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Die Jahrgangsbesten: Isabel Christine Obschil, Tobias Schuster, Laura Nicoletta Prößer und Alexander Klinge (v.l.).

»Generation Z hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen«

Gießen (zy). Klar, ein gewisser Generationenkonflikt lässt sich bei den Reden einer feierlichen Zeugnisübergabe häufig nicht ganz von der Hand weisen. Auch nicht bei der Zeremonie für die 38 Schülerinnen und Schüler der Gießener Liebigschule, die den bisher kleinsten Jahrgang des Gymnasiums formten. Gestartet war die Schüler noch mit etwa 60 Mitstreitern.

In der festlich geschmückten Kongresshalle trafen die »Babyboomer«, die oft Leben um zu arbeiten, auf die »Generation Z«, die häufig Arbeit nur als einen von vielen Teilen ihres Lebens betrachten. In der Liebigschule nahm man diesen Unterschied mit viel Humor bei den Reden von Schülern und Schulleiter Dirk Hölscher wahr. Warum auch nicht? Schließlich konnte sich die Durchschnittsnote von 2,28 sehen lassen. Grund genug also stolz zu sein und gemeinsam zu feiern.

Apropos Stolz: Dieses Gefühl durften insbesondere die vier Jahrgangsbesten wegen ihren exzellenten Durchschnittsnoten haben: Tobias Schuster (1,1), Isabel Christine Obschil (1,2), Alexander Klinge (1,3) und Laura Nicoletta Prößer (1,4).

Die Prioritäten, was die vergangene Schulzeit und das Leben danach betreffen, wurden vom Schulleiter etwas anders gewichtet, als wohl von den meisten seiner Abiturienten. Neben den sieben Säulen der Resilienz (Widerstandsfähigkeit), gab er seinen ehemaligen Schützlingen noch eine letzte Lektion mit auf den Weg. Dafür zitierte er den in der Arbeitswelt äußerst erfolgreichen Apple-Gründer Steve Jobs: »Eine Arbeit wird einen großen Teil eures Lebens ausmachen und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist, etwas zu tun, das ihr für großartiges Schaffen haltet.« Typisch Boomer-Generation. Immerhin: Es gehöre auch dazu, seine Arbeit zu lieben, stimmte Hölscher mit dem 2011 verstorbenen Jobs überein. Auch wenn man nicht gerade Milliardär wie Jobs werden möchte, die Arbeitswelt kann trotzdem nervenaufreibend sein. Daher verschenkte Hölscher 38 Anti-Stress-Bälle. Danach übergab er passend mit dem eingespielten Song »My Way« von Frank Sinatra an die neuere Generation.

Die Abiturreden der Schülervertreter Lea Schaba und Markus Rogowski folgten anderen Narrativen. Ihre Zukunft war kaum ein Thema. Nein, um die Wegbegleiter »Kaffee, Kippen, Wikipedia« und den einstigen Schüleralltag ging es. Schaba fehlte dort der ein oder andere Punkt auf dem Lehrplan: »Ich habe zwar nicht gelernt, meine Altersvorsorge zu planen, aber laut Frau Fritz kann ich dafür ganz gut Gedichte analysieren«, schmunzelte das Mitglied der Generation »Post-Millenials«. Als Antwort für diese ironische Bemerkung füllten Angehörige und Freunde den Saal mit ihrem Lachen und Applaus. Die Abiturientin übte jedoch auch deutlich Kritik: »Schule kommt bei dem schnellen Tempo unserer Gesellschaft nicht mehr mit.« Damit meinte sie wohl nicht nur die Digitalisierung oder etwa die Schulleitung. Sie äußerte nämlich auch Dank, obwohl es für ihren Jahrgang so einige Einschränkungen in diesen pandemiebedingt schwierigen Zeiten gegeben hatte. »Wir hatten dafür aber etwas viel Wertvolleres, nämlich Lehrer und eine Schulleitung, die sich respektvoll um uns gekümmert haben.« So habe Schaba es in ihrer Schullaufbahn vorher noch nie erlebt, dass »Anregungen und Hinweise von Schülern gehört wurden.« Dieses Verhalten habe das Selbstbewusstsein aller Abgänger gesteigert. Während der Pandemie »waren wir kritisch und solidarisch und haben die Pandemie mitgetragen.« Während dieser Krise habe die »Generation Z gelernt, Verantwortung zu übernehmen«, betonte Schaba mit Stolz auf die Abgänger der Lio.

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