In ganz Wieseck künftig Tempo 30?

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Gießen-Wieseck (ta). Bei der Ortsbeiratssitzung am Donnerstagabend im Bürgerhaus ging es zwar wieder einmal um den Straßenverkehr mit Kleinigkeiten wie störendes Parken oder unebene Fahrbahnen. Aber nicht nur. Diesmal stand auch eine weitreichende Neuregelung für den Kfz-Verkehr an der Tagesordnung: SPD und CDU forderten den Magistrat mit Unterstützung der BUF auf, in ganz Wieseck eine 30-km/h-Zone einzurichten; außer in der Marburger Straße. FW und FDP votierten dagegen; ihnen geht ein solches generelles Tempolimit zu weit.

Ebenfalls mit 5:3 Stimmen beschlossen wurde das Verlangen, Karl-Benner-Straße und Wingert zu Fahrradstraßen zu machen. Der Nachrang für den Kfz-Verkehr auf dieser Achse soll für Radler mit Ziel Wiesecker Weg/Innenstadt eine sichere Route schaffen.

Innerhalb von reinen Wohnquartieren gibt es in Wieseck längst etliche Tempo-30-Zonen. Von einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung und damit dem Ende des "Flickenteppichs" versprechen sich SPD und CDU nicht nur eine Erhöhung der Verkehrssicherheit, sondern auch die Eindämmung des reinen Durchgangsverkehr durch diesen Stadtteil. Nach dem Willen der Antragsteller soll aber der Busverkehr nicht verlangsamt werden. Da mit dem Limit gleichzeitig die Rechts-vor-Links-Regel gelten würde, schlagen die beiden Fraktionen vor, dass den Stadtbuslinien 5 und 15 ein Vorrang eingeräumt wird in allen Straßen, durch die sie rollen, also vor allem Grabenstraße, Kornblumenstraße, Lichtenauer Weg, Rabenauer Straße und Alten-Busecker Straße. Geschehen solle dies entweder durch Aufpflasterungen an den Einmündungen oder durch eine Ausschilderung als Vorrangstraßen, erläuterten Michael Oswald (CDU), der als stellvertretender Ortsvorsteher die Sitzung leitete, und Klaus Zimmermann (SPD).

Norbert Kress begrüßte den Vorstoß, der auf eine gemeinsame Verkehrsschau des Ortsbeirats vor einigen Wochen zurückgeht. Der Vertreter der Bürgerliste für Umweltschutz und Frieden kritisierte zugleich, SPD und CDU hätten einen gleichlautenden Antrag von ihm vor drei Jahren im Vorfeld der Kommunalwahl abgelehnt, offenkundig aus Sorge vor dem Protest der Einheimischen.

Tempo 30 sei nur überall dort sinnvoll, wo es eng zugeht oder die Verkehrssicherheit dies erfordere, unterstrichen die Abgeordneten der Freien Wähler. Heiner Geißler bezweifelte, dass ein generelles Tempolimit überhaupt zulässig wäre. Als absurd stufte Anette Vogelhöfer unter Hinweis auf die ansässige Geschäftswelt das Ansinnen ein, die Karl-Benner-Straße zur Fahrradstraße zu machen. Wenn dies wirklich geplant würde, werde sie dagegen eine Bürgerinitiative gründen, kündigte die empörte Anwohnerin an.

Zu Protokoll genommen wurde der Rat eines Bürger, statt über Tempo 30 besser über eine Einbahnführung für viele Straßen nachzudenken.

Bei der Anhörung zur Haushaltssatzung erinnerte der Ortsbeirat einmütig an sein Verlangen, entlang der Philosophenstraße zwischen der Wieseck und der Kreuzung Eichgärtenallee einen Fuß-/Radweg anzulegen. Dies habe er bereits vor 15 Jahren erstmals beantragt, schmunzelte Klaus Zimmermann. Gerade angesichts der Ansiedlung des Logistikers Otto im Depot sei eine sichere Radverbindung durch die Wieseckaue wichtig, betonte er.

Zu Beginn der Sitzung war Jörg Schleher als neuer FDP-Vertreter begrüßt worden. Der Unternehmensberater ist der Nachfolger von Wigbert Rudolph, der sein Amt niedergelegt hat.

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