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Kai (r.) und Uwe Krieger beobachten vom Dach des Containers das Interview mit Künstler Deniz Alt (sitzend).

Galerie in Hochsee-Containern

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Einen Ort für Kunst, der auch während Pandemie und Lockdown besichtigt werden kann, erschaffen die 3Steps und ihr neues Künstlerhub Hütte38 an der Margaretenhütte. Hochseecontainer werden dort zur Galerie. Am Freitag war Richtfest und Start der ersten Pop-Art-Schau mit den Künstlern Deniz Alt und Christian Böhmer.

Das Gefühl, Kunst live zu erleben, ist unersetzbar. Aber wenn Pandemie oder Lockdown zu Abstand zwingen, bleibt meist nur das Ausweichen in den digitalen Raum. Das wollen die Zwillinge Kai H. und Uwe H. Krieger vom heimischen Urban Art Kollektiv 3Steps mit ihrem neuen Projekt QuARTainer und ihrem Start-Up Hütte38 ändern und bauen ehemalige Hochseecontainer zur jederzeit einsehbaren Kunstgalerie aus: mit Glasfronten und allem nötigen technischen Equipment.

Ein erster Prototyp entsteht derzeit aus zwei Hochseecontainern auf einer städtischen Fläche direkt neben dem künftigen KünstlerHub Hütte38 an der Margaretenhütte 38, wo mit Ateliers und Druckwerkstatt, kreativen Arbeitsflächen und Büros ein neues Quartier für Künstler- und Kreative für Gießen und Mittelhessen entstehen wird. Dort herrschte am Freitag reger Betrieb: Kameraleute vom Hessischen Fernsehen, heimische Pressevertreter, Künstler und Handwerker feierten gemeinsam Richtfest und den Aufbau der ersten Ausstellung in den aktuell noch zwei Containern. Ein dritter wird demnächst draufgesetzt.

Die Beschaffung der gut erhaltenen Spezial-Hochseecontainer und die Materiallieferung für den Ausbau sei in der derzeitigen Lage sehr schwer gewesen, berichtet Kai Krieger. Bei der Umsetzung des Projekts müssen dann Statik, Wärmeschutz und Brandschutz berücksichtigt und Versorgungsleitungen im Erdreich verlegt werden.

QuARTainer ist ein Wortgeflecht aus Quarantäne und Container - ein Synonym für geschlossene und doch öffentlich zugängliche Galerie-Ausstellungsräume. Es schafft für bildende Künstler unterschiedlicher Genres neue offene Ausstellungs- und Werkräume - leicht zugänglich mitten in der Stadt und als Reaktion auf die Schwierigkeiten der Künstler durch den Ausfall von Ausstellungen, Performances, Messen und Kunstfestivals durch die Covid-19-Pandemie. Die Galerieräume werden unabhängig von festen Öffnungszeiten auch bei geschlossenen Türen vom Freien aus einsehbar sein, »damit man in der Pandemie-Zeit keinen geschlossenen Raum betreten muss, um Kunst zu erleben«, betont Kai Krieger. Zusätzlich sollen die Ausstellungsräume auch virtuell online und später auch über VR digital von jedem Ort der Welt erfassbar sein. Nach dem Prototypen sind diese Ausstellungsräume in Kooperation mit Kunstvereinen oder Galerien überall denkbar - »das könnte wie ein Franchise laufen«, so Kai Krieger.

Es fehlen noch 15 000 Euro

Im Rahmen von »Hessen kulturell neu eröffnen« stehen dem Projekt 18 000 Euro für die ersten beiden Container zur Verfügung. Zusätzlich haben 79 Menschen das Projekt mit 11 455 Euro in einem Crowdfunding auf Startnext unterstützt. Für den weiteren Ausbau der Galerie-Anlage werden noch etwa 15 000 Euro benötigt. Diese zweite Projektphase sowie der Einbau der eigens angefertigten Glasfronten an den Stirnseiten der Container, soll in Kürze weiter gehen. Hierbei wird auf die zwei bestehenden Container ein Dritter obendrauf gesetzt und ausgebaut. Zusätzlich wurde das Projekt unterstützt von lokalen Unternehmen. Im Laufe des Jahres folgt die Gestaltung der Außenanlage.

Die erste Richtfest-Popup-Ausstellung bestreiten Städel-Absolvent Deniz Alt aus Frankfurt, Christian Böhmer aus Köln und die 3Steps selbst. »Es ist tatsächlich mein erstes Pandemiebild«, sagte Deniz Alt, als er am Freitag die Hängung seines Werks begutachtete und mit Kai und Uwe Krieger absprach.

Im Sommer folgen dann grafisch-abstrakte Positionen der Künstler Johannes Mundinger, der bei den »River Tales« 2017 die Thalia-Rückwand gestaltet hatte, und Christian Hinz aka Kera 1, der unter anderem 2018 das Fina-Parkhaus mit seiner Kunst verschönert hat.

Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung des Projektes finden sich auch bald auf der neuen Webseite www.quARTainer.com. Beim Aufstellen der Container wurden Pflastersteine aus der Nachkriegszeit gefunden. Diese werden die 3Steps gestalten und an Spender für QuARTainer weitergeben.

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