Die Verfassungsschatzis wollen bei ihrem "Grandiosen Gang durchs Grundgesetz" den Drei Schwätzern einen Besuch abstatten. Schließlich geht es auch um Redefreiheit. FOTO: SCHEPP
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Die Verfassungsschatzis wollen bei ihrem "Grandiosen Gang durchs Grundgesetz" den Drei Schwätzern einen Besuch abstatten. Schließlich geht es auch um Redefreiheit. FOTO: SCHEPP

Ein Tag für gelebte Demokratie

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Gießen(gl). Am Freitag, dem 4. September, veranstaltet das Kulturamt erstmals den "Einmischtag". Inspiriert vom alle zwei Jahre verliehenen Wilhelm Liebknecht Preis, der wissenschaftliche Arbeiten zum Zustand des demokratischen Gemeinwesens prämiert, will der "Einmischtag" Menschen davon begeistern, sich in die Demokratie einzubringen. Dafür verwandelt sich der Platz vor dem Rathaus von 16 Uhr an zu einem Marktplatz mit 20 Ständen und Diskussionsrunden, digitalen Modellspielen und einer Demokratierevue. Dort startet auch der "Grandiose Gang durch die Verfassung", eine partizipativen Performance des Berliner Kollektivs "Verfassungsschatzis", der an passenden Punkten in der Stadt, etwa den Drei Schwätzern, mit Redebeiträgen und künstlerischen Interventionen diverse Grundrechte thematisiert.

Das komplette Programm stellten nun Kulturamtsleiter Dr. Stephan Neubacher und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz der Presse vor. Sie taten dies so zeitig, damit noch ausreichend Zeit für Akteure bleibt, sich für eine Teilnahme an einem der Marktstände zu bewerben (bis 15. Mai, per E-Mail an kulturamt@giessen.de).

"Wir wollen diesen Tag der Demokratie widmen und zeigen, dass Demokratie von den Menschen lebt, die mitmachen", erläutert die Oberbürgermeisterin die Absicht. Man wolle die Möglichkeit zum Austausch geben und mit diesem Tag "Lust darauf machen, sich in demokratische Vorgänge einzumischen", ergänzt der Kulturamtsleiter. Mit dem Einmischtag sollen die Gießener ermutigt werden, sich an unterschiedlichen Stellen in Entscheidungsfindungsprozesse einzubringen und so Teil einer lebendigen Demokratie zu werden.

Unter dem Stichwort Beratung haben zivilgesellschaftliche Akteure an Marktständen Gelegenheit, sich als Ansprechpartner zu präsentieren. Vertreter des "Ministeriums für Wertschätzung und Wahrnehmung" werden als Lotsen durch das Angebot führen und dazu ermutigen, nicht nur über Missstände zu meckern, sondern etwas dagegen zu tun. An einer Station werden Tablets bereit liegen, auf denen man in einem digitalen Videospiel eine "Einmischkaskade" zu einem noch ungenannten kommunalpolitischen Thema durchspielen kann - frei nach dem Motto "Was passiert, wenn ich mich so oder anders entscheide?". Schüler sind aufgefordert, bei einem taktischen Diskussionsspiel einen Bürgerentscheid durchzuspielen.

Fishbowl-Diskussion

In einem offenen Bereich, direkt neben der Demokratie-Bar, bietet das Forum Platz für Diskussionen. In einer Fishbowl-Diskussion, bei der das Publikum mitdiskutiert, geht es um das generelle Thema "Aushalten", denn in einer Demokratie muss man es auch manchmal aushalten, dass eigene Wünsche nicht realisiert werden. In kurzen Interviews mit Gästen erzählen die auch von ihren "Sternstunden der Demokratie", eben jenen Momenten, in den sie beschlossen haben, sich einzumischen.

Den Abschluss des Tages bildet eine Demokratierevue. "Sie wird die Vielfalt des Tages bündeln", verrät Neubacher, und zwar ergänzt mit dem speziellen Vortragsformat Pecha Kucha, in dem Beiträge auf maximal sechs Minuten und 40 Sekunden, limitiert sind: mit 20 Bildern/Folien, die jeweils nur 20 Sekunden lang gezeigt werden. Ergänzt wird der Tag noch durch Musik und Poetry-Slam-Beiträge.

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