Die Menschen warten mit Corona-Abstand auf die Essensausgabe. FOTOS: IGE
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Die Menschen warten mit Corona-Abstand auf die Essensausgabe. FOTOS: IGE

Gänsekeule zum Martinstag

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Gießen(ige). Gänsekeule, Klöße, Rotkraut und Dessert: Für Bedürftige der nördlichen Weststadt gab es dieses leckere Essen am Dienstag - einen Tag vor dem Martinstag -zum Mitnehmen auf dem Hof der Jugendwerkstatt. Und zwar noch nicht mal für "nen Appel und en Ei", sondern völlig kostenlos. Der Grund: Die auch durch das Fernsehen bekannte "Aktion Mensch" hatte Ende März einen Aufruf gestartet, Förderanträge im Zuge eines Corona-Sonderprogramms einzureichen. Der aufgelegte Fond betrug zwei Millionen Euro. Die Jugendwerkstatt (JW) und Gesellschaft für Integration, Jugend und Berufsbildung (IJB) hatten sich gemeinsam beworben und erhielten 50 000 Euro - die maximale Fördersumme, und zwar für das Projekt, Essen in der Corona-Zeit an Bedürftige kostenlos abzugeben. Eigentlich lief der Förderzeitraum nur bis 30. September. Weil jedoch anfangs nicht alle Kapazitäten ausgeschöpft wurden, wurde das Angebot bis zum 12. November aufrechterhalten.

3000 Essen ausgegeben

An diesem Donnerstag ist somit endgültig der letzte Aktionstag der Essensausgabe - eine Anschlussfinanzierung wurde nicht gefunden. Rund 3000 Essen wurden in diesem Zeitraum kostenlos für die Menschen zubereitet

Lang war die Schlange der Menschen, die sich am Dienstag geduldig einreihten, um am Stand der Essensausgabe ein bis zwei Gans-Mahlzeiten zum Mitnehmen für ihren Haushalt abzuholen. Seit Mitte Mai lief dienstags und donnerstags ab 12.30 Uhr die Essensausgabe im Rahmen der Aktion "G(en)ießen". Dieser Name wurde einem in der Stadt gebräuchlichen Bonmot "Gießen kommt von Genießen" entliehen. Im selben Zeitraum lieferte die IJB nach telefonischer Voranmeldung beim Nordstadtzentrum zweimal wöchentlich 20 Mahlzeiten nach Hause in die Nord- und die Weststadt.

Die für die Öffentlichkeitsarbeit der JW zuständige Franziska Helmsen erzählt, dass damit die Kapazitätsgrenze des Bistros erreicht sei. "Viele kommen regelmäßig. Aber wir sehen immer wieder neue Gesichter."

Gag-Vorschlag wird umgesetzt

Eine Überprüfung der Bedürftigkeit gibt es nicht. Und dies ist anscheinend auch nicht nötig, erkennt auch Geschäftsführerin Mirjam Aasman, wenn sie in die Gesichter der wartenden Menschen in der anstehenden Schlange schaut.

Dass es am Dienstag tatsächlich Gänsekeule gab, "war eigentlich nur ein Gag-Vorschlag eines Mitarbeiters", sagt Küchenchef Manuel Diemar. Die Idee wurde dann aber realisiert. "Vor Corona hatten wir in der Küche insgesamt 18 Leute, jetzt nur noch knapp zehn, und das bei zusätzlichem Essen - vorher 40 Essen, jetzt 120." Diese Menge bei gleichzeitigem Personalrückgang stellte für Diemar und sein Team jedes Mal eine große Herausforderung dar.

Die IJB steuert übrigens Salat und Gemüse bei. Dieses resultiert aus dem IJB-Anbau auf den Hardtgärten. Dort hat die IJB aus einem verwahrlosten Bauschuttgrundstück eine grüne, blühende Landschaft gestaltet.

Der ehemalige Hausarzt Werner Fleck ist seit vergangenem Mai beim Gesundheitsamt tätig und für Arztpraxen und Krankenhäuser sowie vulnerable (besonders gefährdete) Gruppen zuständig. Bei der Essensausgabe sprach er mit den Wartenden und verteilte Flyer bezüglich Hygieneregeln in den Sprachen Deutsch, Türkisch, Englisch, Arabisch und Farsi. Kein Bedarf bestand an diesem Tag für Russisch.

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