Früh auf U3-Bedarf reagiert

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Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab drei Jahren dräute am Horizont, und die Stadt Gießen war stolz darauf, dass sie – trotz klammer Finanzlage – handelte. Sie baute nicht nur die Kindergärten aus, sondern reagierte auch auf den Bedarf der Kleinkindbetreuung, obwohl Eltern auf U3-Plätze erst ab 2013 würden pochen können. "Wieseck hat endlich eine Kindertagesstätte", meldete die GAZ im April 1994. Das hieß: Die neue Einrichtung "Marie Juchacz" der Arbeiterwohlfahrt verfügte von Anfang an auch über eine Krabbelgruppe. Nun hat die Kita ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert – und zugleich einen Erzieher, der fast sein ganzes bisheriges Berufsleben dort verbracht hat.

Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab drei Jahren dräute am Horizont, und die Stadt Gießen war stolz darauf, dass sie – trotz klammer Finanzlage – handelte. Sie baute nicht nur die Kindergärten aus, sondern reagierte auch auf den Bedarf der Kleinkindbetreuung, obwohl Eltern auf U3-Plätze erst ab 2013 würden pochen können. "Wieseck hat endlich eine Kindertagesstätte", meldete die GAZ im April 1994. Das hieß: Die neue Einrichtung "Marie Juchacz" der Arbeiterwohlfahrt verfügte von Anfang an auch über eine Krabbelgruppe. Nun hat die Kita ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert – und zugleich einen Erzieher, der fast sein ganzes bisheriges Berufsleben dort verbracht hat.

Nachbarn hatten einst Bedenken

Wieseck war zuvor besonders schlecht versorgt. Über 300 Kindergartenplätze (also für Drei- bis Sechsjährige) fehlten im Stadtteil. Mit der Kita "Marie Juchacz" – benannt nach der AWO-Gründerin – entstanden nun 85 Plätze, heute sind es dank einer zweiten Krabbelgruppe 95. Satte 2,3 Millionen D-Mark kostete die behindertengerecht ausgestattete Einrichtung; das Land und die Stadt beteiligten sich mit jeweils einer Million Mark, den Rest trug die AWO. Bei der Einweihung lobte Hessens Jugendministerin Iris Blaul (Grüne) das Engagement in Gießen.

Den teilweise provisorischen Betrieb in den ersten Monaten – unter anderem war das Außengelände noch nicht fertiggestellt – erlebte Gerhard Lindenstruth hautnah mit. Der studierte Gymnasiallehrer hatte keine Stelle an einer Schule bekommen und nutzte die Chance, als Seiteneinsteiger in der Kita zu beginnen. Braucht jede/r Erzieher/in unbedingt die lange, aufwendige Ausbildung? Was heute wieder heftig diskutiert wird, habe sich damals auch bei einigen Kommilitoninnen bewährt, erzählt Lindenstruth im GAZ-Gespräch. "Manches war Neuland für mich. Spiele und Lieder musste ich erst lernen. Ich habe aber auch Interessen mitgebracht, die ich gut einbringen konnte, zum Beispiel Kochen, Backen und Gärtnern."

Die "etwas exotische Rolle" als einer der ersten Männer in dem Beruf war für den heute 57-Jährigen kein Problem. "Er war lange sozusagen unser Vorzeige-Erzieher", erklärt Gaby Nickel, Kita-Bereichsleiterin bei der AWO. Im vergangenen Jahr wurde Lindenstruth Betriebsratsvorsitzender. "Der Beruf hat mir viel gegeben. Ich vermisse den Alltag mit den Kindern heute noch manchmal."

Das war ihm beim Jubiläumsfest anzusehen. Beim Konzert mit Kinderliedermacher Martin Pfeiffer sang und gestikulierte Gerhard Lindenstruth hingebungsvoll mit den Kindern. Ihn selbst würdigte das Team unter Leitung von Sabine Achenbach mit dem umgedichteten Marianne-Rosenberg-Schlager "Er gehört zu uns".

Den Bau auf einem bis dato als Spielplatz vorgesehenen Gelände hatten einst Bedenken von Anwohnern verzögert. Heute wirkt das Familienzentrum weit in die Nachbarschaft hinein, etwa mit einem eigenen kleinen Ferienprogramm, erläutert Gaby Nickel. Die offene Bauweise spiegle sich im Angebot für die Kinder wider: Sie können auswählen, welchen Beschäftigungen sie sich neben ihrer Stammgruppe widmen wollen. Ein "Kinderbeirat" vertritt die Interessen der Ein- bis Sechsjährigen.

Die Kinder und das Personal, die meisten in AWO-Rot gekleidet, wussten beim ganztägigen Jubiläumsfest besonders zu schätzen, dass die Gäste – darunter AWO-Geschäftsführer Jens Dapper – auf Reden verzichteten, nicht aber auf Geschenke. Der AWO-Ortsverein Wieseck, vertreten durch Annelore Kühr und Waltraud Weller, überreichte 500 Euro für neue Spielfahrzeuge.

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