Dagmar Klein erläutert das Grabmal für Friedrich von Heimbrachts, der - in den hessischen Adel aufgenommen - seinen Namen ändern musste. Er ist der Vater des Kindes Moritz von Humbracht, dessen Grabmal zuvor besucht wurde. Beide Grabmäler wurden von dem Darmstädter Bildhauer Johann Baptist Scholl d.J. geschaffen. FOTO: BF
+
Dagmar Klein erläutert das Grabmal für Friedrich von Heimbrachts, der - in den hessischen Adel aufgenommen - seinen Namen ändern musste. Er ist der Vater des Kindes Moritz von Humbracht, dessen Grabmal zuvor besucht wurde. Beide Grabmäler wurden von dem Darmstädter Bildhauer Johann Baptist Scholl d.J. geschaffen. FOTO: BF

Friedhofskultur gewürdigt

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
    schließen

Der Freundeskreis Alter Friedhof freut sich, dass die deutsche Friedhofskultur nun als Immaterielles Kulturerbe anerkannt wird. Aus Gießen sind der Alte Friedhof und der Friedhof am Rodtberg angemeldet, um in das Verzeichnis aufgenommen zu werden. Einen Eindruck vom Kulturerbe bot der Freundeskreis am Sonntag bei Rundgängen, Gesprächen und Informationen auf dem Alten Friedhof - passend auch zum allgemeinen "Tag des Friedhofs".

Die Sonne schien, als wollte sie den Alten Friedhof in einem Spotlight glänzen lassen. Passend, denn am Sonntag, zugleich als "Tag des Friedhofs" im Kalender notiert, hatte der Freundeskreis Alter Friedhof eingeladen, die auf Empfehlung der Kultusministerkonferenz von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannte deutsche Friedhofskultur an diesem Gießener Kleinod zu würdigen. Rund 80 Besucher nutzten die Gelegenheit, an den über vier Stunden verteilt angebotenen Kurzführungen teilzunehmen, die jeweils andere thematische Fokussierungen hatten. Freundeskreismitglied Dagmar Klein, unterstützt von Stadtführer Peter Meilinger, gestaltete das lehrreiche Vergnügen mit kundigen Erläuterungen.

Viele Friedhöfe sind lebendige Geschichtsbücher und historisch bedeutsam. Ihre Pflege ist Teil eines aktiven Denkmalschutzes und somit auch historisch werterhaltend. Und damit ist die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis auch eine Anerkennung für die Menschen, die sich für das Friedhofswesen engagieren. Das gilt natürlich auch für den Alten Friedhof an der Licher Straße und die Arbeit des von Dietgard Wosimsky geleiteten Freundeskreises.

Eine Station der am Sonntag angebotenen Rundgänge war der auf Initiative des Freundeskreises von Frankfurt nach Gießen versetzte Grabstein des Oscar-Gewinners und Bühnenbildners Hein Heckroth, der aus Gießen stammte.

Die Teilnehmer hörten aber auch Wissenswertes zu Wilhelm Röntgen, zu Georg Edward oder dem Grabmal für Ernst Dieffenbach. Zudem standen Mitglieder des Freundeskreises des Alten Friedhofs zu weiteren kundigen Gesprächen bereit. Themen dabei waren auch Fragen des Denkmalschutzes und das Angebot von Patenschaftsgräbern.

Die Besucher erfuhren auch, dass die Friedhofskultur in Deutschland einzigartig ist. Die Art und Weise, wie Gräber als kleine Gärten der Erinnerung gestaltet werden, ist genauso besonders wie das Einbetten der Gräber in Parklandschaften - ein Aspekt, der auch auf den Alten Friedhof zutrifft, der zudem ein Stück Grüne Lunge in der Stadt darstellt.

Durch die Ernennung zum Kulturerbe wird aber auch auf Bedrohungen der Friedhofskultur aufmerksam gemacht. So benennt der Antrag vor allem die Zunahme von sogenannten Naturbestattungen außerhalb der klassischen Friedhöfe als Risikofaktor. Zugleich bieten gesellschaftliche Veränderungen aber auch Chancen für die Entwicklung der Friedhofskultur.

Auf dem Friedhof am Rodtberg hatte sich die Stadt damit begnügt, mit einem neuen Schild auf die Bedeutung der Friedhofskultur zu verweisen und so auf die Aufnahme der Gießener Friedhöfe in das bundesweite Netzwerk aufmerksam zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare