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Die ersten Proben für das neue Tanzstück "Lyrical", das am 7. Oktober uraufgeführt wird, fanden bereits im Juni statt. Drei neue Mitglieder der Tanzcompagnie des Stadttheaters waren eigens angereist. Mit Beginn der Spielzeit sind sie nun in Gießen angekommen, haben neben den Proben viel Organisatorisches erledigen müssen – und gemeinsam einen Deutschkurs begonnen.

Die beruflich erfahrenste unter den drei Neuen in der Tanzcompagnie ist Anna Jirmanova, 1988 in Tschechien geboren. Sie stammt aus einer Theaterfamilie, der Vater war Schauspieler, die Mutter Tänzerin. "Als ich drei Jahre alt war, gründete meine Mutter eine Ballettschule. Ich war immer mittendrin, bin mit dem Ballett aufgewachsen", erzählt sie. Mit zwölf Jahren war klar, dass sie das Tanzen zu ihrem Beruf machen wollte, auch wenn die Mutter anfangs abriet. "Sie weiß ja, wie hart der Job ist." Jirmanova besuchte ein Konservatorium in Prag, ging 2007 für ein Jahr nach Barcelona, um zeitgenössischen Tanz zu lernen. Dann studierte sie an der Akademie der Künste in Prag, machte 2010 ihren Abschluss in Choreografie. Ihr erstes Engagement als Tänzerin erhielt sie bei der baskischen Tanzcompagnie in San Sebastian, das zweite brachte sie 2012 in den hohen Norden, zu "Norddans" in Nordschweden. "Nun bin ich in der Mitte zwischen beiden gelandet, in Gießen", sagt sie.

Michael D’Ambrosio, Jahrgang 1995, kommt aus Cosenza, Hauptstadt der Provinz Calabrien in Süditalien. Er begann als Fünfjähriger mit dem Tanzen auf Empfehlung eines Arztes, um den Rücken zu kräftigen und seine Skoliose zu bekämpfen. Im Alter von 13 Jahren wollte er das Tanzen professionalisieren und ging auf ein Lyzeum in Florenz. Über all die Jahre stand er bereits auf der Bühne, in Stücken des klassischen Balletts und des Modern Jazz. Seinen Studienabschluss machte 2015 an der Internationalen Akademie Coreutica in Florenz. Sein erstes Engagement hatte er beim South Bohemian Ballet in Ceske Budejovice in Tschechien.

Bayara Narangerel kommt aus der Mongolei. Er ist aufgewachsen mit Volkstänzen, studierte dies auch an der Universität der Künste in Darkhan-Uul, der zweitgrößten Stadt des Landes. Mit 18 Jahren besuchte er die Universität in der Hauptstadt Ulaanbaator und ging danach nach Japan, um dort die japanische Sprache und das klassische Ballett zu erlernen. Dank eines privaten Förderers kam er 2015 zur Cinevox Junior Company in die Schweiz, wo er zum klassischen Ballett noch zeitgenössischen Tanz lernte. Gießen ist sein erstes Profi-Engagement.

Assams neuer Assistent

Neu ist auch der Assistent des Ballettdirektors. Elmer Domdom ist Philippino und lebt seit 1994 in Deutschland. "Geplant war das nicht, dass ich so lange bleibe", schmunzelt der Fünfzigjährige. Er habe sich immer sehr willkommen gefühlt, hatte keine Probleme mit Engagements und so sei Deutschland zu seiner zweiten Heimat geworden. Sein Start in den Tänzerberuf war relativ spät, doch hatte er großartige Förderer. "Auf den Philippinen wachsen die Kinder mit Volkstanz auf, das ist selbstverständlich", erzählt. Ab 1984 besuchte er eine Oberschule, an der klassisches Ballett und zeitgenössischer Tanz gelehrt wurden. Er war Mitglied der "Filipiniana Dance Troupe", die weltweit auftritt. Zeitweise tanzte er parallel noch bei der privaten "Quezon City Ballet Company" und später im Nationalballett Manila. "Das war eine harte Zeit." Sein Hochschulstudium schloss er 1992 mit dem Bachelor in Sportpädagogik, Schwerpunkt Tanz ab.

In Deutschland arbeitete er von Beginn an mit bekannten Choreografen, war Ensemblemitglied in großen Compagnien. Seit 2009 ist er Freiberufler, tanzt, unterrichtet und choreografiert. In der vergangenen Spielzeit war er zweimal als Trainingsleiter bei der Tanzcompagnie Gießen. Da die Arbeit harmonierte, fragte Tarek Assam, ob er als sein Assistent kommen wolle. "Das ist eine große Ehre für mich", sagt Domdom strahlend. "Ich freue mich, dass ich meine langjährige Erfahrung weitergeben kann." Leidenschaft und Spaß haben, beides gehört für ihn zur Motivation von Tänzern und das möchte er vermitteln. Bei der TCG gefällt ihm vor allem die Balance zwischen erfahrenen und ganz jungen Tänzern.

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