni-Bibliothek moderierte kundig den von einer längeren Essenspause unvorteilhaft unterbrochenen Leseabend.

Kordsaia-Samadaschwili ist in ihrer Heimat eine Erfolgsautorin und Kulturjournalistin, hat die Werke von Elfriede Jelinek oder Cornelia Funke ins Georgische übersetzt und lehrt Literatur und kreatives Schreiben an der Universität ihrer geliebten Heimatstadt Tbilissi. Ihre Geschichten wurden bereits mehrfach ausgezeichnet. Und so hatte sie zur Lesung in Gießen nicht nur ihren neuen Roman "Schuschaniks Kinder", einen Roman über die existenzielle Einsamkeit und die Angst, die Liebe nicht zu finden, im Gepäck, sondern auch ihr Buch "Wer hat die Tschaika getötet?".

Doch wer glaubte, dabei handele es sich um einen Krimi im klassischen Sinne, wurde eines Besseren belehrt. Denn obwohl Georgien eine lange Literaturgeschichten aufweisen kann, gebe es in dem Land keine Krimis, klärte die Autorin auf. Schließlich war das Land über Jahrzehnte immer wieder besetzt und in Kriege verwickelt. Da in einem Buch einen Polizisten als eine positive Figur darzustellen oder ihre Figuren freiwillig mit der Polizei zusammenarbeiten zu lassen, sei für georgische Autoren nicht möglich gewesen. Und auch in "Wer hat die Tschaika getötet?" sorgen die Zeugen mit ihren Aussagen eher für Verwirrung, denn für Aufklärung. Eine "Tschaika" ist übrigens eine heterosexuelle Frau, die mit homosexuellen Männern befreundet ist.

Keine Krimis aus Georgien

Kordsaia-Samadaschwili gab auch Einblicke in die Geschlechterrollen der knapp vier Millionen Georgier. Schon in der georgischen Grammatik gebe es kein Geschlecht. Im Alltag hätten die Frauen in den vergangenen 50 Jahren, in dem das Land allein vier Kriege überstehen musste und viele der aus den Kriegen heimkehrenden Männer keine Arbeit mehr gefunden hätten, ihre Rollenverständnisse verändert. Aber das sei durch die Umstände eigentlich eher "einfach so passiert".

Nach einer dem Veranstaltungsort geschuldeten Unterbrechung las Carolin Weber dann auch noch Auszüge aus "Schuschaniks Kinder". Eine Leseprobe lag aus. Die Protagonisten sind Bohemiens, die ihre Träume nie aufgegeben haben und noch immer auf der Suche nach der Liebe sind.

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