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Tour der Hoffnung

Geheimer Corona-Prolog bringt fast eine halbe Million Euro

  • Burkhard Möller
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Die Tour der Hoffnung war eine der ersten Veranstaltungen, die im März wegen Corona abgesagt wurde. Hinter den Kulissen haben die Spendensammler diskret an einem "kleinen Prolog" gebastelt, der am Samstag durchs Gießener Land rollte

Skeptische Blicke richten sich in den Himmel gen Westen, über die Handys kommt die Nachricht, dass Dutenhofen nach einem Wolkenbruch unter Wasser steht. Als das kleine Fahrerfeld gegen 10.30 Uhr in Heuchelheim auf den Hof des Rinn-Forums rollt, fallen erste Regentropfen vom Himmel. Auch wettertechnisch ist der "kleine Prolog" der Tour der Hoffnung zumindest in den ersten Stunden eine Gratwanderung.

Lange hatten die Tour-Macher um Organisationschef Gerhard Becker, die Sportlichen Leiter Mathias Rinn und Karsten Koch sowie Schirmherrin Petra Behle überlegt, was nach der coronabedingten Absage von der Tour der Hoffnung 2020 noch zu retten ist. Heraus kam am Samstag eine diskret geplante Spendenrunde über 45 Kilometer mit nur einem Dutzend Fahrer/innen, und Spendenempfängen ohne Publikum. "Wir wollten ein Zeichen setzen: Wir sind noch da", sagt Mathias Rinn am Morgen vor dem Start bei den Stadtwerken, wo Orgachef Becker die Erwartungen dämpft: "Wir dürfen keine Wunder erwarten." Mit einer Viertelmillion Euro wäre er zufrieden.

Am Ende eines dann doch wieder langen Tages zieht der kleine Tour-Tross am Abend in der Marktschänke in Heuchelheim eine erstaunliche Bilanz, über die sich auch in diesem Jahr einige Elternvereine und Kinderkrebskliniken freuen dürfen. Etwa 450 000 Euro kommen bei den neun Spendenstopps und dem Abschlussabend zusammen. "Mit Corona sind die anderen Krankheiten ja nicht weggefallen", sagt Behle zur Entscheidung, doch einen "Mini-Prolog" durchzuführen. Für Familien sei das Leben mit einer Krebserkrankung bei einem Kind ungleich belastender als die Folgen einer Corona-Infektion.

Angesteuert von der überschaubaren Truppe, die von drei Polizeimotorrädern und Polizeipräsident Bernd Paul persönlich begleitet wird, werden einige langjährige Unterstützer der TdH. In Trikottaschen stecken Mundschutzmasken im Tour-Design sowie Desinfektionsmittel.

Den Anfang macht das Unternehmen Rinn Beton in Heuchelheim, wo Chef Christian Rinn 6000 Euro übergibt. Die eine Hälfte hatten die rund 60 Mitarbeiter gesammelt, die andere kommt von der Geschäftsleitung. "Uns geht es sehr gut", sagt Rinn. Bekanntlich gut durch die Krise gekommen ist auch der Fahrradhandel, dessen Gießener Flaggschiff Delta Bike die TdH seit vielen Jahren unterstützt. Chef Thomas Langer und Sohn Jan zücken beim Stopp in Launsbach einen Scheck über 10 000 Euro. "Ich finde das richtig toll, dass ihr heute fahrt", lobt Langer. Sogar 20 000 Euro übergeben hier Dr. Norbert Reiss, Christoph Burbach und Silke Klotz für Zahnärzte helfen e.V.. "Riesige Freude" kommt auch bei Jens Weimer auf, dass er die Tour trotz Corona auf dem Hof seiner Firma in Ruttershausen empfangen kann. Er gibt der Tour 4000 Euro mit auf die Weiterfahrt, die in Lollar im Milano traditionell einen süßen Stopp einlegt.

Bei schwülwarmen Temperaturen biegt das grüne Dutzend gegen Mittag aufs Gelände von Papier-Klein im Europaviertel ein. Inhaber Gerhard Klein spendet 3000 Euro und ein Mittagessen für das Team der TdH, Christiane Roth von Roth Energie und ihr Marketingleiter Kim Backhaus steuern 10 000 Euro bei. Ein paar hundert Meter weiter stadteinwärts gibt es bei Café und Kuchen weitere 5000 Euro, die Martin Künkel und Ulrike Dietermann für die Bäckerei Künkel überreichen. Mit Sommerlad (4000 Euro) und der Axa-Versicherung (3000 Euro) werden anschließend noch zwei weitere langjährige Unterstützer-Unternehmen angesteuert, ehe es zurück in die Lahnstraße geht, wo SWG-Vorstand Matthias Funk und Mitradler Thomas Wagner 3000 Euro beim Start übergeben hatten.

Fünfstellig geht es dann am Abend in der Marktschänke weiter. Zwischen 10 000 und 65000 Euro bewegen sich die Summen auf den Schecks. Aus Schlitz bringt Dieter Hämmelmann fast 30 000 Euro mit, Tour-Sprecher Jürgen Grünwald aus Bad Neuenahr 30 000 Euro von der Vor Tour der Hoffnung, das aktiviTeam aus Frankfurt lässt fast 28 000 Euro in Gießen. Bei bislang 8000 Euro steht das Ergebnis aus dem Social Ride, zu dem die Tour im Netz aufgerufen hatte. Jeder der 30 000 gefahrenen Kilometer bringt Geld für die gute Sache. Bericht folgt

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