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Schneller und besser gegen Versorgungsprobleme gefeit ist jetzt die Erdgastankstelle auf dem Stadtwerke-Gelände. Stadträtin Weigel-Greilich probiert die neue Zapfsäule sachkundig aus. Im Hintergrund die SWG-Vertreter (v. l.) Schmidt, Funk und Carl. FOTO: SCHEPP

Neue Tankstelle

Gas geben für saubere Luft in Gießen

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Alle reden von Elektromobilität. Die Stadtbusse in Gießen fahren mit Erdgas als praxistaugliche Alternative. Deshalb haben die Stadtwerke ihre Gastankstelle erweitert - auch für Privatleute.

Manche Städte stellen werbewirksam "zwei Erdgasbusse ins Schaufenster", während der Großteil ihrer Fahrzeuge weiterhin Diesel-Abgase ausstößt. Gießen gehe den zur Zeit sinnvolleren Weg mit der kompletten Umstellung auf Erdgasantrieb - das ist die Überzeugung der Experten bei den Stadtwerken. Es sei ein Ergebnis dieser Strategie, dass die Luft in der Innenstadt nachweislich sauberer geworden ist, sagte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) bei der Einweihung der erweiterten Erdgastankstelle auf dem SWG-Gelände.

2006 wurde die Tankstelle an der Lahnstraße gebaut. Sie steht jedermann offen. Daneben gibt es laut dem Technischen SWG-Vorstand Matthias Funk im Stadtgebiet nur noch eine Station in der Marburger Straße, die vornehmlich für Personenwagen geeignet ist. Nun steht eine zweite "Verdichtereinheit" zur Verfügung, die das Bio-Methan in die Speicherflaschen presst.

Erreicht wird mit der Verdopplung der Kapazitäten zweierlei, erläutert Funk. Der Tankvorgang dauert nur noch sechs statt bis zu zehn Minuten - das summiert sich beim allabendlichen Auffüllen der 54 Busse. 160 Kilogramm Gas passt in den Tank, das reicht je nach Streckenprofil und Auslastung für 350 bis 380 Kilometer. Noch wichtiger sei die Versorgungssicherheit. Mit nun zwei voneinander unabhängigen Systemen verschiedener Hersteller könne der Betrieb auch bei Problemen aufrechterhalten werden, betont Mathias Carl, Geschäftsführer der Nahverkehrstochter Mit.Bus.

Schon vor 15 Jahren habe man anlässlich des Luftreinhalteplans über Elektrobusse diskutiert, weiß Weigel-Greilich. Die Entscheidung für Erdgas habe sich indes als "genau richtig" erwiesen. Die Stadt müsse neben Ökologie auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen und einen zuverlässigen Transport der jährlich 12 Millionen Fahrgäste gewährleisten. Bis heute fehle es Elektrobussen an der notwendigen Reichweite. Sie betrage rund 180 Kilometer, aber nicht bei extremer Hitze oder Kälte, ergänzen die SWG-Fachleute. Hinzu kämen in den nächsten Jahren Lieferengpässe, weil etliche größere Städte mit massiveren Umweltproblemen Fahrzeuge bestellen.

Die Stadtwerke beobachteten die Entwicklung "aktiv", so Funk. Es sei noch unklar, welche Technologie sich auf dem Nutzfahrzeug-Markt durchsetzen wird.

Auch Privatleute dürfen hier tanken

Seit einem Jahr ist die gesamte Stadtbusflotte mit ihren 54 Fahrzeugen auf Erdgas umgestellt. Damit sei Gießen neben Augsburg und Oldenburg bundesweit Vorreiter, so der Kaufmännische Vorstand Jens Schmidt. Verglichen mit Dieselfahrzeugen werde im Jahr rund 55 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Damit sei der städtische Nahverkehr "praktisch CO2-neutral". Auch rund 50 SWG-Autos fahren mit Erdgas, fünf mit Elektromotor.

Die Erweiterung der Tankanlage hat die Stadtwerke 900 000 Euro gekostet und - einschließlich Testphase - ein Dreivierteljahr gedauert. Weigel-Greilich bediente die Zapfpistole bei der Eröffnung vor den Kameras routiniert: Sie nutzt die Anlage regelmäßig mit ihrem Privatfahrzeug.

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