Im Mini-Gebirge des botanischen Gartens wächst Edelweiß. FOTO: CHH
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Im Mini-Gebirge des botanischen Gartens wächst Edelweiß. FOTO: CHH

Gefahr durch Hitze und Helden

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Gießen(chh). Mut und Tapferkeit. Darauf stehen die Frauen. Denken zumindest manche Männer. Um ihre Furchtlosigkeit unter Beweis zu stellen und so die Angebetete für sich zu gewinnen, kletterten tollkühne Kerle früher auf die höchsten Berge und pflückten das dort in unzugänglichem Terrain wachsende Edelweiß. Wesentlich einfacher zu erreichen sind die Pflanzen der Gattung Leontopodium in Gießens Botanischem Garten (wenn er coronabedingt nicht gerade geschlossen wäre). Hier wächst Edelweiß auf Hüfthöhe.

25 von 30 Arten in Gießen kultiviert

"Weltweit gibt es rund 30 Arten von Edelweiß. In Gießen kultivieren wir etwa 25. Damit haben wir die weltweit größte Sammlung an Herkünften", betont Volker Wissemann, der wissenschaftliche Leiter der Einrichtung. Der Großteil der Pflanzen wachse jedoch in einem abgesperrten Bereich. Damit sie von liebestollen Kavalieren nicht gepflückt werden können. Das ist übrigens nicht nur im botanischen Garten verboten, sondern auch in der freien Natur. Die Pflanzen sind streng geschützt. Lediglich für die Forschung können Samen legal gewonnen werden.

"Unsere Pflanzen stammen allesamt aus der Wildnis. Das Saatgut wurde entweder bei Expeditionen gesammelt oder über Samentausch bezogen", betont Wissemann. Baumarktware sucht man im botanischen Garten also vergeblich.

Von den rund 30 Edelweiß-Arten ist die Großzahl im Himalaya zu Hause, erklärt Wissemann. "Es gibt nur zwei Arten, die den Weg aus Asien geschafft haben. Das sind die Vertreter aus den Alpen."

Die Pflanzen wachsen im Botanischen Garten aber nicht nur, um den Augen der Besucher zu schmeicheln. Ihre Aufzucht hat auch eine wissenschaftliche Komponente. "Die Gattung enthält eine ganze Reihe Wirkstoffe, die zum Beispiel für die Herstellung schleimlösender Präparate benötigt wird", sagt Wissemann. Pharmazeuten seien daher sehr an der Gießener Sammlung interessiert und würden untersuchen, ob bestimmte Inhaltsstoffe aus anderen Arten verträglicher seien als zum Beispiel jene aus den Alpen-Vertretern. An der JLU beschäftige sich zudem eine Promotion mit der Chromosomen- evolution und der Verbreitung von Edelweiß.

Die Sammlung in Gießen ist also aus vielerlei Gründen bedeutsam. Und die Bedeutung könnte wachsen. In den Alpen ist Edelweiß extrem gefährdet. Durch die Erderwärmung verschwindet der Lebensraum, der Art droht das Aus. Das zeigt: Hohe Temperaturen sind für Edelweiß deutlich gefährlicher als heißblütige Kletterer.

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