Gassigänger, Hundeschau und Ehemaligentreff

Die Schau der ehemaligen Tierheim-Hunde war einer der Höhepunkte beim diesjährigen Sommerfest des Tierschutzvereins Gießen. Zahlreiche Besucher konnten bei optimalem Wetter die 56 Katzen, 40 Hunde und 45 Kleintiere wie Ratten oder Kaninchen im Tierheim Gießen kennenlernen.

Gießen (khn). Günther kann nicht viel. Aber was er kann, macht er perfekt. "Gib Händchen", sagt Nathalie Tierce, und der zweijährige Bulldogge-Boxer-Mischling mit dem zerknautschten Gesicht reicht seine Pfote. Das Publikum klatscht laut. Doch Freude kommt bei Günther erst auf, als er das Futter in der Hand seines Frauchens erkennt. "Er wurde vor anderthalb Jahren im Tierheim als Welpe abgegeben", sagt sie. Als sie erfuhr, dass der Hund unter einem Herzfehler leidet, nahm sie ihn bei sich auf. "Ich wollte seine Gesundheitsversorgung sicherstellen", so Tierce. Ihr Hund dankt es ihr bis heute, und zwar mit perfektem Pfötchengeben. Die Schau der ehemaligen Tierheim-Hunde war einer der Höhepunkte beim diesjährigen Sommerfest des Tierschutzvereins Gießen. Zahlreiche Besucher konnten bei optimalem Wetter die 56 Katzen, 40 Hunde und 45 Kleintiere wie Ratten oder Kaninchen im Tierheim Gießen kennenlernen. Weitere Programmpunkte waren unter anderem ein Flohmarkt, eine Tombola und ein Vortrag der Kaninchenhilfe Deutschland zur artgerechten Kaninchenhaltung.

"Wir wollen den Besuchern vor allem Berührungsängste nehmen", sagt Angela Achenbach-Heinzerling, Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins. Viele hätten Angst, leidende Tiere im Heim zu sehen. "Aber hier werden sie gut betreut und versorgt", sagt sie. Als Beispiel nennt Achenbach-Heinzerling die so genannten Gassigänger-Verträge, die am 10. August eingeführt worden sind. Ehrenamtliche Helfer können sich für einen bestimmten Hund entscheiden und mit diesem Gassi gehen. "Ziel ist es, dass der Hund Vertrauen zu einer menschlichen Bezugsperson aufbauen kann", so die Expertin. Früher hingegen hätten Hunde mehrmals am Tag unterschiedliche Ehrenamtliche gehabt, die mit ihnen spazieren gegangen sind. "Das bedeutete großen Stress für die Tiere."

Um Verträge ging es auch beim Grußwort des SPD-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit. Er forderte Rabenau, Lich und Pohlheim auf, den so genannten Fundtiervertrag zwischen dem Tierschutzverein sowie den Städten und Gemeinden im Landkreis zu unterschreiben. Dieser besagt unter anderem, dass ausgesetzte oder weggelaufene Tiere von den Behörden ans Tierheim übergeben werden. Die übrigen Städte und Gemeinden im Landkreis haben nach Auskunft Achenbach-Heinzerlings diesen Vertrag schon unterschrieben.

Die Gießener Tiertrainerin Astrid Paparone zeigte bei einer Hundeschau, wie man einen Hund sinnvoll und artgerecht beschäftigt, beispielsweise durch Apportieren und Riechübungen. Man müsse die Tiere ihrer Veranlagung entsprechen beschäftigen, sagte sie im Gespräch mit der AZ: " Ich liebe auch Leichtathletik und kann nichts mit Turnen anfangen." Ähnlich sei es auch bei Hunden. Zudem hätten viele Menschen Angst davor, Tierheim-Hunde nicht mehr formen zu können. "Das ist vollkommen falsch", so Paparone. Vielmehr müsse man sich die Mühe machen, das Tier richtig kennenzulernen. Dazu gehöre auch, die Körpersprache richtig zu deuten und Vertrauen aufzubauen. "Ein Tierheim-Hund entwickelt sich in den ersten vier bis fünf Wochen", sagt sie. "Vorher muss er sich noch an sein neues Zuhause gewöhnen." Um den Besuchern die Angst vor den Tieren zu nehmen, stellte sie 30 Hunde aus dem Tierheim vor. "Es ist wichtig, die Tiere außerhalb ihres Zwingers kennenzulernen."

Simone Waldschmidt schaute sich zusammen mit Renate Wagner die Hundeschau auf einer Bank an. Die beiden Frauen diskutierten, während Waldschmidts Jack-Russel-Terrier Meilo unter der Bank im Schatten döste. Sie besuchten das Fest, weil sie "ein Herz für Tiere haben und das Tierheim unterstützen wollen." Während Wagner zugibt, ein wenig Angst vor den Hunden aus den Zwingern zu haben, ist Waldschmidt froh, dass sich das Heim der Tiere annimmt. "Hier werden sie versorgt und irgendwann einmal hoffentlich neu vermittelt", sagte sie. "Ich bin mir nicht sicher", hielt Wagner ihr entgegen, "ob diese Tiere jemals wieder Vertrauen zu Menschen fassen können."

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