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Für mehr kulturelle Bildung

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Von: Sonja Schwaeppe

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Sebastian Songin und Mathilde Lehmann (links) vom Stadttheater Gießen stellen die Sparte »Junges Theater« auf der Messe »Kulturelle Bildung« vor. © Sonja Schwaeppe

Gießen (son). Mit einem bislang in Gießen einzigartigen Programm rückte die Stadt das Thema »Kulturelle Bildung« in den Fokus der Öffentlichkeit. Bewusst im Zentrum der Stadt verortet und gefühlt das gesamte Rathaus belegend, stellten viele Akteure und Akteurinnen kultureller Bildung bei einer Messe am Samstagnachmittag ein Potpourri der bestehenden Angebote und Projekte vor.

Ziel des Ganzen: Einen nachhaltigen Impuls für Gießen zu setzen, die Vernetzung der kulturellen Bildung in der Stadt zu verbessern.

»Wir wollen heute miteinander ins Gespräch kommen und uns inspirieren lassen, neue Kooperationen beginnen und Projekte kreieren«, sagte Stadträtin Astrid Eibelshäuser in ihrer Begrüßungsansprache. Es bestünde die Gelegenheit, komprimiert Einblicke in die schulische und außerschulische Arbeit der kulturellen Bildung zu erhalten.

Aufführungen und Gespräche

Dazu gehörten die Arbeit der Theater-, Musical- und Medienprojekte der Schulen, der kommunalen Musikschule, der Jugendkulturarbeit der Jugendkulturförderung, des Stadttheaters und freier Theatergruppen, der Museen, Volkshochschule, Bibliothek, Kunsthalle sowie bereits bestehender Kooperationen. Dazu bestand an den rund 20 Messeständen, bei Aufführungen, Gesprächen und Best Practice-Beispielen ausreichend Gelegenheit.

Für Eibelshäuser ist diese Veranstaltung besonders wichtig, zumal sie die Kommunen hierbei in einer speziellen Verantwortung sieht: »Kulturelle Bildung ist eine Querschnittsaufgabe, die in den Ressorts Jugend, Bildung und Weiterbildung, Schule und Kultur verortet ist«, sagte sie. Die Kommune ist der zentrale Ort für gelingende kulturelle Bildung. Gerade hier müsse man in Zukunft auf abgestimmte Konzepte setzen, bei denen Austausch, Dialog und gegenseitiges Kennenlernen wichtige Voraussetzungen seien, kulturelle Bildung allen Menschen dieser Stadt zugänglich zu machen. Weiterhin spiele kulturelle Bildung im Kontext eines ganzheitlichen Bildungsbegriffs eine zentrale Rolle, schaffe die Stärkung von Selbstwirksamkeit gerade in unsicheren Zeiten und kann für unterschiedlichste Gruppen neue Chancen der Teilhabe ermöglichen.

Prof. Vanessa-Isabell Reinwand-Weiss, Direktorin der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel, stellte in ihrer Einführungsrede fest, dass kulturelle Bildung kein Nischenprodukt sei, sondern ein essenzieller Bestandteil der Allgemeinbildung. Sie umriss in ihrer These, das unter kultureller Bildung ein Modus zu verstehen sei, wie man sich in der Welt sieht. Kulturelle Bildung begleite dabei nicht nur Transformationen sondern befördere sie auch. Dabei stünden die Akteure besonderen Herausforderungen gegenüber. »Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel, wachsende Armut und Diversität - die uns krasse Ambivalenzen vor Augen führen, wollen eingeordnet und bewältigt werden.« Hier komme der kulturellen Bildung eine enorme Bedeutung zu. Sie stärke Selbstwirksamkeit, Vielfalt, sei fehlerfreundlich und stärkenorientiert. »Damit steht dieser Bildungsbegriff oft im Gegensatz zum schulischen Bildungsbegriff, der mehrheitlich immer noch an Leistung, Bewertung, Wettkampf und Noten festgemacht ist.«

Nichtsdestotrotz nehme die Schule neben der Familie und diversen Kultureinrichtungen einen sehr wichtigen Platz bei der Vermittlung dieses Bildungsbegriffs ein. Auf der Messe zeigten beispielsweise die Ricarda-Huch-Schule, die Pestalozzischule Gießen und Schüler Georg-Büchner-Schule, wie kulturelle Vermittlung im schulischen Kontext gelingt. Die Waldakademie Hessen, stellte auf der Messe ihr Best-Practice-Beispiel »1001 Kinder für unsere Zukunft. Landart mit 1001 Kindern im Stadtpark Wieseckaue« vor, wie das Jokus mit seinem »Hip-Hop-Studio« oder der Bund Deutscher Pfadfinder mit seiner Theaterfabrik.

Neue Sparte des Stadttheaters

An den rund 20 Ständen konnten sich interessierte Besucherinnen und Besucher über Einrichtungen wie die Malschule Gießen, das Projekt Kulturkoffer oder die Kunsthalle informieren. Das Stadtheater Gießen beispielsweise zeigte mit seiner neu aufgestellten Sparte »Junges Theater« unter Leitung von Mathilde Lehmann und Sebastian Songin wie kulturelle Bildung mit für Kinder und Jugendliche in Zukunft in die urbanen Räume hineinwirken kann. Ab September wollen sie gemeinsam mit interessierten Kindern und Jugendlichen den städtischen Raum künstlerisch »erobern«.

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