Gastronomie gegen rechts

Gießen (mac). Sie wollen ein Zeichen setzen gegen rechts. Darum haben sich jetzt mehrere Gastronomie-Betriebe aus der Innenstadt zu einer besonderen Aktion zusammengeschlossen.
Seit Donnerstag hängen an den Eingangstüren von »Coffee Bay« in der Löwengasse, dem Burgerladen »Gutburgerlich«, dem neuen In-Café »Schwätzer & Söhne« sowie im »Gianoli« in der Plockstraße mehrere Aufkleber mit der Aufschrift »Nazis, AfD und Pegida müssen draußen bleiben!«. »Die Wahlen haben gezeigt, dass es in der Gesellschaft und auch in Gießen einen Trend nach rechts gibt. Wir finden es schade, dass Menschen offensichtlich davon überzeugt sind, dass Parteien wie die AfD oder die NPD die Lösung für mögliche Probleme in Deutschland sind. Diese Entwicklung sehen wir mit Sorge. Mit der Teilnahme an der Aufkleber-Aktion wollen wir zeigen, dass wir damit unzufrieden sind«, sagt Philipp Kübler, einer der Inhaber von »Schwätzer & Söhne«.
Er und seine Geschäftspartner Dominic Büttner und Minas Adis sind einstimmig zu der Überzeugung gekommen, dass sie Teil dieser Aktion sein wollen – auch weil sie sich mit den Mitbewerbern in der Innenstadt solidarisch zeigen wollten. »Wahrscheinlich hat das Ganze nur einen kleinen Effekt, aber wir wollten eben ein Zeichen setzen. Wir sind schon darauf angesprochen worden, unsere Kunden begrüßen es. Es würde mich sehr wundern, wenn die Aktion für uns nach hinten losgehen würde«, sagt Kübler.
Sofort dabei war auch Esther Demand, Inhaberin der Coffee-Bay-Kette. »Für mich ist es undenkbar, Ausländer in unserem Land zu diskriminieren. Ich habe das Glück gehabt, in Asien aufzuwachsen, daher weiß ich, wie man sich als Ausländer fühlt. Deshalb versuche ich, in meinem Umfeld Ausländern zu helfen, sich hier heimisch zu fühlen«, sagt Demand. Falsch sei es allerdings auch, Andersdenkenden mit Hass zu begegnen. »Ich wünsche mir, dass die Leute durch Aufklärung selbst zur Erkenntnis kommen, dass sie zum Beispiel bei der AfD auf dem falschen Weg sind«, betont die Gießenerin. Mehrere ihrer Mitarbeiter hätten sich in der Flüchtlingshilfe engagiert, von daher sei die Teilnahme keine Frage gewesen. »Diese jungen Menschen haben Zeichen gesetzt. Das tun wir auch«, sagt Demand.
Auch Giancarlo Biscardi zeigt im »Gianoli« Flagge. »Mit und bei mir geht es keinen Zentimeter nach rechts«, sagt der Italiener. »Es lässt sich nicht ändern, dass rechtes Gedankengut zu einer Gesellschaft gehört, aber in meinem Lokal will ich das nicht. Ich verzichte lieber auf ein paar Euro als menschenverachtende Leute zu bedienen.«