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Gefängnisstrafen für Schläger

Gießen (sha). Ein Polizist hatte schon an eine Anzeige wegen versuchten Totschlags gedacht. Der Strafrichter hatte "solche Sachen noch nicht gesehen", die Staatsanwältin sprach von "hemmungsloser Gewalt".

Das, was die äußere Überwachungskamera einer Gießener Diskothek am frühen Morgen des 25. Mai vergangenen Jahres aufgezeichnet hatte, wurde am Mittwoch zwar "nur" als gefährliche Körperverletzung vor einem Schöffengericht des Gießener Amtsgerichts verhandelt. Der Urteilsspruch zog dennoch eine klare Linie: Gefängnisstrafen für die beiden im Lahn-Dill-Kreis lebenden Angeklagten. Ein Jahr und zehn Monate muss der Haupttäter, zwei Jahre der bereits vorbestrafte Mittäter hinter Gitter.

Die Männer, beide 21 Jahre alt, hatten einen Grünberger so massiv geschlagen und getreten, dass dieser mehrere Knochenbrüche sowie eine schwere Gehirnerschütterung davontrug. Der 28-Jährige berichtete, dass er nach dem Vorfall zwei Wochen im Krankenhaus verbracht hatte. Sichtlich schwer fiel es dem Mann, das Geschehene zu beschreiben. Die vergangenen acht Monate seien eine "schlimme Zeit" gewesen, und er habe versucht, "alles zu vergessen".

Dennoch dauern die Folgen für ihn bis jetzt an: Er habe sich "eigentlich selbstständig machen wollen, aber das wird nichts". Der Grund: Die vielen, teils starken Medikamente, die er nehmen musste, haben nach Aussage des Grünbergers seine Leber geschädigt. Auch Schwindelgefühle beklagte der 28-Jährige.

"Mir wurde schwarz vor Augen"

Der Attacke vorausgegangen waren nach Darstellung des Mannes Beleidigungen eines Täters gegenüber einer Freundin des Grünbergers. Er habe schlichten wollen, "nur reden", wie auch andere Zeugen sagten. Der Haupttäter habe ihn jedoch erst ein Stück weggedrängt, dann habe er "einen Schlag gespürt und mir wurde schwarz vor Augen".

Angesichts der Videoaufzeichnung hatten beide Täter – teils über Erklärungen der Verteidigung – den Vorfall eingeräumt, sich "entsetzt" ob des Gewaltausbruchs gezeigt und ihr Bedauern ausgedrückt. Dennoch wurde seitens der Verteidigung betont, dass die gegenseitigen Beleidigungen zuerst von der Gruppe um das spätere Opfer ausgegangen seien. Für das Urteil spielte dies keine Rolle: "Bei den wechselseitigen Provokationen sind Dinge gesagt worden, die nicht besonders schön sind", betonte Vorsitzender Richter Dr.

Johannes Dittrich. Allerdings stünden die Folgen – die schweren Verletzungen des Opfers – dazu "unter keinen Umständen im Verhältnis". Im Gegenteil: Hätten letztlich nicht andere Zeugen eingegriffen, "wäre das schlimm ausgegangen, und sie hätten vor dem Schwurgericht gesessen", sagte der Richter an die Adresse der Täter.

Spielraum für eine Strafaussetzung zur Bewährung sah Dittrich nicht. Der Haupttäter habe auf dem Oberkörper des am Boden liegenden Opfers gesessen und mit der Faust auf dessen Gesicht eingeschlagen, "dass die Fetzen fliegen". Dass dieser "zum ersten Mal" in so eine Situation geraten sein will, nahm der Richter ihm nicht ab. Es sei bloß ein "glücklicher Zufall", dass der Mann bisher straffrei geblieben sei. Der Mittäter ist bereits vorbestraft. Er hatte später noch mit einem Teleskopschlagstock nach dem Grünberger geschlagen und diesen getreten. Das Video zeige, wie dieser Täter bewusst freie Stellen am Körper des Opfers "abgepasst" habe, um nicht den anderen Angeklagten zu treffen, unterstrich Dittrich.

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