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Hörakustikerin Luisa Marie Triebert (vorne) ist Auszubildende des Monats. Ihr gratulierten (v. l.): Bernhard Mundschenk von der Handwerkskammer Wiesbaden, Ina und Gert Espig, Inhaber von Espig Hörgeräte, sowie ihre Ausbilderin Ricarda Gall.

Ganz nah am Menschen

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Die angehende Hörakustikerin Luisa Marie Triebert aus Gießen ist zur Auszubildenden des Monats gekürt worden. Für diese Auszeichnung genügt nicht allein die gute Fachkompetenz.

Ich wollte mit Menschen arbeiten, aber auch etwas machen, bei dem man sieht, was man gemacht hat«, erklärt Luisa Marie Triebert ihre Motivation, Hörakustikerin zu werden. K urz vor ihrer Gesellenprüfung wurde die Gießenerin nun von der Handwerkskammer Wiesbaden als Auszubildende des Monats Mai ausgezeichnet. Die 23-Jährige arbeitet im dritten Lehrjahr beim Betrieb Hörgeräte Espig in der Lindengasse, der seit 1993 Mitglied der Kammer ist und seitdem auch ausbildet.

Ihre soziale Ader, »ihre sehr gute Empathie unseren Kunden gegenüber«, wie es das Inhaber-Ehepaar Espig im Bewerbungsschreiben an die Kammer formulierte, ist ein ausschlaggebender Grund für die Auszeichnung. Wegen ihres »großartigen Ausbildungsstandes« betreue sie die meisten ihrer Kunden alleine.

In kaum einem anderen Handwerksberuf arbeitet man so nah am Menschen - und mit ihnen. Dass Einfühlungsvermögen hier besonders wichtig ist, betonte auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Bernhard Mundschenk, als er Triebert vergangene Woche die Urkunde überreichte. Hört man schlecht oder hat beispielsweise starke Tinnitus-Probleme, kann das die Kommunikation erschweren und damit auch die Psyche belasten.

Darüber hinaus ist Hörakustik noch ein recht exotischer Handwerksberuf, bei dem der Nachwuchs- und Fachkräftemangel besonders deutlich ist. »Es ist immer noch so, dass die meisten Menschen zufällig oder über einen persönlichen Bezug in diesen Beruf finden«, bestätigt Ina Espig.

So war es auch bei Luisa Marie Triebert, die sich sichtlich über die Ehrung freute: Ricarda Gall, Meisterin und ihre Ausbilderin im Betrieb, hat Triebert regelmäßig in dem Haus getroffen, in dem auch ihre Oma wohnt. So kamen sie ins Gespräch, und Triebert fragte über WhatsApp bei den Espigs an, was denn den Beruf des Hörakustikers ausmache.

Empathisch, engagiert, motiviert

»Da man unseren vielseitigen Beruf nicht in einer kurzen Nachricht erklären kann, haben wir sie einfach zum ›Reinschnuppern‹ eingeladen«, schreibt das Ehepaar und betont: »Die größten Schätze findet man immer dann, wenn man nicht danach sucht.«

So sei die Gießenerin, die natürlich übernommen werden soll, stets an aktueller Technik interessiert sowie motiviert, sich über das normale Maß hinaus weiterzubilden. Im Betrieb nutze sie jede freie Minute für Online-Schulungen von Hörgeräteherstellern. Außerdem sei sie ein »sehr familiärer Mensch«, gewissenhaft, zuverlässig und engagiert in Vereinen und Gruppen wie bei den Landfrauen, beim Voltigieren und als Klarinette-Spielerin in einem kleinen Orchester. Nicht zuletzt habe sie auch die »enorme Belastung« durch die Coronapandemie und Online-Ausbildung im Blockunterricht gemeistert.

Alles Punkte, die die Handwerkskammer überzeugten. »Aber der Erfolg hat immer viele Mütter und Väter«, sagte Mundschenk und gratulierte zudem Ausbilderin Gall und dem Inhaber-Paar für die gute Lehre.

Seit 1999 hat die Kammer 269 Auszubildende unter dem Motto »Ausgezeichnete Lehrlinge auszeichnen« geehrt. Die Aktion soll Perspektiven und Chancen in den über 26 000 Betrieben im Kammerbezirk aufzeigen und motivieren, weiterhin auf hohem Niveau zu lehren.

Über 130 Ausbildungsberufe gibt es im Handwerk. Das sei der »gelebte Mittelstand«, viele, die viel arbeiten und oft nebenher noch ausbilden würden, sagte Mundschenk und betonte: »Das Handwerk ist die Wirtschaftsmacht von nebenan.«

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