Zum Geburtstag vor Gericht

Gießen(ta). Ausgerechnet am Tag seines 30. Geburtstags wurde ein Reiskirchener gestern morgen aus der Untersuchungshaft in der benachbarten Justizvollzugsanstalt in einen Sitzungssaal des Landgerichts vorgeführt. Ihm wird sexueller Missbrauch von Minderjährigen in vier Fällen angelastet.

Laut Anklage hatte der Angeklagte nach dem Verlust seiner Wohnung ab November 2019 bei einer Bekannten in Gießen gewohnt. Am frühen Morgen des 18. Januar 2020 hatte er deren elfjährigem Bruder, der auf einer Matratze neben ihm lag, die Hose heruntergezogen und sich dann an ihm vergangen. Diese Tat zeichnete er über eine Minute lang mit seinem Smartphone auf.

Im Zuge der weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Mann zuvor dreimal in Reiskirchen einen Cousin sexuell missbraucht hatte. Das erste Mal im September 2016, als das Opfer gerade neun Jahre alt war. Damals blieb es bei einem koitusähnlichen Verhalten.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Als der Junge 13 Jahre alt war, vollendete der Angeklagte in zwei weiteten Fällen mehrfach den Geschlechtsakt. Dies geschah jeweils auf dem Dachboden der Wohnung der Schwester des Opfers. Nach der Verlesung dieser Anklage durch Staatsanwältin Daniela Zahrt wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Für die später angesetzte Vernehmung der beiden minderjährigen Belastungszeugen war dies zu ihrem Schutz wie üblich zu erwarten gewesen.

Doch auch bereits vor den Einlassungen des Angeklagten zu seiner Person und zu den ihm vorgeworfenen Taten mussten die überraschten Presevertreter den Saal verlassen. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Andras Wellenkötter folgte dem Antrag der Verteidigung, die dies mit der vorgesehenen Darlegung von sexuellen Vorlieben ihres Mandanten und dessen Schilderung der Tatumstände begründet hatte. "An einer öffentlichen Erörterung dieser Einlassung besteht kein überwiegendes Interesse" , lautet der Gerichtsbeschluss.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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