Genetische Ähnlichkeit

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Gießen(pm). Das für die derzeitige Epidemie von Atemwegserkrankungen verantwortliche Coronavirus gehört auf taxonomischer Ebene zur selben Virusspezies wie der Erreger des SARS-Ausbruchs im Jahr 2002/2003: Dies bestätigen Sequenzanalysen, an denen Prof. John Ziebuhr vom Institut für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) beteiligt war. Aufgrund der engen phylogenetischen Verwandtschaft zu den anderen Viren dieser Spezies wird das "neue" Virus nun offiziell dieser Spezies zugeordnet und als "severe acute respiratory syndrome coronavirus 2" benannt (kurz: SARS-Coronavirus 2, SARS-CoV-2). Ziebuhr leitet seit 2014 die Coronaviridae-Studiengruppe des Internationalen Komitees für die Taxonomie von Viren (ICTV), die für die Analyse und taxonomische Einordnung aller neu entdeckten Coronaviren verantwortlich ist.

Infektionsverlauf kann anders sein

"Es ist extrem wichtig, zu betonen, dass die genetische Ähnlichkeit der beiden Viren - also des SARS-Coronavirus aus dem Jahre 2003 und des jetzt zirkulierenden SARS-Coronavirus 2 - keinesfalls den Schluss zulässt, dass sich die beiden Viren bei Infektionen im Menschen vergleichbar oder gar identisch verhalten", betont Ziebuhr. "Der klinische Verlauf von SARS-CoV-2-Infektionen, die Übertragbarkeit des Virus und die Virulenzeigenschaften können sich sogar erheblich voneinander unterschieden. Die enge genetische Verwandtschaft sagt also nichts über die tatsächliche Gefährdung durch das Virus aus."

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte am 11. Februar dieses Jahres bekanntgegeben, dass die durch SARS-CoV-2 hervorgerufene Erkrankung den Namen COVID-19 erhalten hat. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten ist mit SARS-CoV-2 erneut ein SARS-CoV-ähnliches Virus auf den Menschen übergesprungen.

Dies unterstützt die Vermutung, dass bestimmte Varianten dieser Spezies in besonderer Weise befähigt sind, aus ihren natürlichen Wirten in verschiedenen Fledermausarten - möglicherweise unter Beteiligung bisher unbekannter Zwischenwirte - auf den Menschen überzuspringen und sich anschließend von Mensch zu Mensch auszubreiten.

"Zukünftige Forschungsaktivitäten sollten sich daher nicht nur auf einzelne für den Menschen pathogene Viren beschränken, sondern die gesamte Virusspezies einschließlich ihrer zahlreichen Varianten in verschiedenen anderen Wirtstieren in den Blick nehmen", beschreibt Ziebuhr ein weiteres Fazit, das die Wissenschaftler aus ihrer Studie ziehen. Zur Spezies "SARS" zählt auch eine Vielzahl anderer Coronaviren von Säugetieren wie beispielsweise Fledermäusen.

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