Wort zum Sonntag

Gedenke an deine Barmherzigkeit

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Morgen wird in evangelischen Gottesdiensten der verfolgten Christen weltweit gedacht. Als Europäer fällt es manchmal schwer zu glauben, dass Christen in manchen Ländern wie Iran oder Pakistan wegen ihres Glaubens angefeindet, inhaftiert oder sogar getötet werden. Abgelehnt und verfolgt werden aber auch Anhänger anderer Religionen in vielen Ländern der Erde, etwa die muslimischen Rohingya in Birma. Vielerorts lässt die Umsetzung des von den Vereinten Nationen verbürgten Anspruchs auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu wünschen übrig.

Daran zu erinnern finde ich am morgigen Sonntag wichtig. Er trägt den kirchlichen Namen Reminiscere. Es ist der zweite Sonntag der Passions- oder Fastenzeit. Reminiscere ist lateinisch und heißt auf Deutsch: Gedenke. Dieser Name kommt aus dem Psalm 25. Da heißt es in den Versen 5 und 6: "Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, Herr, um deine Güte willen!" Zweimal begegnet der Begriff Barmherzigkeit in diesen Versen. Jeder Mensch lebt von der Barmherzigkeit Gottes und der Barmherzigkeit anderer Menschen.

Kein Mensch macht immer alles richtig im Leben. Für manche Fehler, die wir machen, müssen wir die Konsequenzen tragen. Diese Einsicht bekomme ich immer wieder mal in meinen Gesprächen mit Gefangenen zu hören. Und trotzdem sind wir auf Barmherzigkeit angewiesen. Sie zu empfangen und zu geben. Barmherzigkeit ist in allen Religionen zu finden. Ohne sie wäre das Leben kalt und herzlos.

Pfarrer Johannes Blum-Seebach

ev. Gefängnisseelsorge Gießen

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