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Die Tänzer Emma Jane Howley, Jeremy Curnier und Floriado Komino haben sich intensiv mit der jüngsten Ausstellung des Duos Jenny Kropp und Alberta Neumann beschäftigt. FOTO: KLEIN

Garderobenständer und Alufolie

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Die Kooperation zwischen Kunsthalle und der Tanzcompagnie Gießen hat einmal mehr eine beeindruckende Tanz- Performance geliefert. Diesmal wurden ein Garderobenständer, ein Hocker und Alufolie integriert.

Was haben ein Garderobenständer, ein Hocker und Alufolie miteinander zu tun? Sie werden zu Objekten einer Tanzperformance in der Kunsthalle. Es ist die fünfte Intervention dieser Art, die aus einer Kooperation zwischen der Kunsthalle und der Tanzcompagnie Gießen resultiert. Anlass war für Kunsthallenleiterin Dr. Nadija Ismail das zehnjährige Bestehen der Kunsthalle im Rathaus, das 2019 gefeiert wurde. Begrüßt wurden die zahlreichen Gäste am Mittwochabend von der Kunsthallenvolontärin Marta Dannoritzer und Ballettdirektor Tarek Assam.

Die stetig wachsende Gemeinde der Tanz-Performance-Fans ist begeistert, dass diese innovative und anregende Form der künstlerischen Grenzüberschreitung fortgeführt wird. Es Ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die Kunsthalle wird in der Zeit zwischen dem Abbau der alten und dem Aufbau der neuen Ausstellung auf besondere Weise erlebbar. Die Mitglieder der Tanzcompagnie am Stadttheater erhalten die Möglichkeit, sich in eigenen Choreografien zu erproben. Und Tänzer aus der Nähe zu erleben ist für Zusehende anders beeindruckend als in einem durchgestylten Tanzstück auf der fernen Bühne.

Wunderschöne Schattenbilder

Dieses Mal waren die drei Neuen dieser Spielzeit am Start: die Australierin Emma Jane Howley, der Engländer Jeremy Curnier und der Albaner Floriado Komino. Die Künstler haben sich intensiv mit der vorherigen Ausstellung des Duos Jenny Kropp und Alberta Neumann beschäftigt, die unter dem Titel "Fort - Undercover" das Geheimnisvolle und Verstecktsein thematisierten. Ihre Performance nannte das Tanz-Trio "Undercover from" und spielte mit diversen, in der Ausstellung benannten Alltagsgegenständen.

Zu Beginn kämpft Komino mit einem Bindekabel, redet ununterbrochen in seiner Muttersprache. Dass niemand die Worte versteht, macht gar nichts, die Handlungen sind witzig. Und plötzlich ertönt ein glucksendes Lachen in der Zuschauermenge. Der Kapuzenmann entpuppt sich als Jeremy Curnier, der nun am Garderobenständer nicht nur seine Jacke aufhängt.

Nun werden die Zuschauer in die bislang durch Zwischenwände verdeckte Raumhälfte gelockt. Dort sitzt ein von silbriger Folie umwickeltes Wesen auf einem Stuhl. Es knistert gewaltig, das geheimnisvolle Selbstauspacken des Päckchens beginnt. Schließlich werden die beiden Männer aufmerksam und beleuchten das Geschehen mit Handscheinwerfern. Das silbrige Wesen wird zu einer lebendigen Skulptur, die zunächst noch an ihrem Hocker zu kleben scheint. Schöne (Schatten-)Bilder entstehen.

Schließlich tanzen die drei in grotesk bunten Freizeitklamotten zu grooviger Musik, steigern sich in die Dynamik von Street-Dance-Aktionen und bauen sich zu artistischen Figuren in die Höhe. Wagemutig, atemberaubend und faszinierend.

Das Publikum applaudiert lang anhaltend und begeistert. Diese Performances finden im Übrigen nur ein einziges Mal statt, werden natürlich im Video dokumentiert. Das nächste Mal ist Vergleichbares also erst wieder nach Ende der kommenden Ausstellung von Helene Delprat (7. März bis 24. Mai zu erleben.

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