Gekürzt und aufgepeppt

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Endlich wieder ein Weihnachtsspiel mögen Fans des historischen Theaterspiels geseufzt haben. Bei der Aufführung am Montag war die Pankratiuskapelle gut gefüllt mit etwa 130 Besuchern. Nachdem in den letzten drei Jahren das Reformationsjubiläum die Auswahl der historischen Stücke bestimmt hatte, kam nun wieder die traditionsreiche frohe Botschaft an das Christentum zur Aufführung.

Endlich wieder ein Weihnachtsspiel mögen Fans des historischen Theaterspiels geseufzt haben. Bei der Aufführung am Montag war die Pankratiuskapelle gut gefüllt mit etwa 130 Besuchern. Nachdem in den letzten drei Jahren das Reformationsjubiläum die Auswahl der historischen Stücke bestimmt hatte, kam nun wieder die traditionsreiche frohe Botschaft an das Christentum zur Aufführung.

Germanistikprofessorin Cora Dietl gab vorab wieder eine kleine Einführung über die Besonderheiten dieses Stücks. Das St. Galler Weihnachtsspiel wird in das 13. Jahrhundert datiert und das ist für ein deutschsprachiges Bühnenstück sehr früh. Das Ganze ist in aktuelles Deutsch übertragen, mit einigen wenigen historisierenden Einschüben, es ist gekürzt, aber auch aufgepeppt worden. Und zwei der Propheten-Weissagungen, nämlich die Osterbotschaft, wurde an das Ende gestellt. Das schmale Programmheft hilft bei Verständnishürden.

Die sieben Akteure hatten reichlich zu tun, spielten doch alle mehrere Rollen. Da die Szenen knackig-kurz waren, war schnelles Umziehen und das Überbrücken von kleinen Pausen angesagt. Dies tat vor allem Christoph Körber, der liturgische Gesänge von der Orgelempore herab erklingen ließ. Lieder, die er selbst zusammengesucht hatte, denn die verbliebene Textvorlage gibt solche Anweisungen nicht mehr her. Oder die verbliebenen Darsteller führten stumme Zwiegespräche über Nichtigkeiten, besonders gut eingespielt waren Jonas Osterhuis als König Herodes und Melissa Heerz als dessen Berater.

Die zu Rate gezogenen Weisen sitzen im Publikum, für das Vortragen einzelner Sätze waren Kommilitonen und Gäste instruiert worden. Eine weitere Zutat, die das Ganze sehr lebendig machte, war das verstärkte Nutzen des Kirchenraums. Im Original wurde das Stück vermutlich auf zwei benachbarten Bühnen gespielt, hatte Dietl erklärt. Vor allem für Filis Yücel als Darstellerin diverser Boten bedeutete das Laufpensum.

Die Rollen konnten teils typgerecht besetzt werden, etwa Osterhuis als König mit echtem Bart und langem Haar oder Lydia Hebold als blonde Maria. Melissa Heerz dürfte als Joseph in dieser Version der Geschichte Zweifel an der Jungfräulichkeit Marias ausdrücken. Auch zur Flucht aus Bethlehem, um dem angeordneten Kindermord zu entgehen, müssen beide eher getrieben werden. Dietl und Corinna Storbeck spielen in allen Genres: Prophet, König und Hirte. Aylin Tongün hält am Ende als Mutter Rahel eine anklagende Rede. Und Maskottchen "Ratte" bekam eine Ehrenrolle, es war diesmal das Kuscheltier des affektierten König Herodes.

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