Illegale Fracht

Für einen Tag kriminell geworden: Serbischer Vater vor dem Landgericht Gießen verurteilt

  • Guido Tamme
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Das Landgericht Gießen hat einen 44-jährigen Serben verurteilt. Dem verheirateten Vater von zwei Kindern kommt es nun teuer zu stehen, dass er sich „für einen Tag einer kriminellen Organisation unterworfen hat“.

Gießen – Teuer zu stehen kommt es einen 44-jährigen Serben, dass er für einen Tag kriminell geworden war und eine große Ladung Marihuana transportiert hatte: Die 7. Große Strafkammer des Landgerichts Gießen verurteilte ihn am Montag wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen und der Beihilfe zum Handel damit zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

Wie bereits berichtet, hatte der Berufskraftfahrer zum 1. Juni vergangenen Jahres eine Stelle bei einer deutschen Spedition angenommen. Schon wenige Tage später hatte er sich für Extralohn von 2000 Euro bereit erklärt, in Umzugskartons verstecktes Marihuana mit seinem Sattelzug an zwei Empfänger in Deutschland auszuliefern.

Landgericht Gießen: Verheirateter Vater von zwei Kindern aus Serbien bei Marihuana-Schmuggel erwischt

Pech für den verheirateten Vater von zwei Kindern war allerdings, dass der erste Übergabeplatz in Liederbach/Taunus im Zuge einer groß angelegten Ermittlungsaktion gegen den Rauschgifthandel von der Mainzer Polizei observiert wurde. So konnten Beamte per Videokamera dabei sein, als der Serbe am 9. Juni morgens elf Umzugskartons auslud, in denen sich 80 Kilogramm Marihuana befanden.

Anschließend fuhr der 44-Jährige über die A 66 und die A 5 zum Gambacher Kreuz und dann auf der A 45 in Richtung Dortmund. Als er gegen 8.40 Uhr auf dem Parkplatz Pfaffenpfad südlich von Lützellinden eine Pause einlegte, griffen seine Verfolger zu. Sie fanden im vorderen Teil des Aufliegers, der mit 24 Big Packs voll Baustoffen beladen war, weitere zwölf Kartons mit zusammen 104 Kilogramm Marihuana. Der Transporteur wurde verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft, derzeit in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt.

Für einen Tag kriminell: Landgericht Gießen verurteilt 44-jährigem Serben für Fahrt als Drogenkurier

Im Zuge des nun abgeschlossenen Strafprozesses hatte es kürzlich ein internes Rechtsgespräch mit allen Verfahrensbeteiligten gegeben. Dabei hatte Pflichtverteidiger Marius Maier (Frankfurt) eine Haftstrafe von bis zu dreieinhalb Jahren verlangt, weil sein Mandant nur Kurier gewesen sei. Kammervorsitzende Dr. Kathrin Exler machte daraus einen Verständigungsvorschlag mit einer Obergrenze von vier Jahren und zwei Monaten. Staatsanwalt Eugen Schwegler hatte nach der Beweisaufnahme eine Haftstrafe von vier Jahren beantragt.

Dem kam die Kammer ziemlich nahe. In der Urteilsbegründung bezeichnete es die Vorsitzende als strafmildernd, dass der Angeklagte geständig war, dass er nicht vorbestraft ist und dass das gesamte Rauschgift sichergestellt werden konnte. Zu seinen Lasten müsse allerdings gewertet werden, dass er sich »für einen Tag einer kriminellen Organisation unterworfen hat«. Es handele sich zudem um eine erhebliche Menge, deren Weitergabe zu beträchtlichen Umsätzen geführt hätte.

Wer der Auftraggeber des Serben war und wo er seine illegale Fracht eingeladen hatte, war in der Verhandlung nicht zur Sprache gekommen. (ta)

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