Gastronomie

Wie geht es weiter mit der Bierbörse in Gießen?

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Obwohl schon Ende 2016 das Aus drohte, ist der Zapfhahn in der Bierbörse noch nicht versiegt. Warum das so ist? Ein Besuch bei Wirtin Zdenka Cramer bringt Klarheit.

Es ist Dienstagmorgen, kurz nach 9 Uhr. Nicht unbedingt die typische Zeit für einen Kneipenbesuch. Trotzdem ist die Tür der Bierbörse bereits geöffnet. An der Theke sitzt ein Mann und rührt gedankenverloren in seinem Kaffee. Ein anderer Gast versucht am Spielautomaten sein Glück. Wirtin Zdenka Cramer hat die Bierbörse derweil schon wieder verlassen. Nach dem Aufschließen und Putzen ist sie in ihr zweites Lokal weitergezogen, das Quantum. Auch hier macht sie klar Schiff. Und das mit überaus guter Laune. "Wir haben für die Bierbörse eine Vertragverlängerung bekommen", sagt die 59-Jährige strahlend. "Wir bleiben auf jeden Fall bis zum 31. Dezember 2018 geöffnet."

Eine Entwicklung, die so nicht zu erwarten war. Bereits im Januar 2016 titelte die Gießener Allgemeine: "Aus der Bierbörse wird ein Bistro." Damals hieß es, die Eigentümerin strebe eine andere Art Gastronomie an. "Unser Ziel ist es, eine ordentliche Gaststätte daraus zu machen", sagte Dietmar Lang seinerzeit, Inhaber der von der Eigentümerin beauftragten Immobilienfirma. Pläne für einen Abriss und einen anschließenden vierstöckigen Neubau hatte es in der Vergangenheit auch schon gegeben, aus wirtschaftlichen Gründen wurden sie jedoch verworfen. Die damals geplante Neuausrichtung sollte aber eine umfangreiche Kernsanierung des in den 50er Jahren errichteten Flachbaus enthalten. Von einer Investitionssumme in Höhe von mindestens 400 000 Euro war die Rede.

Was aus diesen Plänen geworden ist, bleibt unklar. Fakt ist: Der Immobilienservice Lang betreut das Objekt nicht mehr. Seit Anfang dieses Jahres ist stattdessen die Hausverwaltung Menges für das Gebäude am Lindenplatz verantwortlich. Geschäftsführer Michael Menges betont gegenüber dieser Zeitung, dass er von einer geplanten Neuausrichtung nichts wisse. "Wir sind lediglich Mietobjektverwalter. Mir ist nicht bekannt, dass da etwas im Busch ist."

In der Bierbörse wurde schon seit jeher viel spekuliert: Über Politik, Fußball, Gott und die Welt. Und zuletzt auch immer öfter über die eigene Zukunft. Auch Wirtin Cramer weiß nicht, wie es nach 2018 weitergeht. Eine Sanierung hält sie aber unabhängig von der künftigen Nutzung für notwendig. Mit Unterstützung der Licher Brauerei Ihring-Melchior, die Hauptpächter der Bierbörse ist, habe sie zwar schon die Toiletten auf Vordermann gebracht, also die Wände gestrichen und die Türen lackiert, dauerhaft müsste hier aber viel mehr geschehen. Dass sie die Bierbörse unbedingt weiterführen will, hat keine finanzielle Gründe, betont Cramer. "Heute kann man mit einer Kneipe kein großes Geld mehr verdienen. Als Wirtin musst du mit Herzblut bei der Sache sein."

Von den Plänen eines Bistros oder gar gehobener Gastronomie hält Cramer nichts. "Das passt hier einfach nicht her. Die Bierbörse war schon immer eine klassische Bierkneipe. Hier sitzen alle zusammen: Menschen, die viel haben und Menschen, die nichts haben." Hinzu kämen noch die Marktbesucher, die hier mittwochs und samstags frühstückten, und natürlich nachts die Studenten. "Meine Studies", wie es Cramer liebevoll sagt. Sie selbst steht übrigens schon seit 40 Jahren hinter dem Tresen. Mit 18 Jahren hat sie angefangen. Damals, Ende der 70er, als sie frisch aus Slowenien nach Gießen gekommen war. Sie würde auch in Zukunft gerne weiter die Bierbörse betreiben. Ende 2018 wird Cramer übrigens 60 Jahre alt. Vielleicht gibt es ja einen doppelten Grund zum Feiern.

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