Von frittierten Mäusen und der Terrorzelle Erbach

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  • Patrick Dehnhardt
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Henni Nachtsheim gehört gefühlt zu Gießen wie einer der drei Schwätzer. Nicht nur wegen seiner Eintracht-Kolumne in der Gießener Allgemeinen Zeitung, sondern auch der Essig- und Senffabrik Quambusch. Kein Wunder, dass da der Auftritt in der Kongresshalle quasi ein Heimspiel war. Zusammen mit Rick Kavanian und Musiker Martin Johnson sorgte er für einen gelungenen Abend.

Henni Nachtsheim gehört gefühlt zu Gießen wie einer der drei Schwätzer. Nicht nur wegen seiner Eintracht-Kolumne in der Gießener Allgemeinen Zeitung, sondern auch der Essig- und Senffabrik Quambusch. Kein Wunder, dass da der Auftritt in der Kongresshalle quasi ein Heimspiel war. Zusammen mit Rick Kavanian und Musiker Martin Johnson sorgte er für einen gelungenen Abend.

Dabei erzählte Nachtsheim von seinen Kindheitserinnerungen an Gießen und seiner Verwandtschaft mit den Quambuschs. Bevor er sie besuchte, habe er nie Senf gegessen. Doch als ihm 10 DM dafür geboten wurden, ein halbes Brot mit milden Senf zu verspeisen, ließ er sich auf das gelbe Gold ein. Als es dann noch scharfer Senf sein sollte, forderte er 30 DM – mit Erfolg. "So habe ich in Gießen meine ersten Erfahrungen mit der freien Marktwirtschaft gemacht."

Unter dem Titel "Dollbohrer" drehte sich der Abend um die kleinen und großen Helden des Alltags. Für Nachtsheim war dies in seiner Kindheit der Kioskbesitzer an der Ecke, bei dem es süße Gummiteufelchen für fünf Pfennig gab. "Das sind heute 2,5 Cent", rechnete er in Euro um. "Wenn man dafür heute in der Bäckerei etwas will, heißt es: ›Ich kann ihnen einen Sonnenblumenkern vom Brötchen abkratzen. Dann ist aber schon Skonto drin‹." Dieser Kioskbesitzer legte ihm immer seine Lieblingssorte zur Seite – ein echter Held der Kindheit.

Mit seinem Talent, die verschiedensten Stimmen zu imitieren, beeindruckte Kava-nian einmal mehr das Publikum. Seine Paraderolle war an diesem Abend die mit niederländischem Akzent plappernde Eule Renatja, die liebend gerne Mäuse in siedendem Fett kochte: "Wir Holländer fritieren alles." In dieser Geschichte wurde ein Jäger zum zufälligen Helden: Nachdem er beim Nasebohren – "Nasen-Fracking" – eingeschlafen war, erschießt er aus Versehen einen aufdringlichen Specht. Ganz ohne Waffen kommt hingegen die "Terrorzelle Erbach" aus. Diese besteht aus einem alten Ehepaar, das sich über das vermeintlich unhöfliche Personal in ihrem Stammcafé aufregt und aus Langeweile eine terroristische Vereinigung gründet. Mit Geschichten über entzündete Zehen und andere Krankheiten gelingt es ihnen, sämtliche Gäste aus dem Lokal zu treiben.

Zum unfreiwilligen Helden wird in einer weiteren Geschichte der Schleusenwärter Dick. "Fleischwürste waren im Laufe seines Lebens der Mittelpunkt seines Ichs geworden", beschrieb Nachtsheim den Protagonisten, der eines tags eine eingeklemmte Meerjungfrau aus dem Schleusentor befreit. Die mit französischem Akzent – und damit gänzlich h-frei – sprechende Nixe Moby ringt ihm den längsten Dialog seines Lebens ab.

Ein heimlicher Held des Programms war Martin Johnson, der nicht nur am Keyboard, sondern auch Sprecher einer älteren Dame bei einem Gespräch im Seniorenheim brillierte: Die fiepend-säuselnde Stimme erinnerte ein wenig an Finchen aus der Sesamstraße – und sorgte bereits nach den ersten Silben für viele Lacher. Mit einem kritischen Beitrag zur "Seitenbacher-Müsli"-Werbung, in dem sich die Figuren aus den Geschichten ein Stelldichein gaben, endete ein Abend mit zahlreichen Lachern.

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