Zentrum zertifiziert

Gemeinsam gegen Lungenkrebs

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Im soeben zertifizierten Lungenkrebszentrum Mittelhessen haben Experten aus Kliniken in Gießen, Bad Nauheim und Waldhof Elgershausen den bösartigen Tumoren den Kampf angesagt.

Die Lunge hat keine Schmerzfasern, deshalb spürt man den Tumor nicht. Die meisten Patienten gehen erst zum Arzt, wenn die Krankheit weit fortgeschritten ist. Eine Operation verspricht die besten Heilungschancen, doch oft kommt sie wegen der Größe des Tumors oder dessen Lage nicht in Frage. Bis vor kurzem war eine Chemotherapie das einzige Erfolg versprechende Mittel der Wahl, doch diese zerstört im ohnehin geschwächten Körper auch viele gesunde Zellen. Der Kampf gegen den Krebs war oftmals ausweglos. Das könnte in Zukunft anders werden: Kaum ein medizinisches Fachgebiet entwickelt sich so dynamisch wie die Onkologie, und insbesondere in der Behandlung des Lungenkrebses gibt es neue, individualisierte Therapiekonzepte.

Wöchentliche Tumorkonferenz

Die neuen Verfahren werden ergänzt durch die sogenannte Immuntherapie, bei der die Wächterfunktion des Immunsystems wieder aktiviert wird. "Da der Lungentumor eine besonders komplexe Krebsart ist, können diese Erfolge nicht von einzelnen Wissenschaftlern geleistet werden. Sie sind vielmehr das Ergebnis einer Teamleistung in internationalen Netzwerken", sagt Prof. Friedrich Grimminger, der Leiter des soeben zertifizierten Lungenkrebszentrums.

Doch nicht nur international kooperieren die Experten, sondern auch vor Ort. Das Zentrum ist ein Zusammenschluss der drei großen regionalen Lungenkliniken Kerckhoff Klinik Bad Nauheim, Pneumologische Klinik Waldhof Elgershausen und das Universitätsklinikum Gießen. Es ist deutschlandweit das einzige Zentrum mit drei Standorten. Hauptbestandteil der Zusammenarbeit im Lungenkrebszentrum ist die interdisziplinäre Tumorkonferenz.

Bei diesem wöchentlichen, videounterstützten Termin werden die Entscheidungen für die Behandlung der Patienten gemeinsam mit den Pneumologen, Thoraxchirurgen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Radiologen, Nuklearmedizinern und Anästhesisten festgelegt. Allen Patienten stehen die gleichen modernen, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichteten Methoden zur Verfügung. Dies bezieht sich auf Verfahren in der Diagnosestellung, aber auch auf die Therapie.

Zentren Modelle der Zukunft

Die Zeiten, in denen kleine Krankenhäusern in allen Fachbereichen unterwegs waren, gehören zunehmend der Vergangenheit an. Zentrumsbildung wird nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen angestrebt, sondern auch, weil nur so Innovationen möglich sind, erläutert Grimminger. "Mit Alleingängen lässt sich kein Durchbruch erzielen".

Im Lungenkrebszentrum arbeiten alle an einem Ziel: Sie wollen für den jeweiligen Patienten einen individuellen und bestmöglichen Behandlungssplan aufstellen.

Lungenkrebszentrum

Sprechstunde an drei Standorten

Das Lungenkrebszentrum Mittelhessen ist Teil des größten Zentrums zur Behandlung und Erforschung von Lungenkrankheiten in Europa. Die räumliche Nähe zu den Forschungsseinrichtungen, dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und dem Excellenzcluster Cardio-Pulomonales System (ECCPS) ist für die Kliniker von immenser Bedeutung. An allen drei Standorten (Gießen, Bad Nauhiem, Greifenstein) gibt es Sprechstunden für Patienten.

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