Sandrine Jalquin (l.) und Lina-Marie Katz sind das Künstlerinnenkollektiv "studio sörvis". FOTO: DKL
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Sandrine Jalquin (l.) und Lina-Marie Katz sind das Künstlerinnenkollektiv "studio sörvis". FOTO: DKL

"En Garde" im Kunstkiosk

  • vonDagmar Klein
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Gießen(dkl). Der Neue Kunstverein fördert junge Künstler und Künstlerinnen, schon öfter waren Absolventen von Kunstakademien mit ihren Werken vertreten. Nun ist die neue Reihe "En Garde" ins Leben gerufen, die Absolventen des JLU-Instituts für Kunstpädagogik die Möglichkeit gibt auszustellen. "En Garde!" ist eine Aufforderung zum Einnehmen der Kampfposition beim Fechten, und Wettbewerb ist der hürdenreiche Weg in eine Künstlerlaufbahn allemal.

Zeitung "German Angst" liegt aus

Eine Ausschreibung geht voran, die jungen Künstler müssen sich bewerben und eine Jury des NKV-Vorstands wählt aus. Wie es bei großen Ausstellungen üblich ist. Für diese erste Präsentation im Rahmen der Ausstellungsreihe wurde das Künstlerinnenkollektiv "studio sörvis" ausgewählt. Das sind Sandrine Jalquin (Jahrgang 1987), die ihr Magisterstudium bereits abgeschlossen hat und derzeit eine der Uni-Kunst-Werkstätten in Vertretung betreut, und Lina-Marie Katz (1994), die in der Endphase ihres Lehramtsstudiums ist.

Sie haben sich mit ihren jeweiligen Abschlussarbeiten beworben, obwohl sie schon länger als "studio sörvis" zusammenarbeiten. Sie arbeiten mit vorgefundenen Materialen, die sie auf ungewöhnliche Weise kombinieren. Sie nutzen Verfahren aus dem analogen und digitalen Bereich, wie Siebdrucke und Fotografien, die sie collageartig zusammensetzen. Ihre Motivationen erhalten sie aus dem Alltag, seien es eigene Erfahrungen oder aufgeschnappte Erzählungen. Gesellschaftliche Normen werden hinterfragt, teils ironisch, teils kritisch kommentiert.

Die aktuell gezeigte Auswahl ihrer Werke zeigt wie die Ansätze der beiden Künstlerinnen harmonieren, ästhetisch und inhaltlich. Lina Katz hat ein großes geschmiedetes Fenstergitter an die Wand gebracht und mit Bettzeug ausgefüllt. Die Kissen und Unterbetten sind über ihre Farbtöne zu einem grafischen Muster gestaltet. Je länger man schaut, desto weniger sieht man Alltagsgegenstände, umso mehr tritt die ästhetisch-bildhafte Note in den Vordergrund.

Sandrine Jalquin geht von der persönlichen Erfahrung aus, zeigt eine Projektion mit Badezimmerfotografien und ein kleines Video mit ihr selbst in einem seltsam opulenten Kleid, auf das große Hände gedruckt sind. Darüber ein Erste-Hilfe-Kästchen mit einem Flakon, der geweinte Tränen enthält, wie sie sagt.

Außerdem liegt noch eine Zeitung zum Mitnehmen aus, ein Kunstprodukt mit dem Titel "German Angst", für das Katz die drucktechnische Unterstützung des Verlags dieser Zeitung erhielt. "Das hat mich sehr gefreut, allein hätte ich das nicht finanzieren können." Zu sehen sind auch hier Alltagsmotive von Zäunen, Toren und Verbotsschildern.

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